Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Hier in der Whale Embassy in Jangsaengpo, Ulsan, wird die Lage immer angespannter. Im Laufe des Tages kam eine Gruppe von Anwohnern und forderte uns zum wiederholten Male auf, die Besetzung des Geländes, auf dem das Walforschungszentrum und die Walverarbeitungsfabrik gebaut werden sollen, zu beenden. Sie übergaben uns ein Schreiben, dessen Inhalt sich in zwei Hauptargumenten zusammenfassen lässt: Zum einen würden die Menschen vor Ort durch unsere Anwesenheit gestört. Insbesondere die mit Hilfe von Walfluken aus Holz zu einem Walfriedhof stilisierten Erdhaufen hinter der Embassy würden manchen Menschen regelrecht Angst einjagen. Zum anderen sei durch uns die wirtschaftliche Entwicklung, die sich dieser arme Stadtteil mit dem IWC-Treffen und dem Bau von Walforschungszentrum und Walverarbeitungsfabrik erhofft, gefährdet.

Uns wurde für 18.00 Uhr am Donnerstag ein Ultimatum gesetzt, nach dessen Ablauf die betreffende Gruppe mit direkten Aktionen gegen uns droht. Das bedeutet im Grunde Selbstjustiz, in welcher Form auch immer sie stattfinden mag. Wir haben das Gefühl, dass den örtlichen Behörden die Entwicklung sehr gelegen ist, wenn sie nicht sogar von ihnen in irgendeiner Form forciert wurde. Die Auseinandersetzung zwischen Greenpeace und der Stadt Ulsan in einen Konflikt zwischen Greenpeace und den Menschen vor Ort umzudeuten spielt ihnen natürlich in die Hände.

Das Verhältnis zwischen dem anwesendem Greenpeace-Team und der örtlichen Bevölkerung läuft dabei Gefahr, vollkommen verzerrt zu werden. Denn die uns drohende Gruppe zeigt nur einen kleinen Teilauschnitt der Reaktionen auf die Embassy. Wir haben regen Kontakt mit den Menschen hier. Ungefragt wird uns viel Unterstützung gegeben, Essensgeschenke und Frauen, die uns anbieten, unsere Wäsche zu waschen, sind alles andere als eine Seltenheit. Besonders an den Wochenenden ist die Embassy überlaufen mit interessierten und freundlichen Menschen.

Der von uns angebotene Englischunterricht erfreut sich wachsender Beliebtheit. In der Sekunde, in der ich diese Zeilen schreibe, kommt ein koreanisches Pärchen in die Embassy, um Kelly, einer Aktivistin aus den USA, die die beiden soeben über die Situation der Wale in Korea informiert hat, mit Kaffee zu versorgen. Jetzt bekomme ich auch eine Tasse. Verdammt süß.

Also, in den nächsten 24 Stunden wird sich hier eine Menge tun. Wir müssen uns darüber klar werden, wie wir am besten auf die neue Situation reagieren und gleichzeitig die Botschaft am Laufen halten. Man darf gespannt sein...

Jan, Donnerstag, 26.05.2005

Mehr zum Thema

Zwei Zügelpinguine in der Antarktis

Naturparadies Antarktis

  • 07.01.2022

Die Antarktis ist ein extremer Lebensraum mit einzigartiger Flora und Fauna. Greenpeace untersucht auf einer neuen Expedition die Folgen der Klimakrise und schützenswerte Lebewesen am Meeresgrund.

mehr erfahren
"No Deep Sea Mining" – Greenpeace-Aktion in Rotterdam

Tiefsee-Arten vom Aussterben bedroht

  • 10.12.2021

Die Artenvielfalt in der Tiefsee ist bedroht – doch statt sie stärker zu stützen, soll bald in der Tiefe Bergbau betrieben werden. Dagegen protestiert Greenpeace in Rotterdam.

mehr erfahren
Adeliepinguine in der Antarktis

Hängepartie fürs ewige Eis

  • 29.10.2021

Die Antarktis-Kommission CCAMLR versagt wieder beim Antarktis-Schutz.

mehr erfahren
"Prestige" oil spill

Verschmutzung

  • 06.10.2021

Die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf etwa zwölf Milliarden Menschen ansteigen. Damit Landwirtschaft und Industrie sie ausreichend versorgen können, wird sich der Druck auf Küstengebiete erhöhen.

mehr erfahren

Kein Goldrausch im Ozean!

  • 16.05.2021

Erste Pilotversuche zum Abbau von Manganknollen im Ozean sind abgeschlossen. Doch Tiefseebergbau ist eine massive Bedrohung für unsere Ozeane.

mehr erfahren
Schwarzer Raucher im Pazifik

Tiefsee in Gefahr

  • 14.05.2021

In den Tiefen der Ozeane verbirgt sich ein einzigartiger Lebensraum, den wir gerade erst zu verstehen beginnen. Doch westliche Firmen drängen auf die Ausbeutung dortiger Rohstoffe.

mehr erfahren