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Einer dieser Aktivisten ist Stephan Hüttner. Der 25jährigeMediendesigner beteiligt sich seit vier Jahren am aktiven Umweltschutz.Für drei Tage war er auf dem Frachtschiff, dass in einer Lagune vorVenedig liegt. Dienstagabend verließ er nach Verhandlungen mitSicherheitskräften das Schiff. Als wir Stephan am Mittwoch zumInterview anriefen, bestieg er gerade im orangefarbenenGreenpeace-Overall mit Klettergurt und -helm einen Verladekran.

Greenpeace Online: Wo bist Du jetzt gerade?

Stephan: Ich bin auf einem Verladeschiff, das mit einem Schlauch dieGensoja von dem Frachter saugen will. Genauer gesagt sitze ich auf demKran, der diesen Schlauch hält.

Greenpeace Online: Was kannst Du von da oben aus sehen?

Stephan: Momentan sehe ich die Küstenwache mit zwei weiteren Booten kommen.Außerdem Binnenschiffe, die nicht anlegen können, wegen unserer Kanusund Schlauchboote. Dann sehe ich in 700 bis 800 Metern Entfernung unserSchiff, die Esperanza, mit der wir von Venedig aus hierher gekommensind.

Greenpeace Online: Was hast Du bisher vor Ort getan?

Stephan: Am ersten Tag bin ich auf die Ankerkette geklettert. Wir wolltennicht, dass das Schiff zum Ankerplatz kommt. Abends kam Sturm auf, sodass wir an Bord kletterten. Dann sind wir auf die Kräne gestiegen. Wirwaren zu dritt, außer mir eine Frau und ein weiterer Mann. Zusätzlichblieb immer einer von der Besatzung mit im Kran. Wir haben dann zuviert in der Krankabine übernachtet. Es war sehr kalt und ich habevielleicht zwei bis drei Stunden geschlafen.

Greenpeace Online: Wie beschäftigst Du Dich auf dem Kran?

Stephan: Naja, ich sitze hier oben und unterhalte mich mit denanderen. Manchmal auch mit der Crew, die etwa 10 bis 15 Meter unter unsan Deck ist. Und ich beobachte die Küstenwache. Gestern konnte ich übermein Handy mit meinem Vater und meiner Freundin telefonieren.

Greenpeace Online: Wie haben die Besatzungmitglieder auf euch reagiert?

Stephan: Mit viel Chaos, aber wir konnten sie beruhigen und siewaren kooperativ. Zumindest bis sie die Kräne bewegen wollten. Da kames dann zu einigen friedlichen Auseinandersetzungen. Der Kapitän drohteuns und stellte ein Ultimatum, da die Crew nicht mehr zu kontrollierengewesen sei. Uns drohte eine ein- bis sechsjährige Haftstrafe wegenEingriffs in die Schiffssicherheit. So verließen wir nach mehrerenVerhandlungen mit Küstenwache, Polizei und Hafenmeister am Abend dasSchiff.

Greenpeace Online: Heute bist Du auf einen Kran des Verladeschiffs geklettert. Wie lange wirst Du noch da oben bleiben?

Stephan: So lange wie möglich. Eventuell auch noch die Nacht über.Ich habe ja noch ein paar Tafeln Schokolade und eine Flasche Wasser,die ich aus unserer Schiffsküche gemopst habe. Außerdem haben wir einpaar Rucksäcke an Seilen, damit wir die zu den Schlauchbootenrunterlassen und Lebensmittel hochseilen können.

Greenpeace Online: Wie geht die Aktion weiter?

Stephan: Wir warten ab, wie die Polizei reagiert. Die ersten Tagehat sie sich zurückgehalten. Heute ist sie mit vier Booten vor Ort. Wielange die ganze Aktion noch dauert ist absolut offen. Aber ich erwarte,Ende der Woche wieder nach Deutschland zu fahren.

Greenpeace Online: Was machst Du nach der Aktion, wenn Du wieder in Deutschland bist?

Stephan: Ich werde meine Freundin besuchen gehen und wiederarbeiten. Als Selbstständiger kann ich mir die Zeit selbst einteilenund denke, dass solche Aktionen die Zeit auch wert sind!

Zu Redaktionsschluss hat die Küstenwache gerade mit der Räumung begonnen.

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