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Greenpeace Online: Warum setzt sich Greenpeace so vehement für Dieselrußfilter ein?

Wolfgang Lohbeck: Greenpeace fordert schon seit Jahren die Reduktion von Dieselrußpartikeln, weil Jahr für Jahr tausende von Menschen vorzeitig an Dieselkrebs sterben.

Greenpeace Online: Weshalb reicht das Ausstatten von Neufahrzeugen mit Dieselrußfilter nicht aus, um wirkungsvoll etwas gegen die Feinstaubbelastung zu erreichen?

Wolfgang Lohbeck: Den rund zwölf Millionen Dieselkraftfahrzeugen - acht Millionen davon sind PKW -, die bereits auf unseren Straßen fahren, stehen lediglich rund 1,5 Millionen Neufahrzeuge im Jahr gegenüber. Kriegen nur die Neuen einen Filter, hätten wir das Dieselkrebsproblem noch im nächsten Jahrzehnt. Es muss aber jetzt was passieren!

Greenpeace Online: Was kostet das Nachrüsten von bereits zugelassenen Wagen?

Wolfgang Lohbeck: Das hängt von der Güte des Filtersystems ab und davon, wo der Einbau ausgeführt wird. Aber mit 650 bis 1000 Euro muss man schon rechnen. Die Autobauer sind allerdings in der Pflicht. Sie müssen maßgeschneiderte Systeme für ihre Autos anbieten - und zwar aktiv und so schnell wie möglich!

Greenpeace Online: Von Seiten der Bundesregierung sind 250 Euro als Unterstützung geplant. Was erreicht sie damit?

Wolfgang Lohbeck: Die Regierung versucht mit minimaler Steuerbefreiung davonzukommen. Doch der Betrag reicht allerhöchstens für relativ wirkungslose Filter, so genannte offene Systeme. Sie lassen nachgewiesenermaßen noch zu viel Ruß durch. Bleibt die Regierung dabei, wirkt sich das Ganze kontraproduktiv aus: Die Autobesitzer würden sich mit den minderwirksamen offenen Systemen zufrieden geben und das Dieselkrebsrisiko wäre nur minimal gesenkt. Für die wirksamen, aber teureren Filter würde es keine Nachfrage mehr geben.

Greenpeace Online: Reicht eine Steuererleichterung allein?

Wolfgang Lohbeck: Nein! Der Einbau einer Technik, die die Lebenserwartung tausender Menschen erhöht, kann nicht allein jedem einzeln auf freiwilliger Basis überlassen bleiben. Die Regierung muss endlich auch einen gesetzlich verbindlichen Grenzwert für den Partikelausstoß festlegen. Und zwar einen für Neu- und Altwagen. Da darf es keinen Unterschied geben.

Greenpeace Online:Gibt es noch andere Maßnahmen zur Feinstaubreduktion, die von Greenpeace unterstützt werden?

Wolfgang Lohbeck: Als Sofortmaßnahme kommen in erster Linie natürlich Fahrbeschränkungen in Betracht. Vorstellbar wäre ein Stufenplan: zunächst würden die besonders belasteten Innenstadtbezirke für alle ungefilterten Diesel-"Stinker" gesperrt. Bei weiter steigender Belastung müsste man weitergehende Sperrungen oder -reduzierungen vornehmen, für alle Fahrzeuge. Diese Maßnahmen würden dann greifen, wenn es notwendig wird.

Hilfreich wären außerdem eine Ausweitung der Tempo-30-Zonen in den Städten und ganz allgemein eine Reduzierung des motorisierten Verkehrs, etwa durch Parkraumverknappung und ähnliche Maßnahmen. Auch die City-Maut muss in diesem Licht neu diskutiert werden.

Greenpeace Online: Wie wirken sich gute Filter auf den Feinstaubausstoß aus?

Wolfgang Lohbeck: Nach heutigem Kenntnisstand kann man bei den wirksamen Filtern quasi von einer Nullemission reden. Wenn wir korrekt ein Mikrogramm pro Kilometer nennen, dann nur deshalb, weil man gegenwärtig nicht genauer messen kann. Da der PKW-Verkehr mit 30 bis 70 Prozent, beispielsweise in Straßenschluchten, am Feinstaub-Aufkommen beteiligt ist, wird deutlich, welche durchgreifenden Folgen das Nachrüsten mit Partikelfiltern haben wird.

Greenpeace Online: Wer bleibt als Verursacher von Feinstäuben übrig?

Wolfgang Lohbeck: Die übrigen Fahrzeuge, wie Busse, LKWs und - ganz wichtig - Baumaschinen. Die können schon mal als Spitzenwert bis zu zehn Prozent der Feinstäube in einer Region erzeugen. Hinzu kommen die Industrie, Müllverbrennungsanlagen, Heizungen der Privathaushalte, aber auch Abrieb von Bremsen und Asphalt sowie Schüttgüter. Dazu zählen Kohle, Sand, Getreide, Salz usw..

Greenpeace Online:Welche weiteren positiven Auswirkungen hätte ein sofortiges Nachrüsten mit Filtern?

Wolfgang Lohbeck: Es würden neue Arbeitsplätze entstehen. Grobe Schätzungen gehen von weit über 10.000 neuen Jobs aus. Und: Diese Arbeitsplätze würden in mittelständischen Betrieben entstehen und wären sicherlich begehrt, handelt es sich doch um echte Arbeitsplätze für den Gesundheitsschutz!

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