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Nach Erdbeeren im Frühjahr und Paprika in der vergangen Woche sind es diesmal die Weintrauben, die durch eine besonders starke Pestizidbelastung negativ hervorstechen. Rund ein Viertel der Trauben in den Supermärkten erreicht oder überschreitet die gesetztlichen Grenzwerte.

Besonders bedenklich wird es, wenn nicht nur ein Pestizid, sondern gleich ein ganzer Cocktail von Spritzmitteln gefunden wurde. Noch ist unbekannt, wie sich die chemischen Mittel in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Deswegen weiß man auch nicht, ob die für einzelne Pestizide bestimmten Limits bei einer Mixtur nicht deutlich niedriger angesetzt werden müssten.

Das Greenpeace-EinkaufsNetz hat die Lebensmittel in Märkten der Handelsgruppen Lidl, Metro, Rewe, Aldi, Edeka, Tengelmann und Karstadt-Quelle gekauft. Bei einigen der großen deutschen Handelskonzernen ballen sich die Funde in bemerkenswerter Weise. Vor allem bei den Handelsgruppen Lidl, Rewe (Minimal, HL, Penny) und Metro (Kaufhof, Real, Extra).

Unter den in Trauben gefundenen Pestiziden waren die möglicherweise Krebs erregenden Stoffe Dimethoat und Ethofenprox, zudem Chlorpyriphos und Fenitrothion, die vermutlich schon in kleinsten Mengen hormonell wirksam sind und die Fortpflanzung stören können. Pestizide wurden auch bei einzelnen Proben von Salat, Mango, Kiwi, Zucchini und Chili-Gewürzpulver gefunden. Obst und Gemüse aus Mittelmeerländern war meist deutlich stärker belastet als holländische oder deutsche Ware.

Der Lebensmittelhandel bringt immer wieder belastetes Obst und Gemüse auf den Markt, das teilweise wegen überschrittener Grenzwerte nicht verkauft werden dürfte, sagt Niemann. Der Handel soll künftig nur noch pestizidfreie Lebensmittel anbieten, die auch von Kleinkindern bedenkenlos gegessen werden können.

Greenpeace ließ zusätzlich auch acht Produkte aus Bio-Märkten untersuchen. Dort war das untersuchte Obst und Gemüse - bis auf einen Fall mit geringfügiger Belastung - frei von Pestiziden. Das legt nahe, dass die Situation nicht zufällig besteht, sondern dass sich durch konsequente Maßnahmen in den Bereichen Qualitätskontrolle, Qualitätsmanagement, Rückverfolgbarkeit und im Anbau die Rückstände vermeiden lassen.

Doch im Moment ist der Anreiz für eine Änderung eher gering: Wegen fehlender Rechtsgrundlagen erfährt der Verbraucher meist nichts von Verstößen - selbst wenn die Behörden diese längst festgestellt haben. Greenpeace fordert daher von der Bundesregierung, das überfällige Verbraucherinformationsgesetz (VIG) auf den Weg zu bringen. Dann hätten Verbraucher ein Recht auf Informationen rund um alle Lebensmittel. Von den Behörden könnten sie die Namen von Firmen und Produkten erfahren.

Wenn bei jedem Pestizidfund der Verantwortliche benannt wird, dann verbessert sich die Lage für den Kunden sehr schnell, erklärt Niemann. Die Nennung einzelner schwarzer Schafe würde verhindern, dass ganze Branchen in Verruf gebracht werden.(mir)

Lesen Sie auch den Laborreport: "Pestizide in Obst und Gemüse" (PDF, 272 kb).

Weitere Informationen auch zum VIG finden Sie auf den Seiten des EinkaufsNetzes.

Pestizidreport_4.pdf

Pestizidreport_4.pdf

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