
Das zeigt sich am Beispiel 'Biosprit', der eigentlich Agrosprit heißen muss. Zunächst klingt es gut und nach einem neuen Weg, wenn die Industrie erklärt, Treibstoff aus nachwachsenden Pflanzen schone Umwelt und Klima. Ohne den Klimawandel anzutreiben, könne man mit Agrosprit Auto fahren, die Wohnung heizen und Strom erzeugen. Wir könnten weitermachen wie bisher.
Doch diese Rechnung geht nicht auf. Zunächst wird weitere Ackerfläche erschlossen werden für Ölpalmen, Raps, Soja, Zuckerrohr, Weizen. Was auch immer in Agrosprit umgewandelt wird, es wird im großen Stil angebaut werden, um den Energiehunger der Industrienationen zu stillen. Dadurch wird der Platz für Landwirtschaft knapp. Je mehr Pflanzen für unsere Tankfüllung angebaut werden, desto mehr Fläche fehlt für die Erzeugung von Lebensmitteln. Zudem werden schon jetzt die letzen Urwälder unserer Erde rasend schnell für neue Felder abgeholzt. Wälder, in denen Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert sind, werden vernichtet, das Klimagift CO2 gelangt in die Atmosphäre.
Für den Anbau der Energiepflanzen wird zudem viel Energie und Wasser gebraucht. Und Wasser ist kostbarer als Erdöl, das der Agrosprit ersetzen soll- spätestens hier wird klar, wie absurd die Konzepte sind. Kraftstoffe aus Biomasse sind derzeit ökologisch unsinnig, unwirtschaftlich - und sie schaden den Armen.
In den Industrieländern kennen wir nur Energiehunger, doch viele Menschen in anderen Ländern leiden an richtigem Hunger oder an Unterernährung. Aus 100 Kilogramm Weizen lassen sich entweder 100 Kilogramm Brot backen oder rund 25 Liter Agrosprit herstellen. Mehr Getreide im Tank bedeutet mehr Hungernde. Daher kann es keine Wahl geben, ob ein Mensch satt ist oder ein anderer seinen Porsche Cayenne ausfährt. Das darf sicherlich nicht der Markt regeln, denn es ist klar, wer die besseren Preise zahlen würde.
Nein, Agrosprit ist nicht bio und er ist keine Lösung für den Klimawandel. Vielmehr müssen wir für eine wirkliche Veränderung endlich anfangen, unsere Energieressourcen effizient zu nutzen. Wir brauchen Autos, die weniger verbrauchen, Kraftwerke, die wirkungsvoller Strom produzieren, und Geräte, die Strom optimal nutzen. Und wir müssen vor allem Antworten auf die Frage finden: Wie verändern wir unseren Lebensstil in Industrieländern wie Deutschland so, dass er die Umwelt nicht länger überfordert.
Brigitte Behrens
Geschäftsführerin Greenpeace e.V.