- Nachricht
Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert
Im aktuellen Einkaufsratgeber bewertet Greenpeace die Gefährdung von rund 80 Arten, aufgeteilt in 380 Wild-Fischereien und Aquakulturen. Das Ergebnis: Umweltbewusste Verbraucher können weiterhin ohne Bedenken Karpfen und Forelle essen; auf Aal und Rotbarsch sollten sie lieber verzichten. Und genauer hinschauen sollten sie beispielsweise bei Kabeljau, Hering oder Lachs. Diese sind nur eingeschränkt zu empfehlen.
EU-Fischereipolitik: Einmischung von Verbrauchern wichtig
Die Politik schafft es bisher nicht, sich gegen die wirtschaftlichen Interessen der Fischindustrie durchzusetzen. Daher spielen engagierte Verbraucher eine wichtige Rolle. Sie können mit ihrem Kauf dem Handel und der Politik zeigen, dass sie ein umweltfreundliches Fischangebot möchten, so Iris Menn.
Um die richtige Wahl zu treffen, genügt der Blick auf die Kennzeichnung der Supermarktverpackung. Diese Angaben kann der Verbraucher im Fischratgeber nachschlagen. Handlich im Scheckkartenformat zeigt der Ratgeber auf einen Blick, ob der Fisch aus einer nachhaltigen Fischerei stammt und somit auf den Teller darf. Die Greenpeace-Bewertung berücksichtigt neben dem Gesundheitszustand der Fischbestände auch die Umweltauswirkungen der Fangmethoden. Neu hinzugekommen sind ein ergänzendes Heft mit Erläuterungen und Bildungsmaterial zum Meeresschutz für die Schule.
Ganz entscheidend für die Zukunft der Fischbestände sind auch die aktuellen politischen Entscheidungen: Die Europäische Kommission verhandelt dieses Jahr über eine neue Gemeinsame Fischereipolitik. In den vergangenen Monaten ist es den Fischereiministern nicht gelungen, das Kernproblem der EU-Fischereipolitik - die zu große Fangkapazität der EU-Fischereiflotte - anzugehen. Auch die deutsche Regierung zeigt zu wenig Engagement. Umso wichtiger ist die Unterstützung von Verbrauchern und Lebensmittelhandel für den Schutz der Fischbestände.
Auch Deutschland trägt Mitschuld an Überfischung
Dabei richtet die Überkapazität der EU-Fangflotte auch außerhalb Europas massive Schäden an. Greenpeace hat im Februar und März 2012 mit einer Kontrollfahrt vor der Küste Westafrikas die Ausbeutung der Gewässer durch die europäischen Fischereiflotten aufgedeckt. Wir konnten dokumentieren, wie dominant die europäischen Trawler in den Fischgründen vor Westafrika unterwegs sind, sagt Menn.
Auch Schiffe unter deutscher Flagge gehen in den Gewässern der armen Küstenländer auf Beutezug. Damit trägt Deutschland eine Mitschuld an der Ausbeutung der afrikanischen Fischgründe, so Menn. Greenpeace fordert, dass Deutschland seiner Verantwortung für eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Fischerei gerecht werden muss. Die EU muss die Fangkapazitäten dringend reduzieren und den Meeren die nötige Pause verschaffen. Nur so können sich die bedrohten Fischbestände erholen.