Ein Bilderbuch-Greenpeacer kann nicht nur klettern und Schlauchboot fahren, sondern ist auch fit in moderner Kommunikation. Auf jeden Fall hat er immer ein Handy dabei. Wie haben sich Aktivisten bloß früher verständigt? Greenpeace-Mitgründer Gerhard Wallmeyer erzählt.
Mitten in unserem ersten Büro hier in Hamburg stand ein kühlschrankgroßer Kasten - das Telex. Jede eingetippte Presseerklärung wurde von der Maschine in gelbe Lochstreifen verwandelt, die dann - laut wie ein Maschinengewehr - durch das Gerät ratterten. So brachten wir unsere ersten Texte an die Redaktionen.
Als ich 1984 den ersten Computer anschleppte, einen IBM-PC mit zwei 5-Zoll-Diskettenlaufwerken, gab es einen Riesenaufstand: Computer hatten das Image der Technik von Großkonzernen und Geheimdiensten - wer wollte damit schon was zu tun haben? Doch die schärfsten Kritiker von damals sitzen heute am längsten vor dem Bildschirm.
Wenn wir Leute in anderen Ländern erreichen wollten, konnten wir nicht einfach eine E-Mail schreiben. Man musste telefonieren und dafür wegen der Zeitunterschiede häufig nachts aufstehen. Bei Aktionen gab es keine Handys, sondern den CB-Funk auf Kurzwelle. Entweder es krachte und knarzte nur im Lautsprecher oder andere Leute quatschten einem dazwischen. Meist funktionierte es jedenfalls nicht.
Die Kommunikation mit den Greenpeace-Schiffen klappte dagegen hervorragend: Man meldete bei Radio Norddeich ein Telefongespräch an und wurde meist schon eine halbe Stunde später zurückgerufen und mit dem Schiff verbunden, das zum Beispiel auf Aktionstour gegen die Dünnsäureverklappung vor Helgoland war. Alles war kristallklar zu verstehen, aber die Sache hatte einen Haken: Die halbe Küste hörte mit. Jedes Schiff hatte ein solches Funkgerät an Bord, und alle lauschten, wie die Aktion denn nun weitergeht. Also musste man in Geheimcodes reden. Die Abfahrt des Verklappungsschiffes von Nordenham nach Helgoland wurde so vermeldet: Der Apfel ist vom Baum gefallen.
Dann wussten wir, jetzt geht es los.
Später gab es dann die massiven B-Netz-Autotelefone. Die waren riesig. Bei wichtigen Aktionen mussten wir große Autos mieten, BMW oder Mercedes, weil nur die solche Telefone hatten. Darüber wurden dann Dutzende von Radio-Interviews gegeben.
Anfang der 90-er Jahre schließlich haben wir einen VW-Bus als mobiles Büro umgebaut und mit einem Generator ausgestattet. Dort gab es Kopierer, Faxgerät und eine Batterie von C-Netz-Autotelefonen. Ein ganzer Antennenwald zierte entsprechend das Dach. So konnten wir auch von entlegenen Aktionsorten die Medien mit Interviews, Faxen und Bildern versorgen.