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Energie- und Klimaexpertin Hisayo Takada vor dem Bundeskanzleramt in Berlin 06/30/2011
Mike Schmidt / Greenpeace

Die japanische Regierung muss sich jetzt um unsere Kinder kümmern!

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Hisayo Takada, 31, ist Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace Japan. Hisayo arbeitet jetzt für ein paar Wochen bei Greenpeace Deutschland in Hamburg. Was sie dort macht und wie sie die Situation in Fukushima einschätzt, hat sie uns in einem Interview erzählt.

Greenpeace: Hisayo, du arbeitest als Klima- und Energiekampaignerin bei Greenpeace Japan in Tokio. Die Katastrophe von Fukushima hat bestimmt eure Arbeit mit einem Schlag verändert. Wie sah deine Arbeit nach der Katastrophe aus?

Hisayo Takado: Nach dem Reaktorunglück von Fukushima bin ich zwei Mal in die Region gefahren, um die Strahlenüberwachung von Greenpeace zu unterstützen. Im Evakuierungszentrum habe ich einen jungen Mann aus Minamisoma, einer Stadt in der Nähe des AKW, getroffen, der mit seinen beiden Kindern geflüchtet ist – ohne jegliche finanziellen Mittel und ohne Unterstützung von den Behörden. Die Eltern seiner Frau haben ihr Haus durch den Tsunami verloren. Die Menschen in Japan haben wirklich ein hartes Schicksal erwischt. Umso mehr freue ich mich, mit Greenpeace gegen den Kern des Problems, die Atomkraft, vorzugehen. Mit unserer Kampagne wollen wir Japans Energiepolitik in die richtige Richtung stoßen, um weg von Atomkraft und hin zu Erneuerbaren Energien zu kommen.

Greenpeace: Die japanische Regierung wurde stark dafür kritisiert, wie sie mit dem Reaktorunglück umgegangen ist. Was muss die Regierung deiner Meinung nach jetzt tun?

Hisayo Takado: Die Regierung sollte sich jetzt vor allem mehr um die Kinder kümmern, die von der Strahlung betroffen sind. Die Präfektur Fukushima ist im großen Umkreis so stark kontaminiert, dass junge Leute nicht mehr arbeiten gehen dürfen. Trotzdem gehen die Kinder dort noch ganz normal zur Schule und spielen dort, ohne von dem hohen Risiko zu wissen. Eine Untersuchung von zehn Kindern aus der Gegend um Fukushima hat gezeigt, dass der Cäsium-Wert in allen Urinproben erhöht war. Die Regierung muss sich um die Menschen kümmern, die von der radioaktiven Strahlung betroffen sind – insbesondere um Kinder und schwangere Frauen.

Greenpeace: Gestern hat der deutsche Bundestag den Atomausstieg bis 2022 beschlossen. Was denkst du über diese Entscheidung?

Greenpeace: Als viertgrößtes Wirtschaftsland hat Deutschland sich entschieden, aus der Atomkraft auszusteigen und den Weg in Richtung Erneuerbare Energien zu gehen. Deutschland zeigt damit, dass Erneuerbare Energien nicht nur wichtig sind, um Katastrophen wie Fukushima zu verhindern, sondern dass sie auch gut für die Wirtschaft sind. Diese historische Entscheidung gibt Japan und vielen anderen Staaten Mut!

Greenpeace: Du arbeitest jetzt eine Zeit lang bei Greenpeace Deutschland in Hamburg. Wie sieht deine Arbeit hier aus?

Hisayo Takado: Greenpeace Deutschland hat mich freundlicherweise eingeladen, die wichtige Entscheidung des Bundestages am 30. Juni vor Ort mitzuerleben. Fukushima war schließlich der Auslöser dafür, dass Deutschland diesen Weg gehen wollte. Am 30. Juni stand ich dann mit vielen Greenpeace-Aktivisten und -Mitarbeitern vor dem Kanzleramt in Berlin, wo wir die 260.000 Unterschriften für die Energiewende überreicht haben. Außerdem schreibe ich Blogbeiträge von hier aus für die japanischen Leser und berichte darin über Deutschlands Energiepolitik. In den nächsten Tagen werde ich noch mit Vertretern aus der Energiebranche reden und Windräder sowie ein abgeschaltetes AKW besichtigen. Ich bin schon sehr gespannt!

Greenpeace: Vielen Dank für das Gespräch, Hisayo!

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