RWE sägt am Vertrauen in die Kohlekommission

Keine Rodungen im Hambacher Forst

Deutschland braucht einen schnellen Kohleausstieg – und keine neuen Braunkohletagebaue.

RWE: Wie die Axt im Wald

RWE will mit der Kettensäge Fakten schaffen und den Hambacher Forst roden – um einen neuen Braunkohletagebau zu erschließen. Dabei verhandelt die Kohlekommission gerade das Wie und Wann des Kohleausstiegs. Vom Oberverwaltungsgericht Münster bekam der Energiekonzern Anfang Oktober einen Dämpfer: Vorerst darf RWE im Wald keine Bäume fällen.

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Der Hambacher Wald ist ein ökologisches Kleinod und Heimat vieler geschützter Arten. Hier lebt zum Beispiel die bedrohte Bechsteinfledermaus. Trotzdem hat Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns RWE, Ende August 2018 verkündet, die letzten Reste dieses unersetzbaren Biotops demnächst zu roden.

Der Zeitpunkt dürfte kein Zufall sein. Denn die Ankündigung des Energieriesen kam pünktlich zu den ersten Zusammentreffen der Kohlekommission nach der Sommerpause. Dort sollen – und zwar eigentlich in einem breiten gesellschaftlichen Konsens mit Umweltverbänden und Gewerkschaften – die Einzelheiten des Kohleausstiegs ausgehandelt werden. 

Braunkohle muss im Boden bleiben

Denn es ist unumstritten: Um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Obergrenze der Erderhitzung nicht zu überschreiten, muss der Großteil der Braunkohlereserven im Boden bleiben. Die Welt verkraftet höchstens einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau, sonst nimmt der Klimawandel unumkehrbare zerstörerische Dimensionen an.

Aus Gründen des Klimaschutzes brauchen wir daher einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Vor allem die ältesten der dreckigen Braunkohlekraftwerke müssen sofort abgeschaltet werden, will Deutschland sein Klimaziel 2020 noch erreichen. Das hat das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (Fraunhofer IEE) im Auftrag von Greenpeace vorgerechnet. 

Kettensägen schaffen kein Vertrauen

Dass RWE nun mit der Kettensäge Fakten schaffen will, bevor die Verhandlungen in der Kohlekommission zu Ende sind, ist fatal. Die angekündigten Rodungen im Hambacher Wald bedrohen nicht nur ein einmaliges Ökosystem, sondern greifen auch die fragile Gesprächsbasis zwischen Vertretern der Wirtschaft und der Gewerkschaften, der Politik und des Umweltschutzes in der Kohlekommission an.

Der Schutz des Klimas und die Zukunft der kommenden Generationen dürfen nicht dem Profitstreben eines einzelnen Unternehmens geopfert werden. Wir brauchen einen erfolgreichen Abschluss der Kohlekommission mit einem Ausstiegsplan aus der Kohle, der von allen Beteiligten getragen wird.

Die gute Nachricht: Das Recht ist auf der Seite der Umweltschützer. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat RWE Rodungen untersagt, bis zweifelsfrei geklärt ist, ob es sich beim verbliebenen Hambacher Wald um ein schützenswertes Gebiet handelt. Rund 50.000 Menschen haben am 6. Oktober friedlich am Wald für Klimaschutz und Kohleausstieg demonstriert; Greenpeace, BUND und Campact sammelten online 840.000 Unterschriften für den Erhalt des Waldes und eine umweltfreundliche Energiepolitik, die sie der nordrhein-westfälischen Landesregierung übergaben. Die Zeichen stehen auf Wandel.

>>> Eine Chronologie der Ereignisse finden Sie in unserem Hambach-Ticker. 


 
 

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Energieszenario 2020

Deutschland kann sein Klimaschutzziel, bis 2020 seine Treibhausgase um 40 Prozent (im Vergleich zu 1990) zu senken, noch erreichen. Dazu muss ein Drittel aller Braunkohlekraftwerke sofort abgeschaltet werden, bei einem weiteren Drittel muss die Leistung moderat gedrosselt werden.