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Greenpeace hat 2008 zum ersten Mal auch Tafeltrauben untersuchen lassen, die in anderen EU-Ländern angeboten werden. Insgesamt testete das beauftragte Speziallabor 124 Proben aus 17 Supermarktketten in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Ungarn. Das Labor spürte dabei 300 Pestizidwirkstoffen hinterher.

Das Ergebnis ist niederschmetternd: 43 Prozent der hierzulande verkauften Trauben sind zu stark mit Pestiziden belastet. Nach Greenpeace-Bewertung heißt das: nicht empfehlenswert (rot). Bei Kaiser's Tengelmann waren es sogar 80 Prozent der Proben, bei Edeka 60 Prozent.

Die Deutschen bekommen das mieseste Obst auf den Teller. Die Pestizidbelastungen sind teils so hoch, dass gerade bei Kindern Gesundheitsschäden möglich sind, so Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. Doch wie viel Gift in Trauben steckt, hängt vom Supermarkt und dem Herkunftsland der Ware ab.

Die höchsten Rückstandsmengen fand das beauftragte Speziallabor in Trauben aus der Türkei und Italien. Ware aus Spanien, Frankreich und Griechenland schnitt deutlich besser ab. Damit ist klar, dass die Handelsketten die Wahl haben. Was der Verbraucher auf den Tisch bekommt, hängt von der Einkaufspolitik der Supermärkte ab.

Am besten schneidet die Ware von Lidl Deutschland und zwei holländischen Supermarktketten ab. In acht Proben (6,5 Prozent der Ware) aus Märkten in Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden wurden die EU-Pestizidgrenzwerte erreicht oder überschritten. Zwei davon stammten aus Deutschland, verkauft von Edeka und dem Großmarkt Hamburg.

In 111 der 124 Proben (89,5 Prozent) fanden sich Pestizide mit besonders gefährlichen Eigenschaften. Sie sind in der Schwarzen Liste der Pestizide enthalten, die Greenpeace im Februar 2008 veröffentlicht hat.

Unser Labor fand 64 verschiedene Pestizide. Im Schnitt sieben in jeder Probe. Das ist ein gefährlicher Chemiecocktail, so Krautter. Häufig nachgewiesen wurde Bifenthrin, das ins Hormonsystem eingreifen kann und die Fortpflanzung beeinträchtigen oder Carbendazim, das das Erbgut schädigen kann. Greenpeace fordert die EU-Kommission auf, solche Agrargifte in Zukunft nicht mehr zuzulassen.

Interessant ist, dass Metro und Lidl offenbar mit doppelten Standards arbeiten. Metro-Ware in Italien war deutlich besser als die in Deutschland. Genau umgekehrt verhielt es sich bei Lidl: Die Kette bietet in Deutschland weitaus bessere Trauben an als in Italien.

Auffällig ist auch der Rückwärtstrend: 2005 und 2006 stellte Greenpeace bei etwa 50 Prozent der untersuchten Trauben zu hohe Pestizidwerte fest. 2007 waren es nur 8 Prozent. Jetzt sind es wieder 43 Prozent.

Krautter fordert die Handelsketten auf sicherzustellen, dass möglichst rückstandsfreie Ware verkauft wird und keine gefährlichen Pestizide in der Produktion eingesetzt werden. Die staatliche Lebensmittelüberwachung müsse endlich gegen den gesetzwidrigen Verkauf vorgehen.

Zudem müssen die zum 1. September in Kraft getretenen EU-Grenzwerte verschärft werden. Sie haben sich als unsicher erwiesen. So besteht bei türkischen Trauben von Real in Hamburg die Gefahr einer akuten Gesundheitsschädigung, die EU-Höchstmenge wurde jedoch nicht überschritten. Schon im August hatte Greenpeace auf hunderte unsicherer Grenzwerte hingewiesen und von der EU Abhilfe gefordert.

Umwelt- und gesundheitsbewussten Verbrauchern rät Greenpeace, auf Bio-Trauben auszuweichen. Sie sind in der Regel rückstandsfrei und können mit Genuss verzehrt werden.

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