Skip to main content
Jetzt spenden
Protest gegen Abholzung finnischer Urwälder
© Greenpeace

Umweltschützer demonstrieren gegen Verladung von Papier nach Deutschland

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Seit Anfang Oktober schlägt das staatliche finnische Forstamt Metsähallitus wieder in den Urwäldern in Nordlappland ein. Das Unternehmen Stora Enso kauft dieses Holz und stellt daraus Papier her. Der Konzern ist der größte Holz-Abnehmer des staatlichen Forstamtes und verarbeitet den Urwald zu Zellstoff und Papier, das auch nach Deutschland exportiert wird. Mit 11,7 Millionen Tonnen jährlich sind deutsche Kunden Finnlands wichtigster Papierkäufer.

Insgesamt landen knapp 20 Prozent des aus Finnland exportierten Papiers und zwei Drittel des Zellstoffes in Deutschland. Jede Woche verlässt ein Schiff voll beladen mit Presse- und Magazinpapieren den nordfinnischen Ostseehafen Kemi. Der finnische Staat weiß den Schatz der Wälder nicht zu schätzen. Stora Enso liefert mit dem Kopier- oder Zeitschriftenpapier die zerstörte Artenvielfalt gleich mit nach Deutschland, erklärt Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge.

Denn Untersuchungen von Greenpeace haben ergeben, dass der Einschlag im Urwald gesetzlich geschützte Arten vernichtet, wie zum Beispiel seltene Baumpilze. Es ist ein Verbrechen, dass in siebenhundert Jahren gewachsene Bäume für Zeitschriften und Magazine gefällt werden, die bei uns gerade einmal sieben Tage auf dem Wohnzimmertisch liegen, kritisiert Salge.

Greenpeace fordert, das Abholzen der letzten staatlichen Urwälder in Finnland sofort zu stoppen und Verhandlungen zur Lösung des Konfliktes aufzunehmen. Im März wurde der Einschlag bereits einmal ausgesetzt, nachdem Greenpeace zusammen mit den nordfinnischen Ureinwohnern, den Sami, gegen die Urwaldzerstörung protestiert und eine Schutzstation im Urwald errichtet hatte.

Für viele Sami in Nordfinnland ist die traditionelle Rentierhaltung mit frei umherziehenden Herden die wichtigste Lebensgrundlage und Teil der kulturellen Identität. Die Rentiere sind im Winter auf Baumflechten als Futter angewiesen, die in ausreichender Menge nur in den Urwäldern wachsen. Gibt es keine Urwälder, gibt es auch kein natürliches Futter für die Rentiere.

Im Juni dieses Jahres hat das finnische Forstamt den Einschlagstopp trotz ausbleibender Konfliktlösung wieder aufgehoben. Ende Oktober 2005 verfügte ein Gericht, dass im Wald des staatlichen Forstamtes nicht weiter eingeschlagen werden darf. Doch die Zerstörung geht weiter.

Die betroffenen Sami klagen dagegen und kämpfen für den Erhalt des für sie wichtigen Waldes. Das staatliche Forstamt Metsähallitus will jedoch solange weiter einschlagen, bis die Sami einen Vorab-Schadenersatz geleistet haben. Der kann nach finnischen Gesetzen eingefordert werden.

Mehr zum Thema

Früchte der Ölpalme

Raubbau für Palmöl

  • 18.01.2022

Palmöl findet sich in etwa jedem zweiten Produkt im Supermarkt. Doch unser Ressourcenhunger vernichtet die letzten Regenwälder Südostasiens.

mehr erfahren
Illegal Mining in Yanomami Indigenous Land in Brazil

Drei Jahre Bolsonaro: Drei Jahre Umweltzerstörung in Brasilien

  • 17.01.2022

Im Januar 2022 feiert Jair Bolsonaro dreijähriges Amtsjubiläum als Präsident von Brasilien. Doch für das Klima und die Biodiversität Brasiliens gibt es wenig Grund zu feiern.

mehr erfahren
Waldbrand im Amazonas

EU-Mercosur-Abkommen

  • 15.12.2021

Der Amazonas-Regenwald ist ein Schlüsselelement für Biodiversität und Klimaschutz. Doch das geplante EU-Mercosur Freihandelsabkommen gefährdet ihn weiter.

mehr erfahren
Timelapse over Broadback Valley Forest in Canada

Wälder des Nordens

  • 18.11.2021

Die borealen Wälder in Kanada, Russland und Skandinavien beherbergen eine große Artenvielfalt und tragen zum Klimaschutz bei. Doch die verbliebene Waldwildnis ist bedroht.

mehr erfahren
Feuer im Amazonas, September 2019

Gefahr für Mensch und Umwelt

  • 17.11.2021

Das geplante Handelsabkommen zwischen der EU und den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten hat schädliche Folgen, wie eine Studie zeigt.

mehr erfahren

Feuer im Amazonas-Gebiet

  • 16.11.2021

Jahr für Jahr ein neuer trauriger Rekord: Auch in diesem Jahr brennt wieder der Amazonas-Regenwald. Wie schlimm es ist, und was die Handelspolitik damit zu tun hat.

mehr erfahren