Wir müssen Japans Bürger aufklären

Über Jahre wurde Walfleisch mit dem Wissen der zuständigen Behörden von Besatzungsmitgliedern der Fangschiffe von Bord geschmuggelt und auf eigene Rechnung verkauft. Im Mai 2008 haben Junichi und Toru unterschlagenes Walfleisch sichergestellt und der Staatsanwaltschaft übergeben und damit den größten Skandal der japanischen Walfanggeschichte aufgedeckt. Doch sie wurden verhaftet und des Diebstahls bezichtigt. Im Dezember war ich mit sechs Geschäftsführern von Greenpeace-Büros in Japan, um mich für die Freilassung von Junichi und Toru einzusetzen. Mit einem Plakat Walschutz ist kein Verbrechen!
habe ich vor dem Parlament protestiert.
Der Walfang im Schutzgebiet Südpolarmeer wird zum größten Teil von der japanischen Regierung finanziert. Seitdem der Walfang 1982 weltweit verboten wurde, tötet Japan unter dem Deckmantel der Forschung weiter. So rücksichtslos, wie die Walfänger auf See vorgehen, behandelt die Regierung ihre Kritiker. Seit vergangenem Montag stehen unsere Kollegen vor Gericht, in einem Prozess, dessen Ausgang schon festzustehen scheint. Es geht nur noch darum, ob sie für drei oder zehn Jahre ins Gefängnis müssen. Zunächst wurde wegen des Walfleischskandals auch noch gegen die Walfänger ermittelt. Unglaublicherweise wurde dieses Verfahren jedoch eingestellt - angeblich aus Mangel an Beweisen und öffentlichem Interesse.
Nach ihrer Festnahme wurden Junichi und Toru über Wochen bis zu acht Stunden am Tag verhört. Sie waren während der Vernehmung an Stühle gefesselt. Privatwohnungen und Büro wurden durchsucht. Sie dürfen nicht mehr für Greenpeace arbeiten, Treffen dürfen nur beim Anwalt stattfinden. Selbst unter dem Vorwurf des Diebstahls ist dieses harte Vorgehen auch für Japan skandalös. Amnesty International stuft den Prozess gegen die Greenpeace-Mitarbeiter daher als politisch motiviert ein.
In Japan konnte ich beim Anwalt mit Junichi und Toru reden. Auch wenn die Situation für beide persönlich sehr schwer ist, haben mir die beiden Mut gemacht. Sie wollen der Öffentlichkeit über den Prozess weiterhin zeigen, wie falsch der Walfang ist. Auch ich werde mich weiter für den Schutz der Wale einsetzen und meine Mitstreiter in Japan unterstützen. Wenn wir den Walfang stoppen wollen, müssen wir die japanische Öffentlichkeit auf unsere Seite bringen und gleichzeitig zeigen, dass die blutige Jagd international nicht toleriert wird.