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rainforest elephants

Heimat des Waldelefanten in Gefahr

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Der Regenwald Zentralafrikas erstreckt sich von Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik über Kongo und Äquatorialguinea nach Gabun und ist nach dem Amazonas das zweitgrößte tropische Urwaldgebiet der Welt. Unermesslich viele Arten leben hier. Allein in den Wäldern der Demokratischen Republik Kongo leben rund 1.000 Vogel- und 400 Säugetierarten. Auch der Waldelefant ist im Dschungel Zentralafrikas zu Hause.

Sein Revier kann ein Gebiet von 3.000 Quadratkilometern umspannen. Früher brachte den Waldelefanten hauptsächlich die Jagd nach Elfenbein an den Rand der Ausrottung. Heute kommt noch die Zerstörung seines Lebensraums hinzu. Die typischen und notwendigen ausgedehnten Wanderungen auf der Suche nach Futter sind wegen der großflächigen Urwaldverluste unmöglich geworden.

In den letzten 30 Jahren hat Afrika zwei Drittel seine Urwälder verloren. Für die Vernichtung riesiger Urwaldflächen ist auch die industrielle Holzindustrie verantwortlich.

Vermeintlich behutsame Abholzung

Selektive Extraktion nennen internationale Holzkonzerne ihre Einschlagmethode in Afrika, bei der sie - scheinbar schonend - nur die ein bis zwei teuersten Urwaldriesen pro Hektar absägen, aus denen Furnierhölzer, Musikinstrumente, Fensterrahmen oder Parkettfußböden gemacht werden. Verschwiegen wird aber, dass dazu im Einschlagsgebiet weitere 70 Prozent der verbliebenen Vegetation Transportstraßen, Sägemaschinen, Bulldozern und den stürzenden Bäumen zum Opfer fällt.

Neben den gerodeten Flächen leiden zudem auch angrenzende Regionen unter den Folgen der Holzwirtschaft: Durch die Erschließung von früher unzugänglichen Gebieten haben Holz- und Minengesellschaften die Vernichtung von 85 Prozent des Waldes ermöglicht, der sich ehemals vom Senegal an der Westküste Zentralafrikas bis Uganda im Osten erstreckte.

Maßlose Jagd in gerodeten Gebieten

Sind erste Flächen gerodet, zieht es Siedler in den Wald. Darunter leiden auch unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen: Gorillas, Schimpansen und Bonobos liefern wie Elefanten, Pythonschlangen und Gazellen das begehrte Bush Meat - Fleisch wild lebender Tiere.

Über eine Million Tonnen werden davon jährlich in West- und Zentralafrika gegessen, wofür rund vier Millionen Tiere geschlachtet werden. Holzfäller und Minenarbeiter kaufen das Fleisch von kommerziellen Jägern, die zur Jagd in Geländewagen die Versorgungsstraßen in den Einschlagsgebieten nutzen.

Somit ermöglichen die erschlossenen Waldgebiete zugewanderten Jägern, viel mehr Tiere zu erlegen als dies die traditionell jagende Dschungelbevölkerung in schwer zugänglichen Regionen konnte: In der Volksrepublik Kongo in Einschlagsgebieten sechsmal so viel Tiere erlegt wie in den intakten Wäldern. Zwar gibt es viele internationale und nationale Schutzgesetze, diese werden jedoch meist ignoriert.

Ungewisse Zukunft für Urwaldtiere

Fehlender politischer Wille, mangelndes Geld und Personal, Armut und Korruption ersticken Naturschutzbemühungen im Keim. In fünf bis zehn Jahren, rechnen Experten, werden die letzten unberührten Waldgebiete mitsamt der großen Affen verschwunden sein.

Ähnlich düster sieht es für andere Urwaldtiere wie den Waldelefanten, die zu den Giraffen zählenden Okapis und die erst 1936 beschriebenen, farbenprächtigen Kongopfauen aus. Allein in der Demokratischen Republik Kongo sind mehr als 1.000 Vogel- und über 400 Säugetierarten auf den Urwald als Lebensraum angewiesen.

Betroffen ist auch das Volk der Mbuti-Pygmäen im Nordosten des Kongo, deren Leben ganz auf den Urwald abgestimmt ist - wirtschaftlich und spirituell.

In Familienclans von Jägern und Sammlern ziehen sie nach kurzem Aufenthalt an einem Ort weiter, ohne Felder oder Siedlungen angelegt zu haben. Schon jetzt werden einige Clans aus dem schwindenden Urwald in die Savanne abgedrängt. Dort entgegen ihrer Gewohnheiten in Hüttendörfern angesiedelt, gehen ihre ursprüngliche Kultur und ihr Jahrtausende altes Wissen innerhalb weniger Generationen verloren. Ethnologen prognostizieren, dass es diese Kultur, die bereits in griechischen Sagen und altägyptischen Berichten beschrieben wurde, in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben wird.

Kurzsichtiges Vorgehen

Aufgrund steigender Nachfrage nach afrikanischem Holz hauptsächlich in Frankreich, Italien und Spanien hat sich seit dem Umweltgipfel von Rio 1992 die Geschwindigkeit der Zerstörung dramatisch erhöht. Die durchschnittliche Holzproduktion nahm seit Mitte der 90er Jahre um über die Hälfte zu, illegale und zerstörerische Abholzungsmethoden sind weit verbreitet.

Naturschutzgebiete wurden dagegen kaum ausgewiesen, im Gegenteil mussten Umweltschützer in einigen Bürgerkriegsgebieten herbe Niederlagen einstecken: Rebellentruppen entwaffneten im kongolesischen Kahuzi-Biega-Nationalpark die Parkranger und töteten wegen des Fleisches innerhalb weniger Monate 17 Elefanten und 20 Gorillas. Dabei könnten genau diese Tiere die letzte Devisenquelle für das wirtschaftlich am Boden liegende Land sein.

Vor dem Krieg pirschten Touristen durchs Unterholz, um einmal im Leben eine Gorillafamilie in freier Wildbahn aus nächster Nähe zu beobachten. Rund eine Million Dollar bringt ein lebender Gorilla umgerechnet seinem Land als Touristenattraktion ein; an einem abgeschlachteten Tier verdient der Wilderer gerade mal 80 Dollar.

Der Waldelefant

Mit Herden von bis zu hundert Tieren, die den Staub der Savanne aufwirbeln, haben Waldelefanten nichts zu tun: Die kleineren Verwandten der afrikanischen Steppenelefanten streifen in Familiengruppen von zwei oder drei Weibchen und deren Nachwuchs durch den dichten Dschungel. Weibliche Jungtiere bleiben der Gruppe erhalten, Männchen müssen nach der Geschlechtsreife gehen und ziehen alleine oder in Gesellschaft anderer Junggesellen umher.

Ihr verstecktes Leben hat dazu beigetragen, dass die afrikanischen Waldelefanten zu den letzten unerforschten Tieren dieses Kontinents gehören - kaum jemand hat sie bisher in freier Natur beobachten können. Ihre wichtige Rolle im Ökosystem des Dschungels ist aber bekannt: Als wahre Landschaftsarchitekten sind sie für die Erneuerung und Wiederaufforstung des Waldes unverzichtbar. Ihr Appetit auf täglich über hundert Kilogramm Pflanzennahrung schafft Brachen und damit Platz für junge Keimlinge, das nötige Pflanzensaatgut haben sie - dank ihrer schlechten Verdauung - auch immer dabei.

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