
Für gesunde Lebensmittel ohne Gentechnik engagiert sich Greenpeace auch 2004 mit Verbraucheraufklärung und Aktionen in Supermärkten. Zwar kann sich die Gentechnik in Lebensmittel hierzulande nicht durchsetzen, aber über die Futtermittel bahnen sich Gen-Pflanzen den Weg zum Verbraucher.
Einen umfassenden Einkaufsratgeber zur Gentechnik stellt Greenpeace Mitte Januar 2004 in Berlin vor. Das Heft listet rund 400 Lebensmittelfirmen in Deutschland auf und informiert über ihre Haltung zur Gentechnik. Das Interesse bei den Verbrauchern ist riesig; innerhalb kurzer Zeit ist die erste Auflage vergriffen. Im Laufe des Jahres werden mehr als 1,5 Millionen Exemplare Essen ohne Gentechnik gedruckt. Immer mehr Firmen sagen zu, keine Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen einzusetzen.
April 2004: Die EU-Verordnung zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte tritt in Kraft - und Verbraucher, die sich im Greenpeace-EinkaufsNetz zusammengeschlossen haben, werden zu Gen-Detektiven. Sie nehmen die Zutatenliste der Produkte unter die Lupe und forschen nach genmanipulierten Inhaltsstoffen. Bislang sind auf dem deutschen Markt nur einige wenige Produkte mit genmanipulierten Zutaten aufgetaucht. Gen-Öl wird allerdings in zahlreichen Restaurants verwendet - ohne dass dies auf den Speisekarten vermerkt ist. Zudem gibt es eine gravierende Gesetzeslücke: Produkte von Tieren, die mit Gen-Pflanzen gefüttert wurden, müssen nicht gekennzeichnet werden. Hier fordert Greenpeace dringend Nachbesserung der entsprechenden EU-Kennzeichnungsrichtlinie!
Gefahr geht insbesondere von Gentechnik auf den Feldern aus. Denn Gen-Pflanzen breiten sich in der Natur unkontrolliert aus und machen eine gentechnikfreie Landwirtschaft langfristig unmöglich. 130 Aktivisten protestieren daher Ende März gegen die geplante Freisetzung von Gen-Weizen der Firma Syngenta in Sachsen-Anhalt. Greenpeacer säen auf den vorgesehenen Feldern Öko-Weizen. Sie protestierten so gegen die drohende Genehmigung. Die Gen-Firma Syngenta hat mittlerweile das Projekt Gen-Weizen in Deutschland eingestellt. Der Greenpeace-Protest Kein Gen-Brot war erfolgreich.
Gemeinsam mit Bioanbauverbänden und den gentechnikfreien Regionen in Deutschland fordert Greenpeace von der Politik strikte Regelungen, damit herkömmliche Felder vor Verunreinigung mit Gentechnik geschützt sind. Das neue Gentechnikgesetz bietet hier eine gute Grundlage, die jetzt auf Länderebene umgesetzt werden muss.
Gegen die Verwendung von Gen-Pflanzen in Futtermitteln geht es bei der Konfrontation von Greenpeace und Müllermilch im Frühjahr 2004: Die Umweltschützer fordern von der Unternehmensgruppe Theo Müller, dafür Sorge zu tragen, dass bei der Herstellung ihrer Milchprodukte keine Gen-Pflanzen verfüttert werden.
Auftakt der Kampagne ist der 30. April 2004: Greenpeace veröffentlicht die Ergebnisse von Recherchen, wonach auf Müllermilch-Höfen Gen-Soja verfüttert wird. Vor der Konzernzentrale in Aretsried/Bayern protestieren Aktivisten mit großen Protestplakaten.
In den folgenden Wochen erhöht Greenpeace den Druck auf Müllermilch. Das Muh-Mobil, ein umgebautes Auto, das wie eine Kuh aussieht, tourt quer durch die Republik und ermuntert die Verbraucher, ihrem Unmut über die Gentechnik Luft zu machen. 6000 Menschen beteiligen sich am Muhen gegen Müllermilch. Aktivisten von Greenpeace-Gruppen in 50 Städten kennzeichnen in Supermärkten Milch-Produkte der Müller-Unternehmensgruppe und warnen die Verbraucher vor Gen-Pflanzen in Futtermitteln.
Der Konzern reagiert auf die Aktivitäten gereizt. Anfang Juni versucht er, die Kampagne von Greenpeace gerichtlich zu stoppen. Vor dem Landgericht Köln hat Müller am 23. Juni eine einstweilige Verfügung gegen Greenpeace erwirkt, die unter anderem den Begriff Gen-Milch
in Zusammenhang mit Müller-Produkten untersagt. Greenpeace lehnt diese Zensur ab und geht in die Berufung. Das Oberlandesgericht Köln hebt das Urteil im Oktober 2004 wieder auf und erlaubt Greenpeace, Müllermilch als Gen-Milch
zu bezeichnen, da ein von Gentechnik betroffenes Produkt vorliegt.
Greenpeace setzt seine Kampagne Ende des Jahres fort, um Müllermilch und andere Molkereien dazu zu bewegen, endlich auf Gen-Pflanzen in Futtermitteln zu verzichten.