
Das Jahr startet mit 30 Kilogramm Plutonium, die in der englischen Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield nicht mehr auffindbar sind: Stoff für sechs Atombomben. Greenpeace weist nach, dass dies kein Einzelfall ist, sondern regelmäßig Atommaterial in Atomanlagen verschwindet. Im Mai muss die Anlage dann abgeschaltet werden, weil sich ein schwerer Unfall ereignet, bei dem mehrere Tonnen hochradioaktives Plutonium-Uran-Gemisch auslaufen.
Im Mai wird mit dem Atomkraftwerk Obrigheim einer der ältesten und gefährlichsten Reaktoren in Deutschland abgeschaltet. Die Betreiber schalten dafür alte fossile Kraftwerke wieder an. Greenpeace mahnt an, dass sich die Betreiber über regenerativen Ersatz für die Kraftwerke oder über Stromeinsparpotenziale Gedanken machen müssen.
Kurz nach Bekanntgabe der Neuwahlen fordern Politiker von Union und FDP längere Laufzeiten und vereinzelt sogar den Neubau von Atomkraftwerken. Deswegen protestieren im Juli Greenpeacer bei der Beratung zum CDU/CSU-Wahlprogramm in Berlin. Aktivisten entrollen am Gebäude ein Banner mit der Aufschrift: CDU: Kein Rückfall ins Atomzeitalter!
und umstellen den Tagungsort mit hunderten von gelben Atommüllfässern. Die CDU/CSU hatte auch im Bundestag versucht, die Atomkraft wieder salonfähig zu machen, obwohl gemäß einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Emnid-Umfrage 75 Prozent aller Deutschen ein Atomkraftwerk in ihrer Nachbarschaft ablehnen würden. Auch im September warnt Greenpeace die Union an der Berliner CDU-Parteizentrale nochmals vor einem Neuanfang für Atomkraft. Umweltschützer umranden ein Foto der damaligen Kanzlerkandidatin Angela Merkel mit: Kein neuer Anfang für Atomkraft
. Die CDU verweigert die Annahme eines Banners mit 30.000 Unterschriften gegen Atomkraft, das dann von der Polizei beschlagnahmt wird.
Im August veröffentlicht Greenpeace eine Studie über Sicherheitsrisiken der vier ältesten Atomkraftwerke in Deutschland: Biblis A und B, Brunsbüttel und Neckarwestheim. Genau um diese geht es bei der Diskussion um längere Laufzeiten.
Im November protestieren Greenpeace-Jugendliche gegen den bevorstehenden Castor-Transport. RWE, E.ON, Vattenfall, EnBW und Teile der Bundesregierung wollen den unsicheren Salzstock in Gorleben zum Endlager machen. Deswegen haben sich die jungen Greenpeacer aus ganz Deutschland gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Wendland bei Dannenberg zu einem großen, gelben X aufgestellt. Die Botschaft der Jugendlichen: Atomkraft: leichtsinnig - kurzsichtig - ignorant. Nicht mit uns!
. Auch nach der Demonstration bleiben Botschaften und Forderungen der Jugendlichen an einer der möglichen Straßenstrecken der Castoren. Die jungen Menschen in ganz Deutschland wollen kein Endlager in Gorleben.
Während der Castor-Transporte lässt Greenpeace den Nuklearexperten Dr. Helmut Hirsch am Verladebahnhof von Dannenberg in zwölf Metern Abstand die Neutronenstrahlung messen: Sie beträgt 3,45 Mikrosievert pro Stunde. Die natürliche Hintergrundstrahlung am gleichen Ort lag wenige Stunden vorher bei etwa 0,015 Mikrosievert pro Stunde. Von den Castor-Behältern geht in dieser Entfernung also eine rund 230 mal höhere Strahlung als die natürliche Hintergrundstrahlung aus. Greenpeace fordert die Veröffentlichung der offiziellen Messergebnisse im Vorfeld, damit Begleitpersonal, Anwohner und Demonstranten wissen, welcher Strahlung sie ausgesetzt werden.
Seit 30 Jahren verschifft die europäische Atomindustrie einen Teil ihres strahlenden Mülls nach Russland. Nach russischem Recht ist das Entsorgen ausländischen Atommülls im Land verboten. Greenpeacer protestieren Anfang Dezember in Frankreich gegen diese Praxis.