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Online-Redaktion: Ende Januar soll ein neues Gentechnik-Gesetz vom Bundestag verabschiedet werden. Wozu brauchen wir dieses Gesetz?

Stephanie Töwe: Die Gentechnik ist eine Risikotechnik und muss deswegen gesetzlich geregelt werden. Hauptziel des Gesetzes ist es, den Schutz von Umwelt und Mensch zu garantieren. Weiterhin soll der gleichzeitige Anbau von gentechnikfreier - also konventioneller und Öko-Landwirtschaft - und der Landwirtschaft mit Gentechnik geregelt werden.

Online-Redaktion: Warum die Änderung, es gibt doch schon ein Gentechnik-Gesetz?

Stephanie Töwe: Die Koalitionspartner CDU und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, dieses Gesetz zu verändern, um die Forschung in der Gentechnik zu erleichtern. Aber letztendlich soll mit dem Gesetz auch der Anbau von Genpflanzen in Deutschland erleichtert werden.

Online-Redaktion: Welche Rolle hat Verbraucherminister Horst Seehofer bei der Neugestaltung des Gesetzes gespielt?

Stephanie Töwe: Eigentlich hätte Horst Seehofer mit dieser Novellierung die Möglichkeit gehabt, die bestehenden Lücken des Gesetzes zu schließen. Diese Chance hat er nicht genutzt. Im Gegenteil: Anstatt die gentechnikfreie Landwirtschaft zu schützen, öffnet er der Gentechnik-Industrie Tür und Tor.

Online-Redaktion: Was sind die Konsequenzen für die gentechnikfreie Landwirtschaft?

Stephanie Töwe: Die gentechnikfreie Landwirtschaft wird in Zukunft massiv mit Verunreinigungen ihrer Anbaupflanzen zu kämpfen haben.

Online-Redaktion: Was sind die Kritikpunkte an dem neuen Gesetz?

Stephanie Töwe: Ein Hauptkritikpunkt ist, dass die gentechnikfreie Landwirtschaft und auch die Wahlfreiheit der Verbraucher in Zukunft erschwert werden.

Das macht sich zum Beispiel an den Abstandsregelungen fest: Die Abstände zwischen einem Gen-Maisfeld und einer gentechnikfreien Anbaufläche liegen in der konventionellen Landwirtschaft bei 150 und im Öko-Landbau bei 300 Metern. Studien haben ergeben, dass bei diesen Abständen immer mit Verunreinigungen zwischen 0,3 und 0,5 Prozent zu rechnen ist. Hieran ist besonders zu kritisieren, dass Verunreinigungen, die unter 0,9 Prozent liegen, gar nicht geahndet werden. Außerdem dürfen Gen-Bauern durch private Absprachen mit ihren Nachbarn sogar noch geringere Abstände aushandeln.

Online-Redaktion: Was sind die Forderungen von Greenpeace?

Stephanie Töwe: Es müssen größere Abstände zwischen den Feldern und zu ökologisch sensiblen Gebieten zu Grunde gelegt werden. Auch müssen Verunreinigungen von Saatgut schärfer geahndet werden. So sollten Verursacher von Schäden auch bei Verunreinigungen unter 0,9 Prozent haften. Und schließlich muss gewährleistet sein, dass die Auflagen des Gesetzes auch entsprechend kontrolliert werden.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Stephanie!

Interview: Gerd Kulik

Der Bundestag verabschiedet voraussichtlich noch im Januar das neue Gentechnikgesetz. Fordern Sie die Vorsitzenden der Fachausschüsse auf, sich für ein starkes Gentechnikgesetz einzusetzen. Den Link zur Mitmachaktion finden Sie unten.

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