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Sägewerk in Cujubim

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Das Holz stammt aus dem nordöstlichen Teil des Bundesstaates Rondonia an der Grenze zu Bolivien. Es wurde in örtlichen Sägewerken zersägt und über einen Mittelsmann gewaschen, das heißt mit falschen Papieren versehen. Wurde per LKW gut 3.000 Kilometer über Bundesstraßen transportiert. Überquerte dabei nicht nur drei innerbrasilianische Grenzen, sondern passierte auch zwei Kontrollpunkte der IBAMA, der brasilianischen Umweltbehörde.

Die riskante Operation hatte zwei Ziele, so Paulo Adario, Greenpeace-Experte in Brasilien: Wir wollen zeigen, wie illegales Holz aus dem Amazonas immer weiter den Markt speist. Und wir wollen Druck auf die Bundesregierung ausüben, damit sie die Fehler im jetzigen Kontrollsystem korrigiert.

Nur zehn Prozent legale Einschlaglizenzen

90 Prozent des Einschlags im Amazonas sind nach neuen Schätzungen der IBAMA illegal. Gut ein Drittel allen geschlagenen Holzes wird exportiert, vor allem in die EU und die USA. Die anderen zwei Drittel werden in Brasilien selber verarbeitet - zum Beispiel in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Krankenhäusern.

Adario erkennt an, dass die brasilianische Regierung das illegale Treiben zu stoppen versucht. Doch Polizeiaktionen reichen seiner Meinung nach nicht aus: Das derzeitige System zur Kontrolle des Einschlags muss radikal erneuert werden.

Mit dem spektakulären Coup hat Greenpeace den brasilianischen Behörden nun umfassendes Material in die Hand gegeben. Zwei Teams haben den Weg des Holzes umfassend dokumentiert. Auf allen Stationen, die die getürkte Ware durchlief, waren geheime Kameras dabei. Globo TV, ein führender brasilianischer Fernsehsender, strahlte den Film am Sonntag aus. Zuschauerquote: 40 Millionen.

Ein Verbrechen kommt zum anderen

Das Terrain, auf dem die Greenpeacer sich monatelang bewegten, ist hochgefährlich. Illegaler Einschlag geht einher mit anderen Verbrechen - mit Landnahme und Gewalt, dem Unterschlagen und Fälschen von Dokumenten, Steuerflucht, Sklavenarbeit und unerlaubtem Eindringen in geschützte Gebiete, so Adario. Im Revier der Holzmafia wird nicht lange gefackelt, wenn es ums Geschäft geht. Auch Mord gehört zum Alltag.

Kriminelle Geschäfte - keine brasilianische Spezialität

Kriminalität ist im lukrativen Holzgeschäft weltweit anzutreffen. Nicht nur in Brasilien, auch in Russland, Zentralafrika, Asien - und Deutschland. Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser weist darauf hin, dass es auch bei uns Unternehmen mit krimineller Energie gibt - Unternehmen, die mit Holz und Holzprodukten aus Urwaldzerstörung handeln.

Kaiser: Damit die Kontrollbehörden hier in Deutschland dagegen vorgehen können, ist ein Urwaldschutzgesetz nötig. Besitz und Vermarktung von kriminell gewonnenem Holz müssen strafbar sein. Nur so können Billigimporte aus Raubbau, die zu Lasten der heimischen Waldbetriebe gehen, verfolgt und zur Anklage gebracht werden.

Greenpeace hat den Parteien im Bundestag schon Anfang 2004 einen unbürokratischen Entwurf für ein solches Urwaldschutzgesetz vorgestellt. Im Bundesumweltministerium liegt ein Entwurf vor, der nun im neuen Parlament zur Verabschiedung vorgelegt werden sollte.

Verbraucher und Verbraucherinnen können schon jetzt etwas für die Urwälder tun: beim Kauf von Holzprodukten auf das FSC-Zeichen achten. Am FSC-Siegel erkennen Sie, dass ein Produkt aus guter, ökologisch und sozial verträglicher Waldbewirtschaftung stammt.

  • Die Route des illegalen LKW

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  • Truck auf dem Weg

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