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Die Greenpeace-Internet-Redaktion sprach mit Nachran über seine Arbeit in Indonesien.

Wie sieht Deine Arbeit im Einzelnen aus?

Wir gehen direkt vor Ort, wo der Kahlschlag stattfindet. Sobald ich mit meinen Freunden Informationen erhalten habe, suchen wir sofort den Ort auf, um die Angaben zu überprüfen. Manchmal fahren wir dann mit einem kleinen Boot über den Fluss, manchmal müssen wir uns auf kleinen Wegen durch den Urwald schlagen.

Es kommt auch vor, dass wir aufs offene Meer hinausfahren. Nur dort können wir herausfinden wie viel Holz auf welches Schiff verladen wird. Genau mit solch einer Arbeit war ich beschäftigt, unmittelbar bevor ich überfallen wurde.

Manchmal machen wir die Fahrt ins offene Meer inkognito. Wir mieten uns dann ein Fischerboot und fahren hinaus wie ein normaler Fischer. Ansonsten werden wir sofort beschossen. Die Leute an Bord der Schiffe haben immer Waffen dabei.

Vor dem Attentat hatte ich gerade drei chinesische Schiffe beobachtet. Wir waren wieder mit einem Fischerboot herausgefahren. Nur dort draußen konnten wir dann auch abschätzen welche Menge an Holz in die Schiffe geladen wurde. Und den genauen Namen der Schiffe konnten wir lesen. Das ganze habe ich dann in einem Bericht zusammengefasst, den ich dem Forstminister übergeben habe. Das hat dazu geführt, dass die Schiffe gestoppt und die Ladung beschlagnahmt wurde.

Ich veröffentliche meine Berichte aber auch in Zeitungen oder in Verantwortung einer NGO vor Ort direkt an den Forstminister.

Dieser Forstminister arbeitet viel mit NGOs. Er ist ein guter Mensch, aber seinen Mitarbeitern kann er leider nicht trauen. Auch die sind korrupt.

Was hat Dich bewogen dich für den Urwaldschutz in Indonesien einzusetzten?

Ich habe die Zerstörung des Urwald gesehen. Sie fand genau dort statt, wo ich herkomme. Und ich habe mir überlegt, dass man den Prozess nicht einfach so weiter laufen lassen könne. Ich dachte, dass ich was unternehmen musste.

Hast du eine besondere Beziehung zum Urwald?

Ich habe dort mittendrin gelebt. Ich bin in ihm aufgewachsen. Ich fühle mich verantwortlich für den Wald, weil ich in ihm gelebt habe. Ich kann nicht einfach die Augen zudrücken. Es musste was getan werden.

Ist die Urwaldzerstörung so groß, dass man sie schon allerortens erkennen kann?

Ja, das kann man schon mit bloßem Auge sehen. Nicht nur versteckt mitten im tiefen Urwald, sondern auch an den Randgebieten. An den Flussläufen, die in Indonesien als Wasserwege dienen, ist es überall sofort zu sehen, wie der Urwald zurückgegangen ist. Wie er durch illegalen Einschlag in großem Ausmaß verschwunden ist.

Viele Menschen in Indonesien kriegen das also mit?

Ja, fast alle sehen es und nehmen es zur Kenntnis.

Bekommen Sie Rückhalt aus der Bevölkerung?

Ja, sicher.

Ist es für viele wegen der allgegenwärtigen Holzmafia nicht gefährlich?

Natürlich, so arbeitet die Mafia: sie schüchtert die Menschen ein. Viele haben dann keinen Mut mehr etwas zu unternehmen. Und genau diese Einschüchterung wird nicht nur durch Privatpersonen durchgefürt, sondern ebenso durch Beamte und Polizei. Das verschlimmert die Situation ungeheuer.

Wie sehen solche Einschüchterungsversuche genau aus?

Es gibt viele Wege. Ich habe erlebt, dass Menschen durchs Telefon bedroht wurden. Ich wurde beispielsweise direkt gefragt, ob ich wolle, dass man mir meinen Kopf abhacke.

Doch nicht nur ich selbst wurde bedroht, sondern auch meine Familie, meine Kinder, also die ganze Familie. Häufig wird gedroht, das Haus anzustecken und abzubrennen.

Auch bevor ich überfallen wurde, wurde mir angekündigt, dass man mich zerhacken werde. So ist es dann ja auch gekommen.

Morgen können Sie hier den zweiten Teil des Interviews lesen, um zu erfahren, wer hinter der Holzmafia steckt und was sich Abi von den Menschen in Deutschland wünscht.

Helfen Sie Abi Kusno Nachran! Besuchen Sie auch die Seiten von "Rettet den Regenwald e.V."

Auch das Greenpeace Magazin (http://www.regenwald.org) hat über das Attentat auf Abi Kusno Nachran berichtet.

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