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In einem konventionellen Stall: Legehennen und Küken werden von voll automatisierten Maschinen gefüttert.
© Doerthe Hagenguth / Greenpeace

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Über das Wohl von Tieren wird in diesen Tagen verstärkt diskutiert. Eine so genannte Branchenlösung, an der Bauernverband, Schlachthöfe und Lebensmittelhandel beteiligt sind, soll es angeblich richten. Sowohl im Geflügelbereich als auch in der Schweinefleischproduktion wird über Details verhandelt. Ziel sind weitgehend unverbindliche Standards auf niedrigem Niveau. Mit einer Einigung wollen sich Handel und Produzenten aus der Schusslinie der Tierschutzdiskussion bringen.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat sich eingeschaltet und diese Woche zum ersten Mal zum „Kompetenzkreis Tierwohl“ ins Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eingeladen.

Staatliche Vorgaben sind notwendig

Die von Seiten der Wirtschaft ins Leben gerufene Initiative Tierwohl geht vielen konkreten Problemen der Massentierhaltung aus dem Weg. So spielt das Thema „gentechnisch veränderte Futtermittel“ in der Debatte keine Rolle. Auch Preisdumping in der Erzeugung, Gewässer- und Grundwasserbelastung durch die anfallende Gülle und hoher Medikamenteneinsatz werden nicht angegangen.

„Die Initiative kann wichtige gesetzlichen Regelungen nicht ersetzen“, so Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. „Die braucht es aber, um die Probleme wirklich zu lösen. Tierwohl ist mehr als nur eine Frage der Haltung.“ Töwe warnt: „Am Beispiel Gentechnik sehen wir, wie leicht die Akteure Selbstverpflichtungen von heute auf morgen kippen, wenn ihnen etwas nicht mehr passt.“

Gravierender Rückschritt nach 14 Jahren Selbstverpflichtung

Anfang des Jahres hatte die deutsche Geflügelindustrie nach 14 Jahren freiwilligem Verzicht erklärt, wieder gentechnisch veränderte Soja im Tierfutter zuzulassen. Ein Großteil des Handels nahm dies zunächst fast widerstandslos hin. Die Fast-Food-Kette McDonald’s folgte, wie es hieß, aus wirtschaftlichen Gründen. Der Umweltschutz war der Industrie zu teuer geworden und die Selbstverpflichtung damit vom Tisch.

Inzwischen hat der Handel nach zahlreichen Verbraucherprotesten angekündigt, gemeinsam eine gentechnikfreie Lösung für die gesamte Branche anzustreben und zukünftig auch bei Schweine- und Rindfleisch die Gentechnik aus dem Futtertrog verbannen zu wollen.

Die hohlen Argumente der Futtermittelindustrie

Doch ausgerechnet die skandalträchtige Futtermittelindustrie und der Deutsche Bauernverband stehen dem skeptisch gegenüber. Der Deutsche Raiffeisenverband geht sogar noch weiter: Er lehnt eine derzeit diskutierte branchenweite Verpflichtung zur gentechnikfreien Fütterung bei Eier- und Geflügelfleischproduktion grundsätzlich ab. Begründung: Die Landwirte sollten Wahlfreiheit beim Futter behalten. Zudem, so behaupten sie, fehle es an einem Markt in Deutschland für gentechnikfreie Produkte.

„Das ist blanker Hohn“, sagt Landwirtschaftsexpertin Töwe. „Die Wahlfreiheit der Verbraucher ist Bauernverband und Futtermittelbranche völlig egal. Derzeit können Verbraucher nicht einmal erkennen, ob Eier, Fleisch und Milch mit Gen-Futter produziert wurden. Das Geflecht von Futtermittelindustrie, Bauernverband und Schlachtindustrie hat bisher jegliche Transparenz in diesem Bereich verweigert“, so Töwe. Und auch bei starken Regelungen zum Tierwohl präsentiere sich die Branche jetzt wieder als Bremser. „Sie spricht sich massiv gegen starke staatliche Regelungen für eine bessere Tierhaltung und Fütterung aus.“

  • Huhn im Tierpark Arche Warder e.V. - Zentrum für gefährdete Nutztierrassen

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