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Greenpeace Online: Wer hat das Jahr des Delfins ausgerufen?

Stefanie Werner: Die Vereinten Nationen (UN). Da die Delfine durch menschlichen Einfluß aus unseren Meeren zu verschwinden drohen, startete das UN-Umweltprogramm UNEP und das UN-Übereinkommen zur Erhaltung wandernder Wildtierarten (CMS) diese Initiative. So sollen mehr Menschen von dem Problem erfahren.

Greenpeace Online: Wodurch sind denn die Delfine am meisten gefährdet?

Stefanie Werner: Global betrachtet ergibt sich das größte Gefahrenspotenzial für Delfine und Schweinswale aus der Fischerei. Insgesamt verenden rund 300.000 Wale und vor allem Kleinwale in den Netzen der Fischerei als unerwünschter Beifang. Dazu muss man noch eine unbekannte Dunkelziffer addieren. Besonders Stell- und Treibnetze sind verheerend und gefährden ganze Bestände.

Dem kleinen pazifischen Hafenschweinswal, dem Vaquita, mit geschätzten 500 verbliebenen Exemplaren droht die Ausrottung. Ebenfalls gefährdet ist die östliche Population des Ostseeschweinswals direkt vor unserer Haustür. Das Ertrinken der Wale gefangen in den Netzen ist besonders langwierig und qualvoll.

Weitere Bedrohungen ergeben sich aus der zunehmenden Belastung der Ozeane mit Umweltgiften. Auch die Verknappung der Nahrung durch die Überfischung der Weltmeere und der zunehmende Lärm in den Meeren setzen den Delfinen zu. Weitere Faktoren sind die unkontrollierte Jagd, der Fang für Delfinarien und auch der Klimawandel.

Greenpeace Online: Hast du eigene Erfahrungen mit der Gefährdung der Delfine gemacht?

{image_r}Stefanie Werner: Greenpeace war 2004 und 2005 im Ärmelkanal mit der Esperanza unterwegs. Hier sterben Gemeine Delfine in bestandsgefährdendem Ausmaß durch englische und französische Zwillingstrawler. Ich war mit dem Wissenschaftlerteam an Bord. Wir mussten eine junge Delfinmutter untersuchen, die gerade Milch gab und furchtbar tiefe Einschnitte sowie blutige Flossenränder aufwies. Eine traurige Aufgabe, zudem wir wussten, dass draußen, auf der offenen See gerade ihr Kalb dem sicheren Tod preisgegeben war.

Greenpeace Online: Die meisten kennen lebende Delfine nur aus einem Delfinarium. Was ist davon zu halten?

Stefanie Werner: Delfinarien sollte man meiden - auch im Urlaub. Delfine haben in Gefangenschaft nichts zu suchen. Lieber eine Whale-Watching-Tour mitmachen und darauf achten, dass es dabei stressfrei für die Wale zugeht.

Gerade der klassische Flipper, der große Tümmler, wird immer noch in großer Zahl gefangen. Dazu treibt man beispielsweise in Japan bis zu 20.000 Kleinwale, darunter tausende Delfine, in seichten Buchten zusammen. Dort findet eine Auslese statt. Die makelfreiesten Tiere, meist ganz junge Weibchen, die von ihren Müttern getrennt wurden, sortiert man für Delfinarien aus. Die anderen Tiere werden danach brutal geschlachtet.

Delfinarien selber bedeuten für die in Freiheit sehr sozialen Tiere Trennung, Einsamkeit, Langeweile, Reizarmut in engen Becken, chemisch aufbereitetes Wasser, Stress und Lärm oder auch aufgezwungene Diäten als Trainingsmethode. Delfine in Gefangenschaft sind nur noch Schatten ihrer selbst und weit von ihrem natürlichen Verhaltenspotenzial entfernt.

Greenpeace Online: Trotzdem werden immer noch neue Delfinarien geplant?

Stefanie Werner: Eine ironischerweise mit dem Namen Nature Project versehene Firma plant seit letztem Jahr ein als Delfintherapie angepriesenes Projekt auf der Ostseeinsel Rügen. Doch die Tiere sollen mehrmals täglich die Hampelmänner in Shows spielen. Nachdem im vergangenen Jahr mehrere Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace sich dagegen mit einer gemeinsamen Stellungsnahme aussprachen, ist diese Fehlplanung nun hoffentlich gestorben.

Greenpeace Online: Können unsere Leser irgendetwas tun, um den Delfinen zu helfen?

Stefanie Werner: Sie können das Informationsangebot von Greenpeace und anderen Walschutzorganisationen nutzen. So erfährt man, dass in Nord- und Ostsee nicht nur die Kabeljaubestände bedroht sind. Durch die Kabeljaufangnetze ist auch der letzte heimische Wal, der Schweinswal, stark gefährdet. Zu den weitere Maßnahmen, die jedem offenstehen, zählt beispielsweise weniger Chemie im Haushalt. Die Reinigungschemikalien gelangen über die Flüsse ins Meer. Und wer konsequent Energie spart, schont das Klima und damit auch das Meer.

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