Das Abholzen stoppen

Rettet Rumäniens Wälder!

Greenpeace-Aktivisten setzen sich für die verbliebenen osteuropäischen Urwälder ein.

Wild und schön

Die rumänischen Urwälder sind bedroht – von illegalem Einschlag, aber auch von der regulären Forstwirtschaft. Mit einer Waldschutzstation machten Greenpeace-Aktivisten auf die Lage aufmerksam und dokumentieren vor Ort Schönheit wie Zerstörung. Ihre Forderung an die rumänische Umweltministerin: ein sofortiger Abholzungsstopp für besonders schützenswerte Gebiete.
 

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In Deutschland ist der Wald vor allem Holzlieferant für die Industrie, entsprechend jung ist der Baumwuchs. Die sprichwörtliche unberührte Natur findet man hierzulande kaum mehr. Bei unseren europäischen Nachbarn gibt es allerdings noch echte Urwälder – ein Begriff, den man gemeinhin eher mit der Fauna ferner Kontinente verbindet. Doch auch in den Karpaten, in den Alpen oder auf dem Balkan kann man durch jahrhundertealte Wälder streifen. Bloß – wie lange noch?

Am 8. August wurde nahe eines rumänischen Urwaldgebiets südlich des Făgăraș-Gebirges eine Greenpeace-Waldschutzstation eingerichtet. Insgesamt rund 90 Aktivisten und Freiwillige aus vielen Teilen Europas kamen dort zusammen, um die Schönheit, aber auch die teilweise illegale Zerstörung der wilden rumänischen Wälder zu dokumentieren. Die Urwald-Schutzstation und die Dokumentation im Wald sind wichtige Bausteine, damit die Greenpeace-Vision für den rumänischen Wald umgesetzt werden kann. Dazu gehören ein Netzwerk von Schutzgebieten sowie eine verantwortungsbewusste Nutzung des Waldes und seiner Ressourcen.

Illegale Rodungen sind dabei ein großes Problem in Rumänien. 2013 und 2014 verschwand unrechtmäßig mindestens eine Million Kubikmeter Holz aus den Wäldern – so viel registrierten zumindest die zuständigen Behörden, die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich höher.

Schutz für Europas letzte wilde Wälder

Greenpeace möchte mit der Aktion die Aufmerksamkeit auf die wenigen verbliebenen Urwälder Rumäniens und Europas richten. Wenn es darum geht, den Urwald zu retten, denken die meisten hierzulande an Regenwald und Tropenholz – dabei sind die letzten wilden Wälder vor der Haustür ebenso gefährdet. Bei ihrem Schutz muss Europa mit gutem Beispiel vorangehen.

Dafür müssen aber erst die Voraussetzungen geschaffen werden: Oft ist nicht eindeutig, wo die Urwaldgrenzen verlaufen. Darum fordert Greenpeace ein Moratorium: Wo Urwaldgebiete vermutet werden, dürfen vorerst keine Bäume gefällt werden – bis die Urwälder umfassend kartiert und geschützt sind.

Der Anfang ist getan: Vor kurzem hat die rumänische Regierung beschlossen, ein nationales Register der verbliebenen Urwälder zu erstellen. Alle Wälder, die nach offiziellen Kriterien als Urwälder oder Quasi-Urwälder gelten, sollen diesem Register hinzugefügt und dauerhaft vor der Säge geschützt werden. Klingt gut, dabei ist das Projekt mit Problemen behaftet: So liegt die bisher einzige Bestandsaufnahme für diese Wälder schon mehr als zehn Jahre zurück. Seitdem ist in vielen von ihnen Holz gefällt worden. Außerdem wurden damals nicht alle geeigneten Wälder berücksichtigt, sondern teilweise sogar systematisch ignoriert: So groß sind die Interessen an ihrer holzwirtschaftlichen Nutzung.

Kartieren heißt schützen

Doch nun sollen laut Regierungsbeschluss die verbliebenen Urwälder systematisch identifiziert und dauerhaft erhalten werden. Auch die Öffentlichkeit und Nichtregierungsorganisationen sind aufgerufen, Wälder zu melden, die sich für die Aufnahme eignen. Daran knüpften die Greenpeace-Aktivitäten in der Waldschutzstation an.

So lange Unklarheit herrscht, wo sich überall noch Urwälder befinden, darf nicht rücksichtslos im rumänischen Wald gerodet werden. Wir fordern die Umweltministerin Rumäniens Cristiana Pașca-Palmer darum auf, das Moratorium für Urwaldpotenzial-Gebiete umgehend umzusetzen. Der Rodungsstopp soll so lange gelten, bis alle verbliebenen Urwälder identifiziert sind und dauerhaft rechtssicher unter Schutz stehen. Nur so ist gewährleistet, dass jahrhundertealte Wälder weiterhin unberührt bleiben dürfen und Europas Naturerbe bewahrt wird.

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Urwälder Rumänien

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Häufig gestellte Fragen

  • Was steht in Rumänien auf dem Spiel?

    In den rumänischen Karpaten wachsen große Teile der noch verbliebenen Buchenurwälder Europas. Doch auch wenn sie auf dem Papier geschützt sein sollten, sieht die Realität anders aus. Statt sie wirksam für zukünftige Generationen zu bewahren, werden sie durch das Anlegen von Forststraßen und Holzeinschlag systematisch ökologisch verschlechtert oder gar komplett zerstört.

  • Wie sieht es mit den übrigen Wäldern in Rumänien aus?

    Nicht nur die Urwälder, die nur einen kleinen Teil der Waldfläche Rumäniens ausmachen, sind bedroht. Viele Waldgebiete des Landes werden durch verantwortungslose Forstwirtschaft und unrechtmäßige Fällungen gefährdet. Der illegale Holzeinschlag ist eines der gravierendsten Probleme im Forstsektor – auch in Rumänien.

  • Warum wird der illegale Einschlag in Rumänien nicht verhindert?

    Die Möglichkeiten, illegal Holz einzuschlagen sind vielfältig. So kann Betrug bereits auf dem Papier entstehen, in dem beispielsweise Einschlagsplanungen verfälscht oder nicht aktualisiert werden. Darüber hinaus werden im Wald dann oft mehr Bäume gefällt als die Genehmigung vorsieht. Derzeit fehlen systematische Kontrollen und somit ein Abgleich des erlaubten und tatsächlich erfolgten Einschlages, also bleiben diese Vergehen vielfach ungeahndet.

  • Wie wirkt sich illegale Abholzung aus?

    Die Anzahl der behördlich bekannten Fälle illegaler Abholzung nimmt seit 2009 rapide zu. Sie betrug 2009 noch rund 30 Fälle pro Tag, nach aktuellen Auswertungen behördlicher Daten wurden 2015 täglich knapp 100 Fälle von illegalem Einschlag registriert. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm: Dies zeigt die gigantische Menge von mehr als einer Million Kubikmeter illegal geschlagenen Holzes, die 2013 und 2014 registriert wurde. Betrachtet man nur den Verkaufswert, so entspricht der etwa 52,1 Millionen Euro. Doch viel schwerer wiegt die weitgreifende Zerstörung eines für Mensch und Tier wertvollen Ökosystems. 

  • Forderungen

    • Strenger Schutz der noch verbliebenen Urwälder Rumäniens
    • Konsequente Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags
    • Umsetzung der Greenpeace-Vision zu Schutz und ökologischer Waldnutzung

    Publikationen

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