Brigitte Behrens, Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, im Porträt
Brigitte Behrens Lieblingsfarbe ist Schwarz. Zusammen mit den dunklen Haaren könnte man auf einen Hang zu finsteren Gedanken schließen. Weit gefehlt. Die Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland ist Optimistin und hat nicht vor, am Zustand der Welt zu verzweifeln. Das hier ist doch der beste Platz, um etwas für den Erhalt des Planeten zu tun
, sagt sie und lehnt sich entspannt in ihrem Bürostuhl mit Elbblick zurück.
Greenpeace hat schon viele engagierte Menschen kommen und gehen sehen. Brigitte Behrens blieb und das nun schon seit 1986. Um den hektischen, manchmal chaotisch-kreativen Betrieb der Deutschlandzentrale unbeschadet zu überstehen, braucht man ihrer Meinung nach zwei Eigenschaften: Gelassenheit und Beharrungsvermögen. Die Gelassenheit, ertragen zu können, dass nicht alles perfekt ist, und das Beharrungsvermögen, sich durch Rückschläge nicht irritieren zu lassen. Ich nehme Probleme nicht mit nach Hause
, sagt sie. Ich kann abschalten und ruhig schlafen.
Das heißt nicht, dass sie bei Aktionen nicht immer noch mitfiebert. Mir schlägt manchmal das Herz bis zum Hals
. Zum Beispiel als Anfang 2006 zwei Greenpeace-Schiffe im Südpolarmeer mit Schlauchbooten gegen die japanische Walfangflotte protestieren. Wenn unsere Aktivistin Regine Frerichs erzählt, wie ihr die Ohren dröhnen, wenn der Sprengkopf der Harpune im Wal neben ihr explodiert, dann kann ich die Anspannung und das Leid nachempfinden und bin froh, wenn alle Greenpeacer heil zurückkehren.
Oder wenn Greenpeace-Aktivisten aus einem Kirchenfenster in Stralsund ein Banner gegen Atomwaffen hängen - in Sichtweite von US-Präsident George Bush, der auf dem Platz vor der Kirche eine Ansprache hält. Ich bin dort zwar nicht persönlich dabei, aber ich finde es klasse, dass wir es schaffen, unsere Meinung auch unter widrigen Umständen prominent zu vertreten.
Brigitte Behrens möchte eher im Hintergrund bleiben. Das gilt nicht nur für Aktionen, sondern ganz allgemein für die Arbeit. Blender und Schaumschläger kann sie nicht ausstehen: Heiße Luft und nichts dahinter. Dabei müsse man für einen solchen Job in der Lage sein, sich und die Arbeit immer wieder in Frage zu stellen. Trotz der beruflichen Belastung habe sie es in all den Jahren geschafft, sich außerhalb von Greenpeace einen Freundeskreis zu erhalten, der ihr helfe, auf dem Teppich zu bleiben.
Der Lebenslauf der Greenpeace-Geschäftsführerin kann als klassisch links-intellektuell bezeichnet werden. 1951 in Würzburg geboren, beginnt sie auf Wunsch der Mutter ein Medizinstudium, obwohl sie eigentlich gern Malerei studiert hätte. Aber schon der Großvater war Chirurg, und so führt sie zunächst die Familientradition fort. Nach acht Semestern bricht sie ab und wechselt nach Hamburg. Sie fängt ein Soziologiestudium an und engagiert sich gegen den Bau des Atomkraftwerks Brokdorf bei Hamburg.
Nach vielen Diskussionen, Anhörungen, großen und kleinen Demonstrationen gesteht sie sich ein, dass die Anti-Atomkraft-Bewegung den Bau des Atommeilers nicht verhindern kann. Deshalb hat sie aktuell die Sorge, dass mit der Furcht vor dem Klimawandel eine Rückbesinnung auf die scheinbar klimafreundliche Atomenergie beginnt. Greenpeace muss klarstellen, dass Atomenergie keine Lösung sondern eine gefährliche Sackgasse ist. Das Strahlenrisiko und die ungelöste Endlagerfrage wiegen viel zu schwer. Der endgültige Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland muss bleiben.
Neben der Anti-AKW-Bewegung interessiert sich Brigitte Behrens für Frauenpolitik und ist von 1976 an im Gründungskomitee der Frauenkneipe in der Hamburger Stresemannstraße. Dort arbeitet sie drei Jahre lang. Ihre Diplomarbeit in Soziologie trägt den Titel Die Organisation von Frauengruppen und ihre Bedeutung für die Betroffenen, dargestellt am Beispiel der Frauenkneipe Hamburg (Mai 1979).
Begeistert von den spektakulären Aktionen bewirbt sich Brigitte Behrens 1985 bei Greenpeace und wird 1986 als Assistentin der Geschäftsführung eingestellt. 1988/89 absolviert sie einen Post-Graduierten-Lehrgang für das Management von Non-Profit-Organisationen in der Schweiz. 1988 wird sie kommissarische, 1989 stellvertretende und 1999 alleinige Geschäftsführerin. Seit Sommer 2002 wird sie von Roland Hipp, dem Stellvertretenden Geschäftsführer und Kampagnen-Direktor, unterstützt.
Brigitte Behrens isst vorwiegend vegetarisch. Den Einzug der Gentechnik in Supermärkte und Lebensmittelläden zu verhindern, ist ihr ein wichtiges Anliegen. Sie verzichtet bewusst auf Konsum: Was ich kaufe, muss zeitlos sein und lange halten.
Sie hat in ihrer Hamburger Wohnung weder Fernseher noch die übliche Batterie an Elektrogeräten in der Küche. Brigitte Behrens fährt gerne Bahn und leiht sich ab und an ein Auto bei einer Carsharing-Organisation.
Gibt es etwas, was sie statt der Arbeit für Greenpeace gern machen würde? Nein
, sagt Brigitte Behrens. Greenpeace biete genau die richtige Mischung: viele spannende, interessante Themen, hoch motivierte Kolleginnen und Kollegen mit Zivilcourage, internationale Kontakte.
Wenn sie mal nicht für Greenpeace aktiv sei, dann wolle sie nur Zeit für ihren Freundeskreis haben oder raus an die frische Luft. Wandern und Kanu-Fahren als Leidenschaft. Dazu Bücher von Joseph Conrad, Filme mit Johnny Depp und klassische Musik, zum Beispiel Satie, Schubert oder Bach. Brigitte Behrens spielt selbst Klavier. Doch auch in Zukunft werde ich wohl nicht mehr Zeit für mich haben
, prophezeit die Optimistin in Schwarz.
Schwarz ist übrigens auch ihr früheres Lieblingstier, der schwarze Panther. Inzwischen gilt ihre erste Wahl den Eisbären: Weißpelze, die im Schnee auf den ersten Blick gar nicht auffallen, aber viel schneller auf Touren kommen als man denkt. Und für die langfristig der Klimawandel gestoppt werden muss. Sonst haben die großen Jäger auf dem dünner werdenden Eis des Nordpols keine Zukunft mehr.