Skip to main content
Jetzt spenden
Beifang des belgischen Baumkurrenfischers Jasmine aus Zeebrugge, August 2004
© Philip Reynaers / Greenpeace

Greenpeace Fischratgeber vs. Datenbank des Fischerei-Portals

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Greenpeace bewertet in seinem Fischratgeber Fisch – beliebt, aber bedroht einzelne Fischbestände bzw. Fischereien. Kabeljau hat zum Beispiel im Nordostatlantik 13 unterschiedliche Bestände, die nicht alle im gleichen Gesundheitszustand sind oder mit denselben Fangmethoden befischt werden. Kurzum: Fisch aus einigen Beständen sollte man meiden, während er aus anderen noch zu vertreten ist. Die Bewertungen werden von Greenpeace mit einer Methode durchgeführt, die einen ökosystemaren Ansatz verfolgt. Neben dem Zustand des Fischbestandes wird zum Beispiel die Fangmethode, der Beifang und die Auswirkungen auf das Ökosystem mit in die Bewertung einbezogen.

Die Datenbank des Fischerei-Portals liefert keine Bewertung von Fischereien nach ökologisch nachhaltigen Kriterien. Statt dessen bietet sie die Möglichkeit, auf einen Blick Informationen zum Zustand ausgewählter Fischbestände, sowie zur Biologie der Fischart oder zu den angewandten Fangmethoden zu erhalten. Sie liefert Fachinformationen, die das Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) verständlich aufbereitet. Das vTI ist eine Forschungseinrichtung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). So können Fischeinkäufer oder Verkäufer aus Lebensmittelhandel, Fischindustrie oder der Gemeinschaftsverpflegung schnell an fachliche Informationen zu einer Auswahl der weltweiten Fischbestände gelangen. Eine gute Service-Leistung, denn fachliche Informationen sind für einen nachhaltigen Fischeinkauf unabdingbar.

Die Datenbank des Fischerei-Portals entlässt den Einkäufer oder Verkäufer jedoch nicht aus der Verantwortung: Jeder muss die Fischereien, aus denen der Fisch bezogen wird, insgesamt im Detail betrachten und eine nachhaltige Fischerei ebenso, wie Kriterien für den Fischeinkauf für sein Unternehmen definieren. Ein gesunder Bestandszustand ist, aus Sicht von Greenpeace, nur ein Kriterium und nicht ausreichend, wenn ein Unternehmen ökologisch nachhaltige Fischereien unterstützen will.

Am Beispiel der Scholle aus der Nordsee wird der Unterschied zwischen dem Greenpeace Fischratgeber und der Datenbank des Fischerei-Portals sehr deutlich. In der Datenbank des BMELV ist zu sehen, dass sich der Schollenbestand in der Nordsee in einem guten Zustand befindet. Diese Information ist korrekt und geht auch in die Greenpeace Bewertung der Nordsee Schollen-Fischerei ein. Das ist jedoch nur eine Information. Die wesentlich entscheidendere ist die Fangmethode und der Beifang, die in der Mitte des Schollenblattes in der Fischerei-Datenbank Fischerei und ökologische Effekte zu finden sind. Die Schollen-Fischerei in der Nordsee wird überwiegend mit Baumkurren durchgeführt, die den Meeresboden zerstören und bis zu 80 Prozent Beifang haben. Das ist keine ökologisch nachhaltige Fischerei und genau deshalb wird diese Fischerei im Greenpeace Ratgeber Fisch – beliebt, aber bedroht mit rot (nicht verzehren) bewertet.

Hier wird sehr deutlich, dass Fischeinkäufer die falsche Entscheidung treffen können, wenn sie ausschließlich den Zustand des Fischbestandes als Kriterium für Nachhaltigkeit heranziehen. Leider wird die Datenbank des Fischerei-Portals von verschiedenen Institutionen immer wieder fälschlicherweise als der Fisch-Nachhaltigkeits-Ratgeber für den Lebensmittelhandel und die Fischindustrie propagiert. Damit führt man das jahrzehntelange Missmanagment in der Fischereipoltik weiter. Konsequente Veränderungen, die notwendig sind, um die weltweiten Fischbestände wieder aufzubauen und vor allem langfristig zu nutzen, bleiben auf der Strecke.

Mehr zum Thema

Zwei Zügelpinguine in der Antarktis

Naturparadies Antarktis

  • 07.01.2022

Die Antarktis ist ein extremer Lebensraum mit einzigartiger Flora und Fauna. Greenpeace untersucht auf einer neuen Expedition die Folgen der Klimakrise und schützenswerte Lebewesen am Meeresgrund.

mehr erfahren
Meeresschildkrötenbaby im Plastikbecher am Strand auf Sumatra

Plastik im Meer

  • 06.01.2022

Jede Minute gelangt auf der ganzen Welt Plastik in der Größe einer Müllwagenladung in die Ozeane. Die Weltmeere leiden zunehmend darunter – sie sind zur Mülldeponie geworden.

mehr erfahren
"No Deep Sea Mining" – Greenpeace-Aktion in Rotterdam

Tiefsee-Arten vom Aussterben bedroht

  • 10.12.2021

Die Artenvielfalt in der Tiefsee ist bedroht – doch statt sie stärker zu stützen, soll bald in der Tiefe Bergbau betrieben werden. Dagegen protestiert Greenpeace in Rotterdam.

mehr erfahren
Adeliepinguine in der Antarktis

Hängepartie fürs ewige Eis

  • 29.10.2021

Die Antarktis-Kommission CCAMLR versagt wieder beim Antarktis-Schutz.

mehr erfahren
"Prestige" oil spill

Verschmutzung

  • 06.10.2021

Die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf etwa zwölf Milliarden Menschen ansteigen. Damit Landwirtschaft und Industrie sie ausreichend versorgen können, wird sich der Druck auf Küstengebiete erhöhen.

mehr erfahren

Kein Goldrausch im Ozean!

  • 16.05.2021

Erste Pilotversuche zum Abbau von Manganknollen im Ozean sind abgeschlossen. Doch Tiefseebergbau ist eine massive Bedrohung für unsere Ozeane.

mehr erfahren