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Milch

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Die Umfrage wurde von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag von Greenpeace durchgeführt. Die Mitarbeiter der GfK befragten per Telefon 1000 Männer und Frauen.

Das Ergebnis war eindeutig: Rund 85 Prozent der Verbraucher in Deutschland wollen, dass Milchkühe kein gentechnisch verändertes Futter erhalten. Zwei Drittel würden sich, wenn sie die Wahl hätten, für das Produkt mit dem Hinweis ohne Gentechnik entscheiden.

Ein Cent je Liter reicht den Landwirten aus, um die Mehrkosten für Futter ohne Gentechnik zu decken, sagt Alexander Hissting von Greenpeace. Gentechnikfreies Futter gibt es, der Verbraucher will es, und trotzdem weigern sich Hersteller wie Weihenstephan oder Bärenmarke, Gen-Pflanzen im Tierfutter auszuschließen. Das ist völlig unverständlich.

Der Agraringenieur und gelernte Landwirt befasst sich seit vielen Jahren mit der Materie. Teuer ist nicht das bessere Tierfutter, sagt er. Teuer ist der Einsatz von Gen-Pflanzen: Sie zerstören die Artenvielfalt und bergen Gefahren für Menschen und Umwelt.

Jüngster Beleg für die Risiken der Gentechnik ist eine Langzeitstudie, die das österreichische Gesundheitsministerium kürzlich veröffentlichte. Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien hatten 20 Wochen lang Mäuse mit dem genmanipulierten Mais NK603xMON810 gefüttert. Eine Vergleichsgruppe von Tieren erhielt herkömmlichen Mais. Ergebnis: Die mit dem Gen-Mais gefütterten Mäuse waren signifikant in ihrer Fruchtbarkeit beeinträchtigt. NK603xMON810 ist in der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen.

Bislang müssen tierische Produkte nicht gekennzeichnet werden, wenn Gen-Pflanzen im Tierfutter verwendet wurden. Doch seit Mai 2008 können Lebensmittelhersteller Milch, Eier und Fleisch mit dem Hinweis ohne Gentechnik bewerben, wenn bei der Tierfütterung auf gentechnisch veränderte Pflanzen verzichtet wurde. Die Greenpeace-Umfrage zeigt, dass die große Mehrheit der Verbraucher einen solchen Hinweis zu schätzen weiß.

Einige Molkereien haben bereits auf Milchproduktion ohne Gentechnik umgestellt. Seit Oktober gibt es die ersten Landliebe-Produkte mit der Kennzeichnung ohne Gentechnik in den Supermarktregalen. Landliebe ist eine der bekanntesten Milchmarken Deutschlands.

Die Unternehmen sollten die Kennzeichnung ohne Gentechnik nutzen und die Verbraucher nicht mit irreführender Werbung hinters Licht führen, sagt Hissting. Ein Alpenpanorama oder ein Teddybär auf grüner Wiese garantieren weder Qualitätsmilch noch eine gentechnikfreie oder regionale Produktion. Das grenzt eher an Verbrauchertäuschung.

Greenpeace startet am Samstag in 26 Städten die Mitmachaktion Der Cent macht's - Milch ohne Gentechnik. Verbraucher können Molkereien wie Weihenstephan oder Bärenmarke einen Cent schicken, um den Unternehmen auf die Sprünge zu helfen. Damit können sie zeigen, dass sie Milch ohne Gentechnik wollen und zwar zu fairen Preisen für die Bauern.

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