Skip to main content
Jetzt spenden
Pesticides Spain

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Betroffen sind Wirkstoffe, die Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzung schädigen können. Die Entscheidung, diese gefährlichen und überflüssigen Wirkstoffe auf eine Schwarze Liste zu setzen, ist ein Schritt, den Greenpeace seit vielen Jahren fordert, erklärt Chemieexperte Manfred Krautter von Greenpeace.

Die Agrarminister hätten aber auch Pestizide, die das Hormon-, Immun- oder das Nervensystem schädigen können, für die Lebensmittelproduktion ausschließen müssen. Das gleiche gilt für besonders umweltgefährdende Spritzmittel, die giftig für Bienen und Gewässerorganismen sind.

Krautter kritisiert auch eine fünfjährige Übergangsfrist. In dieser Zeit dürfen nicht mehr zulassungsfähige Wirkstoffe weiter eingesetzt werden, wenn keine Alternative zur Verfügung steht. Landwirtschaftsminister Seehofer, der maßgeblich für diese Ausnahmeregelung gekämpft hat, hat mal wieder gezeigt, dass ihm Industrieinteressen wichtiger sind als Verbraucherschutz. Und das ohne Not, denn alternative Wirkstoffe sind ausreichend vorhanden.

Dass Seehofer sich dann doch noch für ein Ende der krebs-, fortpflanzungs- und gentoxischen Pestizide eingesetzt hat, liegt sicher auch an dem breiten öffentlichen Protest gegen seine ursprüngliche Position.

Industrieverband beschwört Nahrungsmittelkrise

Viele Schädlinge und Krankheiten könnten bei einem Verbot kaum noch bekämpft werden, heißt es beim Verband der Pestizidindustrie IVA (Industrieverband Agrar). Das Gegenteil beweisen allerdings die erfolgreichen Pestizidreduktionsprogramme mehrerer europäischer Länder oder der ökologische Landbau, der ohne chemische Pestizide auskommt.

Was Pestizide anrichten können, haben wir gerade in Baden-Württemberg und Bayern gesehen, so Krautter. Es ist erwiesen, dass der Bayer-Wirkstoff Clothianidin für das Bienensterben in diesen Regionen verantwortlich ist. Wie wichtig Bienen für die Nahrungsmittelproduktion sind, wissen nicht nur Obstbauern. Die Erträge beim Raps zum Beispiel fallen ohne Bienenbestäubung um 50 Prozent. Auch Vergiftungen bei Landarbeitern und oftmals gesundheitsgefährdende Pestizidbelastungen in Lebensmitteln werden durch die Agrargifte verursacht.

Wie weiter

Nun muss das EU-Parlament entscheiden. Dieses hatte aber bereits im Vorfeld weiterreichende Forderungen gestellt. So soll auch gegen Stoffe, die das Hormon-, Immun- sowie Nervensystem schädigen können, restriktiver vorgegangen werden und generell bei Zulassungen geprüft werden, ob es weniger gefährliche Alternativen gibt. Auch ein Pestizidpass steht auf der Forderungsliste des Parlaments, mit dem Landwirte ihre Kunden im Lebensmittelhandel über die eingesetzten Pestizide informieren sollen.

Von dem Zulassungsstopp wären laut PAN (Pestizid Aktions-Netzwerk) nur rund vier bis fünf Prozent der in der EU eingesetzten Pestizide betroffen. Und die Wirkstoffe seien in circa 22 Prozent der untersuchten Lebensmittel nachzuweisen.

Mehr zum Thema

Tisch gedeckt mit vegetarischem Essen

Wie gesunde Ernährung aufs Klima wirkt

  • 07.09.2022

Eine Ernährung mit weniger Fleisch und Milch würde den Flächenverbrauch in der Landwirtschaft um 40 Prozent reduzieren, zeigt eine neue Greenpeace-Studie.

mehr erfahren
Mähdrescher auf einem großen Weizenfeld in der Ukraine, 2021

Knappes Getreide: EU kann Exportausfälle der Ukraine ausgleichen

  • 05.04.2022

Der Krieg in der Ukraine verknappt das Angebot an Getreide und Pflanzenölen auf dem Weltmarkt. EU-Staaten könnten die Exportausfälle ausgleichen.

mehr erfahren
GE Clearing Contaminated Farm in Thailand

Gentechnik

  • 18.06.2021

Neue gentechnische Verfahren in der Pflanzenzucht versprechen ein lukratives Geschäft für die Gentechnik-Industrie. Doch der Einsatz der Agro-Gentechnik birgt unkalkulierbare Risiken.

mehr erfahren

Von wegen unsichtbar

  • 10.06.2021

Mit einem neuen, frei zugänglichen Verfahren kann erstmals die Anwendung sogenannter neuer Gentechnik bei einer Rapssorte nachgewiesen werden.

mehr erfahren

Tödliche Gefahr für die Bienen

  • 09.06.2021

Mit Sonderregelungen für Pestizide umgeht die Politik den Insektenschutz, den sie seit Jahren versprochen hat und gefährdet die Biodiversität.

mehr erfahren
Larissa Bombardi, Pestizidforscherin

"Das Potenzial ist enorm"

  • 17.05.2021

Der Pestizideinsatz in Brasilien ist enorm, er verursacht Schäden für Mensch und Umwelt. Oft stammt die Chemie aus Europa. Über Lebensmittelexporte gelangt sie zurück auf unsere Teller. 

mehr erfahren