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Luftbild vom Atomkraftwerk Fukushima
© DigitalGlobe / CC BY-NC-ND 2.0

10. Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima

Die Katastrophe ist nicht vorbei: Auch zehn Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima leiden japanische Bürger:innen unter den Folgen – während die Regierung Normalität vorgaukelt.

Die Geschichte der kommerziell genutzten Atomenergie geht lediglich rund 70 Jahre zurück – eine Zeit, in der es neben zahlreichen Störfällen und Beinahe-Unglücken zu zwei Katastrophen kam, deren Auswirkungen auch folgende Generationen beschäftigen werden: der Super-GAU in Tschernobyl im Jahr 1986 und die Kernschmelzen in Fukushima vor genau zehn Jahren. Eine desaströse Bilanz.

Der Mythos der sicheren und sauberen Atomkraft war nie überzeugend, aber die Katastrophe im Kraftwerk Fukushima Daiichi am 11. März 2011 in Folge eines Erdbebens und Tsunamis hat auch in Japan das Restvertrauen in die Hochrisikotechnologie verspielt. Dabei gab und gibt sich die Regierung alle Mühe, die Folgen der Verstrahlung herunterzuspielen und dort Normalität zu behaupten, wo Dinge nie wieder normal sein werden. Mehr als 18.000 Menschen verloren durch Erdbeben und Tsunami ihr Leben, 160.000 mussten aufgrund der radioaktiven Verseuchung evakuiert werden – die meisten sollen, wenn es nach der japanischen Regierung geht, wieder an den Ort der Katastrophe zurückkehren. Aus wirtschaftlicher Not sind viele japanische Bürger:innen bereits wieder zurückgesiedelt. 

Kein lösbares Problem

Doch die Nachwirkungen des 11. März 2011 sind dort nach wie vor messbar. Bei dem Unfall wurden zehntausende Quadratkilometer in der umliegenden Präfektur mit Caesium und anderen radioaktiven Nukliden kontaminiert. Die japanische Regierung tut so, als sei das ein lösbares Problem, das ist es aber nicht: Die Aufräumarbeiten dauern an und sind doch nur oberflächlich, versinnbildlicht durch Abermillionen schwarzer Plastiksäcke, in denen abgetragene Erde und Laubwerk auf Atommülldeponien vor sich hin strahlt. 

Seit dem 26. März 2011 hat Greenpeace insgesamt 32 Strahlenmessungen in der Region vorgenommen, die letzte im November 2020. Untersucht wurde dabei jeweils die Luftbelastung und die Radioaktivität im Boden, in Pflanzen, bei Fischen und in Lebensmittel. Eine aktuelle Studie fasst die Erkenntnisse der vergangenen zehn Jahre zusammen: 

  • Greenpeace hat festgestellt, dass der größte Teil des 840 Quadratkilometer großen sogenannten “speziellen Kontaminationsbereichs” weiterhin mit radioaktivem Cäsium verseucht ist. Für die Dekontamination ist hier die Regierung verantwortlich. Die Analyse der regierungseigenen Daten zeigt, dass im Durchschnitt nur 15 Prozent des Gebietes dekontaminiert wurden. Und selbst dort liegen die Strahlungswerte häufig weit über den Werten vor der Katastrophe.
     
  • Es gibt keinen Plan, wie der von der japanischen Regierung selbst angestrebte Dekontaminationswert von 0,23 Mikrosievert pro Stunde (μSv/h) in vielen der betroffenen Gebiete überhaupt erreicht werden soll. Die Gebiete bleiben einfach zu stark radioaktiv kontaminiert.
     
  • In den Gebieten, in denen die Evakuierungsanordnungen im Jahr 2017 aufgehoben wurden, insbesondere in Namie und Iitate, liegen die Strahlungswerte weiterhin über den sicheren Grenzwerten. Dort wird die Bevölkerung möglicherweise einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt. Dennoch plant die Regierung, bislang bestehende Evakuierungsanordnungen aufzuheben und Menschen wieder zurück in ihre Dörfer zu schicken – und so ihre Gesundheit zu gefährden.
     
  • Bis 2018 waren Zehntausende von Dekontaminationsarbeiter:innen im speziellen Kontaminationsbereich mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Greenpeace hat mit seiner Arbeit dokumentiert, dass die Arbeiter:innen, von denen die meisten schlecht bezahlte Subunternehmer:innen sind, dabei ungerechtfertigten Strahlungsrisiken ausgesetzt wurden – und das für sehr begrenzte und ineffektive Maßnahmen.

Eine weitere von Greenpeace herausgegebene Studie begutachtet die Pläne zum Rückbau der Reaktorruine. Die wichtigste Erkenntnis: Es ist illusorisch zu glauben, dass in 30 bis 40 Jahren buchstäblich Gras über die Sache gewachsen ist – das ist der Zeitrahmen, den Tepco und die japanische Regierung für den vollständigen Rückbau von Fukushima Daiichi angeben. Zuviel steht dem im Weg: Es ist völlig unklar, wie Hunderte von Tonnen nuklearen Brennstoffs, der in und unter den drei Reaktordruckbehältern verblieben ist, geborgen werden soll. So lange wird weiterhin in die Ruine einströmendes Wasser radioaktiv verstrahlt – Wasser, das aufgefangen und gelagert werden muss. Keinesfalls darf es es ins Meer abgelassen werden. Dabei ist das der fahrlässige Plan der japanischen Regierung.

Das Ende des Mythos

Auch wenn immer wieder Stimmen laut werden, die den Mythos der sauberen und sicheren Atomkraft wiederaufleben lassen: Fukushima zeigt auch zehn Jahre später, wie falsch sie liegen. "Die ungeheuer kostenintensive Atomkraft als Klimaretter zu verkaufen, ist bloß ein Vorwand, um diese Hochrisikotechnologie schönzureden”, sagt Heinz Smital, Greenpeace-Experte für Atomenergie.

Die Gefahren der Atomkraft liegen im weiterhin möglichen Super-GAU, dem hochgradig strahlenden Atommüll, für den es kein sicheres Endlager gibt, und der Bedrohung durch Terroristen. Naturkatastrophen, wie das Beben in Fukushima, sind keine abstrakte Gefahr: Eine Greenpeace-Studie zeigt, wie unzureichend auch europäische Atomkraftwerke vor Erdbeben und Überflutungen geschützt sind.

Zehn Jahre nach dem Unglück ist die Situation in Fukushima eine Mahnung – die auch noch weit in die Zukunft bestehen wird.

 

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