Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Vertreter des FPS teilten mit, dass Wälder in der Nähe von Lehmivaara in Kuhmo im Laufe dieses Jahres zum Einschlag vorgesehen seien. Das Vorhaben des FPS stößt bei Umweltschützern und der indigenen Bevölkerung - den Sami - auf Ablehnung. Schon Anfang des Jahres hatte Greenpeace im Zuge mehrerer Aktionen auf die Misere der letzten finnischen Urwälder aufmerksam gemacht.

Eine ganze Anzahl von bedrohten Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste geführt werden, finden sich in den finnischen Urwaldgebieten. Das bestätigen sogar Studien, die vom Umweltforschungszentrum der Regierung und von FPS erstellt wurden. Dort kann man auch nachlesen, dass der Kahlschlag in den Wäldern einen nicht wieder gutzumachenden Schaden für die Artenvielfalt mit sich bringt.

Es scheint, als ob egoistische und selbstherrliche Entscheidungen die wissenschaftlichen Beweise, die finnischen Gesetze sowie internationale Abkommen einfach außer Kraft setzen können, kritisiert Matti Liimatainen, Waldexperte von Greenpeace. Die FPS verhandelt zurzeit sogar mit Umweltschützern über die Schutzmöglichkeiten der finnischen Urwälder. Trotz der Verhandlungen, betreibt sie in in den Gebieten, über die verhandelt wird, Kahlschlag.

Doch FPS ist nicht der einzige, der sich in dieser Angelegenheit paradox verhält: Die finnischen Papierindustrie hat mitgeteilt, dass sie die Verhandlungen unterstütze. Zugleich fährt sie jedoch fort, das Holz aus den umstrittenen Gebieten für ihre Produktion zu verarbeiten.

Von den borealen Urwäldern, die einst fast ganz Finnland bedeckten, sind heute nur noch fünf Prozent übrig. Davon soll die Hälfte durch die Holzfäller der staatlichen FPS unwiederbringlich zerstört werden. Schuld daran ist der wachsende "Holz-Hunger" der Papierindustrie.

Die Gebiete mit uraltem Baumbestand spielen eine unschätzbare Rolle für die Artenvielfalt und das traditionelle Leben der Sami und anderer Gemeinschaften. Viele Sami finden ihr Auskommen durch Rentierhaltung. Die Urwälder dienen als lebenswichtige Futterquelle für die Herden. Allein sechs der zum Einschlag vorgesehenen Waldgebiete liegen in Territorien, in denen die Sami zu Hause sind.

Die Holzfäll-Praxis der FPS zerstört auf lange Sicht den Kern der Sami-Kultur, gibt Laiimatainen zu bedenken. Helsinki hat internationale Abkommen unterzeichnet, in denen es sich unmissverständlich dazu verpflichtet, die Rechte der indigenen Bevölkerung auf Ausübung ihrer eigenen Kultur zu schützen. Außerdem genießen die zivilen Rechte der Sami den Schutz durch die finnische Gesetzgebung. Es wird allmählich Zeit, dass FPS und die finnische Papierindustrie diese juristischen Verpflichtungen anerkennen.

Für einen heißen Herbst könnte das neuste Vorhaben des finnischen Agrar- und Forstministeriums sorgen: Dort arbeitet man an einem neuen Forst-Gesetz, das die Rechte für friedliche Proteste in der Nähe von Holzfällarbeiten in den Urwäldern einschränken soll. Nach dem Sommer wird sich das Parlament in Helsinki damit befassen.

Mehr zum Thema

verbranntes Holz

Heizen mit Holz: Eine schlechte Alternative zu Gas, Öl und Kohle

  • 30.08.2022

Hitze, Dürre, Borkenkäfer und Brände – die letzten Sommer haben unseren Wäldern stark zugesetzt. Und hinter den Kulissen wächst eine weitere Bedrohung rasant: Holzverbrennung zur Energiegewinnung.

mehr erfahren
Greenpeace-Aktive demonstrieren vor einem Kraftwerk, das ganze Bäume verheizt.

Ein Scheiterhaufen der Energiekrise

  • 25.08.2022

In Schutzgebieten liegen zahlreiche Haufen gefällter Bäume. Greenpeace-Aktive wollten wissen: Was passiert mit diesen Stämmen? Eine Tracking-Recherche

mehr erfahren
Aerials of Forest Fire in Brandenburg, Germany

Klimawandel und Wald in Deutschland

  • 30.06.2022

Klimawandel und Wald hängen zusammen: Dürre und Brände nehmen weltweit und auch in Deutschland zu. Zugleich heizt die Waldzerstörung die Klimakrise an, denn Wälder speichern CO2 und kühlen das Klima.

mehr erfahren
Alte Buche im Kellerwald

Interview: Wälder brauchen Schutz statt Sägen

  • 22.06.2022

Unseren Wäldern geht es schlecht. Selbst in Schutzgebieten werden massiv Bäume gefällt. Sie brauchen besseren Schutz – auch aus rechtlicher Sicht. Zwei Wald-Expertinnen von Greenpeace erklären warum.

mehr erfahren
GE Wind Farm near Petkus

Wie Windenergie und Waldschutz zusammenpassen

  • 15.06.2022

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch das Windenergie-an-Land-Gesetz beschlossen: Zwei Prozent der Fläche in Deutschland müssen für Windkraft zur Verfügung stehen - für den Wald potenziell gefährlich.

mehr erfahren
Michael Kunkel, Mitgründer der Bürgerbewegung „Freunde des Spessarts“  im Wald

Michael Kunkel über den Spessart

  • 16.03.2022

Der Naturpark Spessart in Nordwest-Bayern ist einer der größten zusammenhängenden Laubmischwälder Deutschlands. Weite Teile stehen als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) unter Schutz.

mehr erfahren