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Etwa 300 Menschen aller Altersklassen sind dem Aufruf gefolgt, darunter auch rund 100 Kinder. Sie haben bis zu zehn Stunden gebraucht, um hierher zu kommen. Das nehmen sie in Kauf, denn sie alle haben auf ihre Weise unter den Holzfällern zu leiden.

Viele erzählen ihre Geschichte und überschreiten die eine Minute Redezeit, die jeder hat. Eine junge Frau bricht in Tränen aus: Ich bin sauer und verärgert, und ich habe Angst, sagt sie. Meine Mutter wird bedroht..., sie bricht ab, ringt um Worte. Im Saal ist es still. Viele haben ein ähnliches Schicksal. Sie bereuen es, in der Vergangenheit gegenüber den Holzfällern zu gutmütig und naiv gewesen zu sein.

Jetzt sind sie skeptisch. Sind Schutzgebiete die Lösung, ermöglichen sie ihnen ein friedlicheres Leben und lassen sie genug Freiraum? Dürfen sie dann noch Büffel halten und fischen gehen? Dürfen sie trotzdem Bauholz aus dem Urwald holen? Wird ein Schutzgebiet die Holzfirmen wirklich davon abhalten, auch noch die letzten Waldreste dieser Region abzuholzen?

Viele erzählen davon, dass ihr Nutzland regelrecht eingekreist wird von den Holzfällern. Die präsentieren Papiere und sagen, das sei ihr Land, Betreten verboten. Ich hab nicht viel zu sagen, weil ich nicht viel weiß, sagt Franzisko Nasera, Mitte 50, Was ich weiß: Wir haben Angst. Wir laufen nicht mit Waffen rum wie sie. Wir haben keine Informationen. Unsere Gemeinde hat sich entschieden: Wir wollen sie loswerden, nicht für uns, für unsere Kinder.

Wir sitzen am Boden und lauschen unserer Übersetzerin. Wir sehen, wie schlimm den Menschen die Profitgier der Holzfäller zusetzt und sind ergriffen von dem Schicksal der Menschen. Juraci, seinen Nachnamen mag er nicht verraten, sitzt mit ernstem Gesicht mitten unter ihnen. Schon gestern haben wir ihn kennen gelernt, als wir mit einem kleinen Boot auf einem Nebenflüsschen des Guajará entlang fuhren, vorbei an Seerosenfeldern und durch ein Überschwemmungsgebiet, aus dem Baumkronen knapp über die Wasseroberfläche ragen.

Er kam uns im Kanu entgegen. Wir begannen ein Gespräch. Juraci erzählt von einem Gebiet, in dem illegal eingeschlagen wird. Hinführen will er uns nicht. Man kenne ihn hier, sagt er immer wieder. Er hat Angst, um sich selbst, aber vor allem um seine Familie. Wenn die Holzfäller ihn mit uns zusammen sehen, ist sie in Gefahr.

Stattdessen lädt er uns in sein Stelzenhaus ein. In der Regenzeit überfluten die Hauptflüsse des Amazonas ein Gebiet so groß wie England. Die Wände von Juracis Haus sind mit Reklamekalendern einer der größten hiesigen Holzfirmen geschmückt. Unter dem Wellblechdach staut sich die Hitze, doch in der offenen Küche ist es schattig und kühl.

Seine Frau Belinda kocht uns an der Feuerstelle einen Kaffee und reicht uns Maniokbrot, während sie die drei Kinder bei Laune hält. Wir laden die Familie zu der Versammlung ein. Juraci weiß schon längst, dass sie stattfindet, die Nachricht hat sich bereits wie ein Lauffeuer verbreitet.

Die Versammlung ist ein Erfolg, ein Schritt zu einer starken Gemeinschaft gegen die Holzfäller. Greenpeace kann den Menschen bei der Entscheidung für oder gegen das Schutzgebiet nicht helfen. Wir können sie nur informieren und anbieten, sie zu unterstützen. Die Entscheidung für ihre eigene Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder treffen sie selbst.

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