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Sollten die Mitgliedstaaten der Weltbank mehrheitlich für die Aufhebung des derzeitigen Kredit-Moratoriums auf den industriellen Holzeinschlag stimmen, so könnte dies praktisch das Ende des Urwaldschutzes bedeuten. Und das in einer Zeit, in der alle zwei Sekunden ein Gebiet von der Größe eines Fussballfeldes Motorsägen, Baggern oder Brandrodungen zum Opfer fällt. Greenpeace hat daher die Bundesrepublik aufgefordert, sich gegen den Plan auszusprechen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat erst im Frühjahr 2002 unter Mitarbeit von Greenpeace das so genannte Waldsektor-Konzept entwickelt. Es fordert die Zertifizierung nach den strengen Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC). Der FSC ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die unter anderem von Umweltverbänden, Gewerkschaften, Holzindustrie, indigenen Völkern und Forstwirten getragen wird. Sie steht für eine umwelt- und sozialverträgliche Nutzung von Wäldern. Das FSC-Siegel ist das einzige weltweit anerkannte Holz-Zertifikat.

Nach der neuen Richtlinie der Weltbank dagegen könnten die Kreditnehmer sich ihre Zertifizierung selbst aussuchen. Damit würden, fürchtet Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser, Mogel- und Industriezertifikaten Tür und Tor geöffnet.

Zudem geht der Entwurf davon aus, dass Investitionen in die industrielle Waldwirtschaft destruktive Praktiken stoppen würden. Es gibt kein Anzeichen dafür, dass Holzeinschlag in großem Umfang umweltfreundlich, nachhaltig und sozialverträglich durchgeführt werden kann, warnt Greenpeace Wolfensohn.

Tatsächlich öffnet die neue Richtlinie nach Ansicht der World Rainforest Movement - einem Zusammenschluss von Organisationen zum Schutz der Regenwälder, dem auch Greenpeace angehört - den Weg zu Weltbank-Investitionen in alle Arten von Wald. Eine Ausnahme bilden lediglich Wälder, die von der Bank als kritisch bezeichnet werden.

An der Entscheidung, welche Wälder als gefährdet eingestuft werden sollen, ist allerdings keine Beteiligung der weltweit rund eine Milliarde Menschen vorgesehen, deren Lebensunterhalt von den Wäldern abhängt. Bereits im Juni hat das World Rainforest Movement die Weltbank aufgefordert, einen neuen Entwurf vorzulegen, der die Empfehlungen der Nichtregierungsorganisationen berücksichtigt.

Wie die Abstimmung der Weltbank-Mitgliedsstaaten am 31. Oktober ausgefallen ist, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

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