Roland Hipp

Der Kampagnen-Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland im Porträt

Ahmt man seinen schwäbischen Zungenschlag nach, dann zuckt Roland Hipp immer noch leicht zusammen. Obwohl er sich in all den Jahren im hohen Norden doch eigentlich daran gewöhnt haben müsste, dass die Greenpeacer/innen in der Hamburger Zentrale der Umweltorganisation über jedes kleine ischt stolpern. Und wenn er als Budgetverantwortlicher bei der Absegnung von Projekten mal wieder besonders genau auf das Geld schaut, schmunzeln seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter: Schwäbische Sparsamkeit...

Dabei steht dahinter nur eine ungeheure Sorgfalt und penible Hartnäckigkeit. Was wir zum Schutz der Umwelt machen, muss nicht nur pfiffig, kreativ und leidenschaftlich sein, sondern Hand und Fuß haben, und die Kosten müssen im Rahmen bleiben, sagt er. Roland Hipp ein Bürokrat? Nein: durch und durch ein Greenpeacer.

Wie sonst ist es zu erklären, dass er nach einer Dokumentationsreise zur französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague mit sieben Katzen zurückkam: sechs Katzenjungen und der Katzenmutter. Als Leiter des Teams, das die alltägliche Verstrahlung durch die Plutoniumfarbik in der Normandie dokumentierte, hatte er seine Mitstreiter immer wieder gewarnt, als die trächtige Katze vorbeikam und um Futter bettelte: Ihr werdet die nicht wieder los! Niemand hörte in diesem Punkt auf ihn. Und als alle abgereist waren, blieb Roland Hipp mit seiner Freundin und dem Korb mit den sieben Katzen zurück. Die Geschichte ging gut aus. Alle haben ein neues Zuhause gefunden.

Roland Hipp hätte sich nicht träumen lassen, eines Tages bei Greenpeace zu landen. Für die Schule habe ich mich nie interessiert, für Politik schon gar nicht, sagt der 46-Jährige. Ich bin lieber in die Wälder gezogen und habe Hütten gebaut. Ich glaube, meine Eltern sind fast an mir verzweifelt. Die steckten ihn dann erst einmal in eine kaufmännische Lehre, dann folgte die Bundeswehr. Da hat es irgendwie klick gemacht, ich habe gemerkt, wenn ich es jetzt nicht auf die Reihe bekomme, ist der Zug für mich abgefahren. Roland Hipp begann ein BWL-Studium, zog aber schnell die Wirtschaftspraxis in der Betriebsleitung einer Textilfirma vor. Babystrampler und Trainingsanzüge haben wir hergestellt - ich weiß heute noch ganz genau, was ein gutes T-Shirt ausmacht.

Zu Greenpeace kam er auch über die Faszination an der Natur, in diesem Fall an der Antarktis. Roland Hipp arbeitete ab 1983 in der Stuttgarter Greenpeace-Gruppe mit und baute in Albstadt auf der Schwäbischen Alb und in Konstanz Zweigstellen der ehrenamtlichen Umweltschützer auf. Die Verfolgung von Atomtransporten wurde dann schnell zu seiner Passion. Es ging um die atomare Fracht in die Plutoniumfabriken La Hague und Sellafield in Großbritannien. Es ärgert ihn fürchterlich, dass diese Risikotechnolgie einfach weiter betrieben wird, ohne dass das Problem des strahlenden Atommülls von den verantwortlichen Energiekonzernen je ernsthaft angepackt wurde. Atomkraftwerke müssen vom Netz, denn die Gefahren, die von ihnen ausgehen sind unkalkulierbar, so Hipp. Außerdem ist Uran eine endliche Ressource und steht uns nicht unbegrenzt zur Verfügung. Um uns langfristig mit Energie versorgen und vor dem Klimawandel schützen zu können, haben wir nur eine Wahl: Wir müssen in Erneuerbare Energien investieren. Eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken blockiert aber die notwendigen Investitionsmittel, die wir für eine Umstellung auf die Erneuerbaren dringend brauchen. Der Kampf gegen die Atomkraft wurde für den Schwaben zum Beruf. Seit 1991 arbeitet er hauptamtlich für die Umweltorganisation.

Als Teamleiter führte er die Umweltkämpferinnen und -kämpfer gegen Shell und die französische Regierung. Greenpeace nahm Shell übel, dass sie 1995 die ausgediente Bohrplattform Brent Spar als Vorläufer für 400 weitere Plattformen im Atlantik versenken wollte und die Chirac-Regierung beharrte bis Ende 1995 auf der Fortsetzung der Atomtests im Südpazifik auf dem Atoll von Moruroa.

Beides große internationale Kampagnen mit zig Aktivitäten in zig Ländern, deren Koordination reine Nervensache war. Roland Hipp organisierte, koordinierte, lobte und tadelte, korrigierte, recherchierte. Und kannte weder Hunger noch Schlaf - typisch wenn ihn etwas fasziniert. Der einzige, dem ich begegnet bin, der auch nach zwei Tagen ohne Schlaf noch sinnvolle Sätze sagen kann, seufzt eine Mitstreiterin aus diesen Tagen.

Von der Position des Leiters der Energieabteilung von Greenpeace holte Roland Hipp 2000 zum nächsten Schlag gegen umweltschädlichen Strom aus. Er gründete Greenpeace energy, eine Genossenschaft, die grünen Strom anbietet - sozusagen Protest gegen die Atom- und Kohlekraft per Steckdose. Bis 2006 hat Greenpeace energy 58.000 Stromabnehmer und 12.000 Genossenschaftsmitglieder - ein Stachel im Fleisch der Stromgiganten. Lange ist Roland Hipp bei Greenpeace energy neben Robert Werner Geschäftsführer. Um diese Doppelbelastung zu beenden, wird er die Geschäftsführung in diesem Jahr an einen Nachfolger abgeben.

2002 wird Roland Hipp vom Aufsichtsrat zum Kampagnen-Geschäftsführer berufen. Er ist damit Stellvertreter von Brigitte Behrens und verantwortlich für alle Umweltkampagnen und -projekte von Greenpeace Deutschland.

Roland Hipp ist ein Arbeitstier. Die Arbeit an seiner Reetdachkate, am liebevoll angelegten Bauerngarten, am Gartenteich, die er zusammen mit seiner Freundin leistet, sind der Ausgleich zum Schreibtischjob bei Greenpeace. Das letzte große Projekt war die zeitgemäße Wärmedämmung seines Daches. Und da kamen dann auch wieder die Katzen ins Spiel. Als die mehrlagige Dämmschicht angebracht war und die Reetdachbündel wieder an ihrem Platz saßen, hörte man nämlich ein klägliches Miauen. Im Eifer des Gefechts war eine Katze unbemerkt in den Hohlraum zwischen Dämmung und Reet geschlüpft. Da half nur das Greenpeace-Motto: Taten statt Warten. Mit der Drahtschere bewaffnet stieg Roland Hipp auf das frisch gedeckte Dach und schnitt auf der Suche nach der Katze Bündel um Bündel des Reets wieder aus. Nützt ja nichts. Ich hätte die Katze niemals dort verrecken und ihrem Schicksal überlassen können - Katzen sind wohl Teil meines Schicksals.

 


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