Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Online-Redaktion: Vor zwei Wochen fanden in Bonn Verhandlungen zum Cartagena-Protokoll statt. Über Inhalt und Verlauf hast du uns damals berichtet. Mittlerweile sind die Verhandlungen abgeschlossen. Jan, was ist dein Fazit?

Jan: Nichts ist verloren, alles ist verschoben, aber die Aussichten sind trübe. Es ging ja um ein rechtlich verbindliches System, das dafür sorgen soll, dass die Gentechnikfirmen zahlen, wenn durch gentechnische Veränderungen Schaden entsteht. Ein solches System wurde aber nicht beschlossen.

Online-Redaktion: Also gibt es eigentlich keine handfesten Ergebnisse zu melden?

Jan: Nein. Es gibt kein Ergebnis, die Verhandlungen sind nur vertagt. Sie sollen jetzt zwei Jahre lang weiter geführt werden. Bis zur nächsten großen Konferenz. Wir wissen aber jetzt schon, dass Länder wie Japan und Brasilien sich radikal gegen jede vernünftige Regelungen wenden. Wenn wir es nicht schaffen, sie in den nächsten zwei Jahren zu überzeugen, dann werden wir ein Problem haben.

Online-Redaktion: Sind die Verhandlungspartner dazu verpflichtet, in zwei Jahren rechtlich verbindliche Entscheidungen zu treffen?

Jan: Verschoben werden könnte eine Entscheidung immer, nur kostet das Geld. Diesmal war eigentlich vorher schon die Ansage: Auf keinen Fall verschieben! Nachdem in dieser Woche jedoch keine Ergebnisse gab, hat Japan gesagt: OK, wir finanzieren die nächsten zwei Jahre.

In zwei Jahren findet die nächste große Konferenz in Japan statt. Bis dahin gibt es nochmal Geld für zwei kleinere Konferenzen. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass die Entscheidung in Japan ein weiteres Mal verschoben wird. Die Frage ist also: Schaffen wir es in diesen zwei Jahren ein vernünftiges Gesetz durchzusetzen oder nicht.

Online-Redaktion: Was passiert mit denjenigen, die vor 2010 durch Gentechnik schaden erleiden? Können sie rückwirkend Ansprüche erheben?

Jan: Die haben Pech gehabt. Im Moment gibt es weltweit keine rechtsverbindlichen Regelungen. Wir hatten da einen Fall in Kenia. Dort sind Bauern geschädigt worden. Kenia selbst zahlt denen nichts, die Firmen zahlen nichts - sie stehen alleine da.

Online-Redaktion: Bleibt die Hoffnung, dass sich diese Situation in zwei Jahren ändert. Danke für das Gespräch Jan.

Mehr zum Thema

Dirk Zimmermann

Zum Tod von Dirk Zimmermann

  • 09.08.2022

Am 3. August 2022 ist unser Kollege und Freund Dirk Zimmermann viel zu früh, viel zu jung nach schwerer Krankheit gestorben. Ein Nachruf.

mehr erfahren
Organic Meals at Kindergarten in Hamburg

Warum Städte künftig mehr Bio-Essen anbieten wollen

  • 22.02.2022

Den Anteil an Bio-Lebensmitteln in öffentlichen Kitas, Schulen und städtischen Kantinen wollen 20 von 27 Städten in Deutschland mit konkreten Zielen erhöhen. Das ergab eine Abfrage von Greenpeace.

mehr erfahren
GP1SUQSD Urban Ecological Farming in Auckland

Neue Gentechnik: Positionen des Lebensmittelhandels

  • 31.01.2022

Bisher ist die gentechnikfreie Landwirtschaft in Europa eine Erfolgsgeschichte. Doch mit der Freiheit, sich bewusst gegen Gentechnik im Essen entscheiden zu können, könnte es bald vorbei sein.

mehr erfahren
Protest Against New Pig Farm in Alt Tellin

Umsetzung der EU-Agrarreform – ein Kommentar

  • 16.12.2021

Der Bundesrat besiegelt die nationale Umsetzung einer EU-Agrarreform, die diesen Namen nicht verdient. Milliarden Steuergelder werden ziellos verschwendet. Was die neue Bundesregierung nun tun muss.

mehr erfahren
Cem Özdemir

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir - eine Analyse

  • 08.12.2021

Das Landwirtschaftsministerium steht nach fast zwei Jahrzehnten zum zweiten Mal unter grüner Leitung. Was nun zu tun ist - ein Interview mit Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace.

mehr erfahren

Bundesbehörde auf Abwegen

  • 04.10.2021

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schützt die Gentechnik-Industrie statt die Verbraucher:innen.

mehr erfahren