Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Dabei haben wir gestern den ganzen Tag damit verbracht, unsere Technik auf dem Flussschiff zum Laufen zu bringen. Seit zwei Tagen liegen wir längsseits der Arctic Sunrise vor der Küste von Gurupá, im Bundesstaat Pará, Brasilien. Seit zwei Nächten versuchen wir, uns mit den Hängematten, unseren Schlafplätzen, anzufreunden. Romantisch sehen sie aus, wenn der Wind sie bewegt, aber diese Romantik würden wir schon jetzt lieber gegen einen ruhigen Schlaf eintauschen. Zumal wir mit etwa 15 Mann auf einem Deck schlafen und die Hängematten ständig gegeneinander rumsen. Ich hab zwar im Physikunterricht nie besonders aufgepasst, aber ich hätte gedacht, es würden zumindest alle im Takt schaukeln. Denkste.

Man nickt ein und schreckt immer wieder plötzlich hoch. Mehr als fünf Stunden am Stück haben wir es bislang nicht in den Hängematten ausgehalten. Gegen sechs ist es eh aus mit Nachtruhe. Das Schiff erwacht. Es wird gefrühstückt, das Deck wird geschrubbt, die Satellitentelefone eingeschaltet. Ein weiterer Tag im heißen Amazonas-Regenwald.

7:53 Uhr: Eigentlich müsste das Videophon funktionieren. Wir haben es schließlich gestern nach gut fünf Stunden endlich zum Laufen gebracht. Da war es ähnlich wie jetzt: Alles scheint so aufgebaut zu sein wie bei den Proben in Deutschland, aber dennoch kein Signal. Nachdem wir Hans, unseren Techniker auf dem Flussschiff, fast in den Wahnsinn getrieben haben, rufen wir die Fachmänner in Deutschland an. Wir gehen alles Schritt für Schritt durch, und tatsächlich finden wir die Lösung: Das Videophon ist auf das falsche Satellitensystem programmiert.

Währenddessen ist auf der Arctic Sunrise Open Boat, Greenpeace zum Anfassen. Mit unseren Beibooten holen die Kollegen von Greenpeace International Dutzende von Menschen aus Gurupá an Bord. Vor allem Familien mit Kindern sind neugierig darauf, wie es auf einem Greenpeace-Schiff wohl aussieht. Uns ist wichtig, dass die Menschen verstehen, dass wir nicht gegen sie, sondern gegen die Holzmafia kämpfen. Wir sind auf ihre Hilfe angewiesen, auf Mutige, die bereit sind, uns über die illegalen Machenschaften der Holzindustrie zu informieren - denn die Holzmafia in Brasilien hat sich abgesichert. Korrupte Politiker vertuschen die Wahrheit und sind selbst in die Urwaldabholzung verstrickt.

7:58 Uhr: In Deutschland ist es zwei Minuten vor 12 Uhr. Gerade haben wir den Fehler gefunden. Ein Kabel steckte doch nicht so, wie es sollte. Endlich sehen wir das Programm von N24 auf unserem Bildschirm. Um kurz nach 8 Uhr Ortzeit sind wir auf Leitung, live aus dem Amazonasgebiet, damit mehr und mehr Menschen erfahren, wie es um den Amazonas-Regenwald steht - und endlich aufwachen.

Es ist inzwischen nach vier Uhr am Nachmittag. Wir bekommen Besuch; ein Journalist vom Bayrischen Rundfunk wird uns für eine Woche auf unserer Expedition durch den Amazonas-Regenwald begleiten. Der erste Gast an Bord. Wir freuen uns. Die ganze Welt, vor allem die Entscheidungsträger, sollen wissen, wie es um das größte tropische Urwaldgebiet der Erde steht. Es ist Zeit zu handeln: Der einzigartige Amazonas-Urwald wird abgeholzt, jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde, allein im Jahr 2002 eine Waldfläche von 5,1 Millionen Fußballfeldern - ein unwiederbringlicher Verlust von Pflanzen- und Tierarten.

Heute haben wir den Hafen von Gurupá verlassen und fahren Richtung Porto de Moz. Es scheint, dass die Arctic Sunrise den Xingu auch befahren kann, so dass wir sie heute abend wieder treffen. Und dann gibt es zum ersten Mal ein Crew-Meeting, uns inclusive: Juhuuuu! (Hätte nicht gedacht, dass man sich auf Meetings auch so was wie freuen kann...) Vielleicht erfahren wir dann ein bisschen mehr über unseren morgigen Aufenthaltsort. Und dann gab's als Bonus heute auch noch Flussdelfine! Juhu!

Mehr zum Thema

Ein Hubschrauber der Bundespolizei fliegt mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter, um einen Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz zu löschen.

2022 – Das Jahr der Waldbrände

  • 28.07.2022

Was verbindet den US-amerikanischen Yosemite-Nationalpark, die griechische Insel Lesbos und die Sächsische Schweiz? Sie fackeln ab. Eine traurige Weltreise in die brennenden Wälder der Erde.

mehr erfahren
Indigene und Greenpeace-Aktive im Boot auf dem Manicoré River

Greenpeace und Moritz Jahn auf Amazonas-Expedition

  • 15.07.2022

Greenpeace war gemeinsam mit Forschenden und Influencer Moritz Jahn auf Expedition im Amazonas-Regenwald. Ziel war, die Region zu erforschen und den Indigenen beim Schutz ihres Zuhauses zu helfen.

mehr erfahren
Dom Phillips and Bruno Pereira

Aktivisten im Amazonasgebiet tot aufgefunden

  • 16.06.2022

Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Die im brasilianischen Amazonasgebiet verschwundenen Aktivisten sind tot. Greenpeace fordert eine transparente Aufklärung.

mehr erfahren
Waldbrand im Amazonas

EU-Mercosur-Abkommen

  • 02.06.2022

Der Amazonas-Regenwald ist ein Schlüsselelement für Biodiversität und Klimaschutz. Doch das geplante EU-Mercosur-Freihandelsabkommen gefährdet ihn weiter - während die Autoindustrie profitiert.

mehr erfahren
PT Megakarya Jaya Raya (PT MJR) Oil Palm Concession in Papua

Klima und Arten brauchen ein EU-Gesetz für weltweiten Waldschutz

  • 17.03.2022

Ein starkes EU-Gesetz für weltweiten Waldschutz ist dringend nötig, um gegen die Wald- und Naturzerstörung sowie die Verletzung von Menschenrechten anzukämpfen.

mehr erfahren
Illegal Mining in Yanomami Indigenous Land in Brazil

Drei Jahre Bolsonaro: Drei Jahre Umweltzerstörung in Brasilien

  • 17.01.2022

Im Januar 2022 feiert Jair Bolsonaro dreijähriges Amtsjubiläum als Präsident von Brasilien. Doch für das Klima und die Biodiversität Brasiliens gibt es wenig Grund zu feiern.

mehr erfahren