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Ein Schild mit der Aufschrift "Roundup ready soya beans" (Roundup Ready Soja-Bohnen) seht auf einem Soja-Feld, 1996.
Alexandra Buxbaum / Greenpeace

Von Grenzwerten und Kennzeichnungen

In der Kennzeichnungsverordnung ist geklärt: Wer gentechnisch veränderte Zutaten verarbeitet, muss kennzeichnen. Doch was ist mit Herstellern, die herkömmliche Soja verwenden, die mit gentechnisch veränderter Soja verunreinigt ist?

Wenn die Soja unter 0,9 Prozent zugelassene Gen-Soja enthält, muss das Produkt wie zum Beispiel Schokolade nicht gekennzeichnet werden. Bedingung: Die Verunreinigung muss "technisch unvermeidbar oder zufällig" passiert sein und der Verarbeiter hat sich ansonsten um gentechnikfreie Ware bemüht. Das gleiche gilt für Tierfutter. Wenn unter 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten sind, muss das Tierfutter nicht gekennzeichnet werden.

Dieser Grenzwert von 0,9 Prozent soll Herstellern eine gewisse Sicherheit bieten, nicht die ganze Ware bei ungewollten Verunreinigungen durch Stäube, Lagerung oder Transport vernichten zu müssen. Aber Achtung: Das gilt nur für zugelassene, also nach europäischem Maßstab risikogeprüfte Gen-Pflanzen. Pflanzen, die hier keine Zulassungen haben, dürfen nicht in Lebensmitteln verwendet werden, auch nicht zufällig oder ungewollt. Passiert dies trotzdem, dann muss die Ware vom Markt genommen werden.

Grenzwerte für illegale Gen-Pflanzen?

Die Debatte um Grenzwerte weitet sich aber leider aus. Die sogenannte Nulltoleranz für illegale Gen-Pflanzen, also jene, die keine Zulassung als Lebens- oder Futtermittel in Europa haben, soll geöffnet werden. Den ersten Schritt hat die Europäische Kommission 2011 bereits gemacht: Futtermittel dürfen seitdem auch bis zu 0,1 Prozent nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Diese müssen entweder in Drittländern wie der USA eine Zulassung haben oder es muss zumindest ein Antrag auf Zulassung in Europa vorliegen.

Was bereits für Futtermittel gilt, wird nun auch für Lebensmittel gefordert. Ein bisschen Illegales kann doch nicht schaden. Ein fataler Fehler, denn damit wird das eigene Sicherheitssystem unterlaufen. Und das sogenannte Vorsorgeprinzip außer Kraft gesetzt. "Das bestehende Risikobewertungssystem der EU reicht immer noch nicht aus, um Risiken für Mensch und Umwelt durch Gen-Pflanzen auszuschließen", sagt Stephanie Töwe-Rimkeit, Gentechnikexpertin bei Greenpeace. „Nun will die EU-Kommission in Europa für gänzlich ungeprüfte Gen-Pflanzen die Tür öffnen. Das darf nicht passieren, denn die Gentechnik ist und bleibt eine Risikotechnologie.“

Der Druck amerikanischer Lieferanten und der internationalen Futter- und Lebensmittelindustrie ist groß. Das Risiko für den Verbraucher auch. "Wenn Grenzwerte erst einmal etabliert werden, können sie mit der Zeit auch angehoben werden und bieten Boden für das Argument: Gentechnik ist doch sowieso schon überall drin. Was nicht stimmt", sagt Töwe-Rimkeit. "Wir brauchen strenge gesetzliche Regelungen, damit diejenigen, die ohne Gentechnik produzieren wollen, es auch weiterhin können."

Reinheitsgebot für Saatgut

Auch bei Saatgut gilt diese Nulltoleranz. Hier dürfen allerdings weder zugelassene noch illegale gentechnisch veränderte Organismen enthalten sein. Für Saatgut gilt bis heute ein absolutes Reinheitsgebot. Denn allein eine Verunreingung von zum Beispiel 0,1 Prozent beim Maissaatgut würde bedeuten, dass hundert Gen-Pflanzen auf einem Hektar wachsen.

Wenn bereits das Saatgut, die Grundlage unserer Ernährung, verunreinigt ist, wird es immer schwieriger, den Grenzwert für Gentechnik in Lebensmitteln einzuhalten. Dabei ist sauberes Saatgut die Regel und es besteht keine Notwendigkeit, Grenzwerte für eine Verunreinigung durchzusetzen. In Deutschland testen die Bundesländer jährlich Saatgut: Nur in Einzelfällen war importiertes Saatgut verunreinigt. "Die Aussage der Saatgutproduzenten, eine Null-Prozent-Grenze sei nicht einhaltbar, stimmt nicht", sagt Töwe. "Die Stichproben zeigen deutlich: Sauberes Saatgut ist machbar."

 

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