Alte Buchenwälder

Stoppt die Säge!

Urtümliche Buchenwälder sind in Deutschland rar geworden. Umso wichtiger ist es, diese Naturparadiese zu bewahren.

Urwälder von morgen

Sie schützen das Klima, sind die Heimat vieler Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und Erholungsorte für uns Menschen: Deutschlands alte Buchenwälder. Doch diese Urwälder von morgen sind bedroht. Wälder wurden privatisiert und genutzt, die Forstwirtschaft umstrukturiert und mächtig Holz eingeschlagen. Alles, um billig und schnell Holz zu liefern.
 

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Deutschland ist noch weit vom Ziel der Bundesregierung entfernt, fünf Prozent seiner Waldflächen einer natürlichen Entwicklung zu überlassen: Derzeit sind es erst 1,9 Prozent, also weniger als die Hälfte.

Greenpeace fordert deshalb einen sofortigen Einschlagstopp für alle Buchenwaldbestände, die älter als 140 Jahre sind. Dieser soll solange gelten, bis langfristig zehn Prozent der öffentlichen Bestände alter Laubwälder auf zusammenhängenden Flächen aus der Holznutzung genommen und dauerhaft geschützt werden. Nur noch sieben Prozent der nacheiszeitlichen Buchenwaldfläche, die zwei Drittel Deutschlands überspannte, sind heute als junge oder alte Buchenwälder noch vorhanden. Die übrige Fläche musste Äckern, Weiden, Grünflächen und Waldplantagen mit Fichten und Kiefern weichen. Letztere haben mit einem natürlichen Wald kaum noch etwas gemein.

Laubmischwälder, wie sie in Europa schon ewig wachsen, können sich auch in Zeiten des Klimawandels am leichtesten anpassen. Denn die Natur kann es immer noch am besten! Zudem können sie noch im höheren Alter das Klimagas CO2 aufnehmen und langfristig speichern. Damit helfen sie den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu verringern. Mit jedem verlorenen alten Laubwald wird das Klima weiter angeheizt und die Anpassung an die Klimaerwärmung erschwert.

Deutschland ist Entwicklungsland beim Urwaldschutz

International existiert eine breite politische Allianz zum Schutz der tropischen Regenwälder vor Abholzung. Dagegen ist Deutschland beim Schutz von alten Wäldern ohne forstliche Nutzung schlimmer als ein Entwicklungsland. Nur etwa ein Prozent der deutschen Waldfläche ist den natürlichen Prozessen und den dort heimischen Tieren und Pflanzen überlassen. Aber es gibt Hoffnung: Durch einen Beschluss der Bundesregierung und des Bundestages sollen bis zum Jahr 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder geschützt werden. Da sich rund die Hälfte unserer Wälder in privater Hand befindet, soll diese Quote erreicht werden, indem zehn Prozent der öffentlichen Wälder aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Dieser Plan muss jetzt umgesetzt werden.

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Häufig gestellte Fragen

  • Warum fordert Greenpeace einen Einschlagstopp für Buchenwälder, die älter als 140 Jahre sind?

    Von Natur aus wäre fast ganz Deutschland von sehr alten Buchenwald-Gesellschaften mit all ihren Urwaldarten geprägt. Heute ist lediglich ein Drittel der Landfläche bewaldet, davon 14 Prozent mit Buchenwäldern. Die ökologisch hochwertigen Waldbestände über 140 Jahre sind sogar nur noch auf knapp drei Prozent der Waldfläche zu finden. Erschreckend wenig! Diese Restbestände dürfen nicht der Säge zum Opfer fallen.

  • Wenn zehn Prozent der öffentlichen Wälder aus der Nutzung genommen werden, was passiert dann auf den übrigen 90 Prozent?

    Auf den übrigen 90 Prozent wird weiter Holz genutzt - allerdings sehr viel weniger, als derzeit von vielen öffentlichen Waldbesitzern praktiziert wird und unter Wahrung der natürlichen Prozesse eines Waldes. Eine ökologische Waldnutzung heißt: Auf großer Fläche werden nur vereinzelt dicke Bäume entnommen und andere können nachwachsen. So entstehen keine Kahlflächen. Gifte und Dünger sind verboten und während der Vogelbrut findet keine Holznutzung statt.

  • Müssen wir denn nicht unser Holz aus anderen Ländern importieren, wenn wir die deutschen Buchenwälder schützen?

    Die Nachfrage nach Holzprodukten in Deutschland kann auch mit deutlich verringerter Holznutzung gedeckt werden. Die deutsche Papier- und Holzindustrie ist innerhalb weniger Jahre zur Nummer 2 der Exportnationen aufgestiegen (nach China, noch vor USA, Kanada, Finnland und Schweden). Am meisten hat die Papierindustrie davon profitiert. Und Papier ist definitiv ein Rohstoff, den wir drastisch einsparen sollten. Der Energiehunger darf nicht zu einer Plünderung unserer Wälder für die kommerzielle Nutzung führen.

  • Warum konzentriert sich Greenpeace auf die öffentlichen Wälder?

    Was den ökologischen und Erholungswert angeht, geraten die öffentlichen Wälder aufgrund des Sparzwangs öffentlicher Haushalte immer mehr in eine kurzfristige Spirale nach unten. Dabei hat das Bundesverfassungsgericht 1990 klar festgelegt, dass die Bewirtschaftung des Körperschafts- und Staatswaldes der Umwelt- und Erholungsfunktion des Waldes dient, nicht der Sicherung von Absatz und Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse. Dies ist auch in der Nationalen Biodiversitätsstrategie zum Ausdruck gekommen.

  • Ist die deutsche Forstwirtschaft nachhaltig?

    Nein, derzeit ist die Forstwirtschaft in Deutschland alles andere als nachhaltig. Die Wälder sind durch Übernutzung keine Senke für CO2 mehr, wie sie es noch 1990 mit der Aufnahme von 80 Millionen Tonnen CO2 waren. Junge, aufgelichtete und übernutzte Waldbestände entfernen sich immer mehr vom Naturwald. Somit fehlen vielfach Urwald-Reliktarten in unseren Wäldern.

  • Forderungen

    • Einschlagstopp für alle Buchenbestände der öffentlichen Wälder, die älter als 140 Jahre sind
    • Zehn Prozent der öffentlichen Wälder in Deutschland werden bis 2020 innerhalb eines Verbundsystems geschützte „Urwälder von morgen“
    • Ökologische Waldnutzung für alle öffentlichen Wälder auf 90 Prozent der Fläche in Deutschland bis 2020
    • Transparenz für und Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an den Zehn-Jahresplänen im öffentlichen Wald

    Artenvielfalt