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Greenpeace hat zusammen mit der österreichischen Umweltorganisation Global 2000 die 170.000 Pestizidgrenzwerte überpfüft und dabei die EU-eigenen Maßstäbe angelegt. Die Studie bewertet das akute und chronische Gesundheitsrisiko, das mit den harmonisierten Höchstwerten verbunden ist.

Das Ergebnis: Bei 570 Grenzwerten von Obst und Gemüse wird die Akute Referenzdosis (ARfD) für Kinder überschritten. Besonders betroffen sind Äpfel, Birnen und Trauben: Fast zehn Prozent der Grenzwerte für diese Sorten sind potenziell gesundheitsschädigend für Kinder.

So können bereits 20 Gramm Trauben, das sind gerade einmal 5 Beeren, für ein 16,5 Kilogramm schweres Kind gesundheitsschädlich sein, wenn der Grenzwert für Procamidone ausgeschöpft wird. Beim Höchstwert von Methomyl wären es zum Beispiel 40 Gramm eines Apfels oder 50 Gramm Pflaumen.

Auch langfristige Schäden sind möglich: Bei 94 EU-Grenzwerten wird die Akzeptable Tägliche Aufnahmemenge (ADI) nicht eingehalten. Beim Überschreiten der ADI sind chronische Gesundheitsschäden wie Krebs, Fortpflanzungsstörungen oder Hormonstörungen möglich. ARfD und ADI sind toxikologische Basisdaten, die verbindlich bei der Grenzwertfestlegung berücksichtigt werden müssen.

Die EU-Kommission ignoriert ihre eigenen Sicherheitsstandards, sagt Ulrike Kallee, Chemie-Expertin von Greenpeace. Das ist ein Skandal. Greenpeace empfiehlt Verbrauchern, die Pestizide im Essen vermeiden wollen, Bio-Lebensmittel zu kaufen. Bei deren Produktion dürfen chemische Pestizide nicht eingesetzt werden.

Obst und Gemüse gehören zu einer gesunden Ernährung - auch konventionelle Produkte müssen dieser Anforderung genügen. Kallee fordert: Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) muss sich sofort dafür einsetzen, dass die EU-Kommission ihre unsicheren Pestizid-Höchstmengen korrigiert.

Die Umweltorganisation PAN Europe hat mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof eine Klage gegen die EU-Kommission eingereicht. Zuvor hatte die Behörde einen Antrag von PAN auf Überarbeitung der unsicheren Grenzwerte abgelehnt.

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