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Meeresbiologin und Greenpeace-Expertin im arktischen Packeis vor Grönland, April 2008.
Nick Cobbing / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Online-Redaktion: Iris, du bist im Augenblick in Tromsoe beim Treffen des Arktischen Rates. Was ist der Arktische Rat?

Iris Menn: Der Arktische Rat, im Englischen Arctic Council genannt, ist eine Art Dachorganisation, die zum Interessenausgleich zwischen den arktischen Anrainerstaaten und den einheimischen Völkern 1996 gegründet wurde. Er koordiniert zum Beispiel die Durchführung von Forschungs- und Verkehrsprojekten, die Nutzung von Rohstoffvorkommen und den Umweltschutz in der arktischen Region. Auch der Klimaschutz und die Sicherheit in der Region sind Themen, die auf seiner Agenda stehen. So hat der Rat 2004 zum Beispiel eine umfassende Studie über die Folgen der globalen Erwärmung in der Arktis (Arctic Climate Impact Assessment) veröffentlicht.

Online-Redaktion: Welche Länder sind im Arktischen Rat vertreten?

Iris Menn: Zum einen die Anrainerstaaten um die Arktis herum als member states, also Dänemark, Norwegen, Finnland, Schweden, Island, Russland, Kanada und die USA. Daneben gehören sechs unternationale Organisationen als ständiges Mitglied (permanent participants) dazu: Aleut International Association, Arctic Athabaskan Council, Gwich'in Council International, Inuit Circumpolar Council, Russian Association of Indigenous Peoples of the North und Saami Council. Sie vertreten die indigenen Völker der Arktis. Und es gibt Beobachter (observer), zu denen nichtarktische Staaten wie Deutschland, Frankreich und Spanien, aber auch Nichtregierungsorganisationen gehören. Greenpeace hatte für dieses Jahr einen ad-hoc observer status beantragt, der uns leider verwehrt wurde.

Online-Redaktion: Was passiert diese Woche in Tromsoe?

Iris Menn: Alle zwei Jahre findet ein Ministertreffen des Arktischen Rates statt - diesmal am Mittwoch hier in Tromsoe. Daneben hat der norwegische Außenminister Jonas Gahr Stoere zusammen mit dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore für morgen zu einer Konferenz über den Klimawandel eingeladen: "Melting Ice: Regional Dramas, Global Wake-Up Call". Über 400 Experten und Politiker werden hier erwartet. Die Arktis ist im Fokus der Welt, denn sie ist eine der Regionen, in der der Klimawandel am massivsten zuschlägt.

Online-Redaktion: Was sind deine konkreten Forderungen an die Politiker, die an der Konferenz teilnehmen?

Iris Menn: Die Arktis ist einerseits eine der letzten nahezu unberührten Regionen dieser Welt. Auf der anderen Seite gehört sie tragischerweise zu den Regionen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Und als sei dies nicht genug, träumen die Staaten von der Ausbeutung der Arktis, denn unter dem ehemals ewigen Eis werden große Öl- und Gasreserven vermutet. Fördert man diese, verstärkt das nur den Klimawandel. Das ist eigentlich so logisch, dass jedem klar sein müsste: Diese Ressourcen müssen dort im Boden bleiben.

Um die Arktis zu bewahren, brauchen wir eine konsequente Verminderung der Treibhausgasemissionen. Parallel dazu ist ein Moratorium für jegliche Art der industriellen Nutzung im Gebiet des arktischen Ozeans, welches bisher durch Eis geschützt war, nötig. Das Moratorium muss so lange in Kraft sein, bis ein dauerhaftes, übergeordnetes rechtverbindliches Übereinkommen implementiert ist.

Und genau dazu müssen sich die Minister hier bekennen, wenn sie über die Chancen und Anforderungen, die eine leichter zugängliche Arktis bietet, reden wollen.

Online-Redaktion: Danke für das Gespräch, Iris.

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