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11,7 Millionen Euro will die Regierung bereitstellen, um mehr als 900 Städte und Dörfer in der Amazonasregion zu versorgen. In den entlegenen Urwaldgebieten sind Flüsse oft die einzigen Transportwege. Sie sind Verbindung zur Außenwelt, Trinkwasserreservoir und Nahrungsquelle. Seit Beginn der Dürre vor zwei Monaten ist der Wasserstand der Flüsse dramatisch gesunken.

Die Wasser des Amazonas: hundertmal so viel wie im Rhein

{image}Der Amazonas ist zu normalen Zeiten der wasserreichste Fluss der Erde. Während der Regenzeit überfluten seine Wassermassen den angrenzenden Urwald bis zu 100 Kilometer weit. Aufgrund des geringen Gefälles in der Region haben sich zwischen seinen Nebenarmen zahlreiche natürliche Kanäle und Seen ausgebildet.

Dieses Netz aus Nebenflüssen, Kanälen, Seen und Inseln bildet mit dem Hauptstrom zusammen eine einzigartige Flusslandschaft. Wohl jeder Europäer kennt Bilder von Schiffen, die direkt durch den Urwald fahren. Umso schockierender ist der Anblick, der sich dem Auge derzeit bietet. Ein Team von Greenpeacern und Fotografen aus Brasilien hat die Situation dokumentiert: Nebenflüsse, Kanäle und Seen sind nahezu leer.

Rinnsale, wo Flüsse strömten

Es ist schockierend. Die Boote kommen nicht mehr durch. In den Städten fehlt es an Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff, schildert Carlos Rittl, Waldexperte bei Greenpeace Brasilien, was er vor Ort gesehen hat. Rittl kennt den Amazonas. Wenn die Landschaft, die ich jetzt gesehen habe, einen Vorgeschmack von dem gibt, was noch kommt, dann sind wir in ernsten Schwierigkeiten.

{image}Von den derzeit übriggebliebenen Rinnsalen geht Gefahr aus. Auf den geborstenen Erdschollen verwesen Millionen verendeter Fische, verseuchen das Wasser und ziehen Aasgeier an. Krankheiten breiten sich aus. Medienberichten zufolge setzt das brasilianische Militär derzeit 14 Hubschrauber und drei Transportflugzeuge ein. Bislang sollen 18 Tonnen Chemikalien zur Trinkwasserreinigung und 50.000 Pakete mit Lebensmitteln, überwiegend Bohnen und Reis, transportiert worden sein.

Im Teufelskreis aus Kahlschlag und Klimawandel

Was im Amazonasurwald derzeit passiert, ist nach Ansicht von Greenpeace Teil eines unheilvollen Zusammenspiels von Klimawandel und Kahlschlag. Auch Wissenschaftler des Large Scale Biosphere-Atmosphere Experiment (LBA) im Amazonas gehen von dieser These aus. Brasilien gehört zu den vier größten Kohlendioxiderzeugern der Welt. Schuld sind Kahlschlag und Brandrodung: Sie sind für mehr als 75 Prozent der brasilianischen Kohlendioxidemissionen verantwortlich.

17 Prozent des Urwalds im Amazonas sind innerhalb der letzten 30 Jahre vernichtet worden. Wenn der Verlust an Wald erst einmal die 40-Prozent-Marke erreicht hat, ist nach Ansicht von Forschern der Versteppungsprozess nicht mehr aufzuhalten. Die Wälder aber sind unverzichtbar für das Leben auf der Erde. Sie stabilisieren das Klima und regulieren das Wetter.

Brasilien ist besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels. Grund ist der unvergleichliche Artenreichtum gerade in der Amazonasregion. Viele der Arten könnten verloren sein, noch bevor wir sie überhaupt entdeckt und erforscht haben.

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