
25 Greenpeacer klettern auf einen 96 Meter hohen Schaufelbagger und befestigen ein Transparent: Kohle zerstört das Klima
. Drei der Aktivisten harren vier Tage lang in schwindelnder Höhe aus. Der Betreiber von Hambach, RWE, plant den Bau von zwei neuen Braunkohlekraftwerken. Greenpeace verlangt, diesen unverantwortlichen Kurs zu ändern und in umweltschonende Energien zu investieren. Von allen Energieformen schadet die Braunkohle dem Klima am meisten, da bei ihrer Verbrennung besonders viel Treibhausgas Kohlendioxid freigesetzt wird.
Zum Auftakt der Konferenz Renewables 2004 demonstrieren 80 Greenpeace-Jugendliche aus elf Ländern für verbindliche Ziele. Die Europäische Union soll garantieren, dass der Anteil Erneuerbarer Energien im Jahr 2020 mindestens 20 Prozent beträgt. Für die Politiker haben die jungen Umweltschützer ein Begrüßungspaket vorbereitet, das auch einen Bumerang enthält, denn Alles, was Sie jetzt entscheiden, kommt in Zukunft wieder auf uns zurück
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Die Delegierten betonen zwar die große Bedeutung der Erneuerbaren, am Ende sagen jedoch nur wenige Staaten, etwa China und Ägypten, einen massiven Ausbau Erneuerbarer Energien zu. Die Jugendlichen selbst machen es besser. Mit dem Projekt SolarGeneration sind sie weltweit für saubere Energien aktiv. Für ein indisches SOS-Kinderdorf finanzieren sie mit gesammelten Spenden eine Dach-Solaranlage und installieren sie auf der Dorfschule.
Neben Kohle sorgt Erdöl als fossiler Energieträger für große Klima- und Umweltprobleme. Negatives Beispiel: die andauernde, massive Ölverseuchung in Alaska. Im Prinz-William-Sund sank vor 15 Jahren der Öltanker Exxon Valdez und hat die bis dahin schlimmste Ölkatastrophe der Seeschifffahrt ausgelöst. Bis heute weigert sich der Ölmulti ExxonMobil (in Europa: Esso) die gerichtlich festgesetzten Strafzahlungen zu leisten.
Greenpeace präsentiert 2004 eine Ölkarte, die Ölförderung, Transportrouten und den Verbrauch weltweit sowie die größten Umweltkatastrophen durch Schiffshavarien darstellt.
Der Klimawandel ist allgegenwärtig: Gletscherschmelze, Stürme, Überflutungen nehmen dramatisch zu. Um so wichtiger, dass Russland 2004 das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. So kann das internationale Klimaschutzabkommen 2005 in Kraft treten. Greenpeace fordert, bei Energieversorgung und Kältetechnik entschlossen auf klimafreundliche Alternativen umzusteigen.
Seit einigen Jahren unterstützt Greenpeace die Gesellschaft für ökologische Forschung finanziell beim Aufbau eines Archivs von Vergleichsdaten zur Gletscherschmelze. Im Juni 2004 werden Fotovergleiche der Gletscher vor hundert Jahren und heute in einer großen Ausstellung in München veröffentlicht. Sie dokumentieren den dramatischen Schwund der Eismassen in den letzten Jahrzehnten, der sich in einem nie dagewesenen Tempo vollzieht.
Diese Ausstellung und auch die Öffentlichkeitsarbeit rund um den Kinofilm The Day after Tomorrow
motiviert viele Menschen, die Greenpeace-Forderungen zum Klimaschutz zu unterstützen. Zahlreiche Greenpeace-Gruppen verteilen zum Start des Hollywood-Thrillers Infomaterialien vor den Kinos. Zwar stellt der Film die drohende Klimakatastrophe verkürzt als Eiszeit-Drama im Zeitraffer dar, doch die zentrale Film-Botschaft ist korrekt: Wenn wir heute nicht handeln, wird uns morgen das Klimachaos einholen.
Um das zu verhindern, müssen die klimafreundlichen Erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind massiv ausgebaut werden. Greenpeace fordert, zeitgleich den Ausstieg aus den fossilien Energieträgern wie Kohle und Öl zu beschleunigen. Zudem müssen andere Klimakiller reduziert werden. Greenpeace kämpft deshalb seit Jahren für eine klimafreundliche Kältetechnik - ohne Einsatz der Treibhausgase Fluor-Chlor- und Fluor-Kohlenwasserstoff (FCKW und FKW).
Die von Greenpeace 1992 initiierte umweltschonende Kältetechnik Greenfreeze hält nach ihrem Siegeszug durch die Märkte Europas, Japans, Chinas und Argentiniens im Oktober 2004 Einzug in Brasilien. Lediglich die USA blockieren noch immer die Einführung der umweltschonenden Technik. Dagegen geben im Juni die Weltkonzerne Coca-Cola, Unilever Ice Cream und McDonald's bekannt, aus der Anwendung von FKW-haltigen Kältegeräten auszusteigen. Diese vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen unterstützte Initiative ist für Greenpeace ein Meilenstein in der Kampagne zum Klimaschutz.