Fasziniert, von Anfang an

Greenpeace lebt von der Energie seiner Förderer und Ehrenamtlichen. Wir stellen zwei vor, die seit der ersten Stunde dabei sind.

Kurt Berger, 75 Jahre, Wiesbaden

Kurt Berger: Förderer der ersten StundeWer sich in den frühen 80er Jahren als Umweltschützer zu erkennen gab, galt schnell als grüner Spinner. Nicht anders erging es dem Architekten Kurt Berger. Angesichts von Waldsterben, Luftverschmutzung und der Aufrüstung mit Pershing-Raketen wurde ihm klar, wie unverantwortlich die Menschen mit der Welt umgehen. Kurt Berger wollte nicht mehr tatenlos zusehen.

So wurde er aktives Mitglied beim BUND und Greenpeace-Förderer. Zum Schlauchbootfahren und Schornsteinklettern war ich damals schon zu alt, erklärt der Wiesbadener, der gerade seinen 75. Geburtstag feierte. Dafür unterstützt er von Anfang an die Arbeit von Greenpeace, zum Teil mit beträchtlichen Summen. Besonders freut es ihn, wenn Greenpeace Konzerne zum Einlenken bringt – etwa Coca-Cola, das vor kurzem klimafreundliche, FKW-freie Getränkekühler einführte, oder auch Großverlage, die ihre Buchproduktion nach und nach auf urwaldfreies FSC- und Recyclingpapier umstellen.

Ähnliche Kämpfe hat er früher oft selbst ausgetragen: Etwa wenn er versuchte, seine Kunden vom umweltfreundlichen Bauen zu überzeugen – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Trotz der Fülle der Themen, bei denen Greenpeace aktiv ist, kommt ihm ein globaler Aspekt ein bisschen zu kurz: die weltweite Armut. Friedenssicherung ist nur möglich, wenn es uns gelingt, die unglaublichen Wohlstandsunterschiede auszugleichen, sagt der Förderer der ersten Stunde.

Andreas Lohkemper, 44 Jahre, Gruppe Bielefeld

Andreas Lohkemper: Mehr als die Hälfte seines Lebens ehrenamtlich für Greenpeace tätigSchon die Hälfte seines Lebens ist Andreas Lohkemper mit Herz und Seele Greenpeacer – und will es auch bleiben. Eine Kleinanzeige im Bielefelder Stadtblatt hatte den Studenten zu einer Handvoll Umweltschützer gelotst, die gerade eine ehrenamtliche Greenpeace-Kontaktgruppe gründeten, wie es damals noch hieß. Das war vor fast 23 Jahren.

Die erste Protestaktion des angehenden Lehrers richtete sich gegen das Dreck und Kohlendioxid speiende Kohlekraftwerk Buschhaus bei Helmstedt; viele weitere Einsätze folgten. Zunehmend kümmerte sich Andreas auch um die Organisation der Gruppe. In den 80er Jahren war ich jeden zweiten Tag für Greenpeace unterwegs, lacht er, das geht heute beim besten Willen nicht mehr. Inzwischen ist er vierfacher Vater – drei seiner Sprösslinge liegen noch in den Windeln.

Hauptberuflich betreut der Mann aus Marl Umschüler. In seiner knappen Freizeit hält er Vorträge für Greenpeace, steht an Infoständen oder führt Neulinge ins Gruppenleben ein. Den Jungen zuzuhören, finde ich ganz wichtig, erzählt der 44-Jährige, der nichts mehr hasst als den Ausspruch: Das haben wir schon immer so gemacht. Diese Haltung zieht sich auch durch sein Leben: Mal unterrichtete er an einer Berufsschule, dann arbeitete er für das Jugendamt und in der Kreisverwaltung – und für eine Weile auch im Hamburger Greenpeace-Büro. Löki koordinierte die Gruppenarbeit, kämpfte für ein Mitspracherecht der Ehrenamtlichen und machte zusammen mit dem Chemie-Campaigner das Rapid Response-Mobil einsatzbereit.

Noch heute trauert er diesem Traumjob ein bisschen nach. Doch der Wunsch, auf dem Land zu leben, war letztlich stärker. Mit seiner Frau Verena Fischer, die er bei einer Aktion gegen Atommülltransporte kennen gelernt hatte, zog Löki nach Melle – einen Ort in der Nähe von Bielefeld, wo Greenpeace Deutschland vor 25 Jahren gegründet wurde.


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