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Ein Bauer aus Kamerun sprüht Pestizide auf eine Kakaopflanze, September 2000
Claire Cadiou / Greenpeace

Auswirkungen auf Kleinbauern

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Für die Produkte der Kleinbauern aus Entwicklungsländern könnten solche Standards eine Barriere beim Zugang zum Weltmarkt sein. Durch private Standards und die Machtkonzentration im Handel seien sie darüber hinaus gefährdet, in die Abhängigkeit einzelner Supermarktketten zu geraten, da sie als Zulieferer ihren gesamten Produktionsablauf auf bestimmte Abnehmer ausrichten müssten. Die DIW-Experten empfehlen daher höhere staatliche Qualitätsauflagen.

Manfred Krautter, Pestizid-Experte bei Greenpeace, teilt die Sorge des DIW um die Lebensmittelsicherheit, den Umweltschutz und die prekäre ökonomische Lage vieler Kleinbauern. Die Kritik an privaten Qualitätsstandards, wie es sie bei Pestizidrückständen im Lebensmittelhandel gibt, teilt er nicht. Pestizide gefährden gerade die Bauern in armen Ländern besonders und sind für zahllose Vergiftungs- und Todesfälle verantwortlich. Die Nachfrage nach Lebensmitteln, bei denen keine oder wenige Pestizide eingesetzt werden hilft auch den Bauern und der Umwelt. Für die Obst- und Gemüsebauern im Süden gilt ebenso wie für die Milchbauern in Deutschland, dass der von den Einzelhandelsketten ausgehende Preisdruck ein weitaus größeres ökonomisches Problem ist, als deren Qualitätsanforderungen. Gerade eine erhöhte Nachfrage nach Qualitätslebensmitteln wie nach Fair Trade- und Bio-Standards eröffnet vielen Kleinbauern in armen Ländern erst die Absatzmärkte und faire Einkommen.

Auch der vom DIW vorgeschlagene Lösungsweg mit verbindlicheren staatlichen Standards verspreche allein keinen Erfolg. Für bedenkliche Lebensmittelbelastungen wie den Pestizidrückständen sollte das Minimierungsgebot gelten: So wenig wie möglich. Daher sind weiterhin private Standards, die über die gesetzlichen Anforderungen hinaus gehen, sinnvoll und nötig. Für Krautter bieten staatliche Standards keineswegs automatisch Sicherheit, auch nicht wenn sie eingehalten werden. Die Auswertung aller EU-Pestizidgrenzwerte durch Greenpeace zeigt: nahezu 700 Höchstmengen sind nicht sicher. Die EU hat inzwischen Nachbesserungen angekündigt, die jedoch nicht weitgehend genug sind.

Um Lösungsansätze zum Nutzen von Verbrauchern, Bauern, Umwelt und Handel zu finden, hat Krautter die Autorinnen der Studie nun zum Dialog über das Thema zu Greenpeace eingeladen.

Update vom 26. Mai 2009

Die Einladung zum Dialog hat das DIW sofort angenommen. Nur einen Tag nach der Veröffentlichung seiner Anmerkungen hat Manfred Krautter eine ausführliche Antwort des Instituts und eine Einladung zum Gespräch erhalten.

Ich begrüße die sehr konstruktive Antwort des DIW auf meinen Kommentar. Sie ergänzt die ursprüngliche Studie des DIW zu Auswirkungen des Greenpeace-Pestizidprojekts auf den Einzelhandel, den Verbraucherschutz und die Situation der Kleinbauern in Entwicklungsländern um bedenkenswerte Hintergründe und Lösungsansätze.

Ich danke dem DIW, dass es auch meine Einladung für ein Gespräch angenommen hat und freue mich auf den Austausch mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Berlin. So kann sowohl die Problemanalyse als auch die Lösungssuche gemeinsam fortgesetzt werden.

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