
Noch gibt es auf der Erde 13,5 Millionen Quadratkilometer Urwald, der bisher von gravierenden industriellen Eingriffen verschont geblieben ist. Dies entspricht einer Fläche größer als China oder fast zwei Mal Australien. Aber tatsächlich sind dies nur sieben Prozent der weltweiten Erdoberfläche und nur ein Fünftel der ursprünglichen Urwaldfläche. Und immer noch wird alle zwei Sekunden ein Urwaldgebiet von der Größe eines Fußballfeldes vernichtet.
Jeden Tag werden neue Urwaldflächen angegriffen. Verantwortlich hierfür sind vor allem die Industrienationen: USA, Japan und die EG mit Deutschland an der Spitze. In diesen Ländern werden immense Holz-, Papier- und Zellstoffmengen verbraucht, und hier haben sich Konzerne etabliert, die aus den letzten Reichtümern der Natur ihren Profit schlagen. Verschuldung, Korruption und ungerechte Landverteilung in den Entwicklungsländern tragen zur Urwaldzerstörung bei, lenken jedoch häufig von der hauptverantwortlichen Holzindustrie ab.
Für die tropischen Regenwälder ist der industrielle Holzeinschlag die größte Bedrohung. Staatliche Kontrollen gibt es kaum, kriminelle Praktiken sind vielmehr die Regel. Die Baumriesen werden in die USA, nach Japan oder Europa abtransportiert und landen in Möbelstücken, Sperrholzplatten oder Betonverschalungen.
Ebenso fallen riesige Waldflächen der Ölförderung, dem Staudamm- und Bergbau sowie Brandrodungen zum Opfer. So plant die brasilianische Regierung mit dem sogenannten Entwicklungsprogramm Avanca Brasil einen Infrastrukturausbau, der einer wissenschaftlichen Studie nach bereits in zwanzig Jahren 42 Prozent des brasilianischen Amazonasgebietes die komplette Entwaldung zur Folge hätte.
In Ecuador fördern multinationale Mineralölkonzerne seit Jahrzehnten Öl, ohne sich um Umweltauflagen zu kümmern. Giftige Chemikalien-Schlämme und Öl verseuchen den Urwald nicht nur an den Bohrlöchern. Die einheimische Bevölkerung hat bei der Vergabe von derartigen Konzessionen zur Ölförderung oder zum Holzeinschlag kaum Mitspracherecht, obwohl sie die dramatischen Folgen als erste spürt. Ihre Proteste bleiben meist wirkungslos.
Mit dem Abholzen der Urwälder, von und mit denen die Ureinwohner über Jahrhunderte im Einklang gelebt haben, schwinden ihre Lebensgrundlagen jedoch täglich.
Im Norden machen Kahlschläge mit den Naturparadiesen kurzen Prozess. Am stärksten betroffen sind die Wälder der USA, Kanadas, Skandinaviens und Sibiriens. Ein Großteil des dort geschlagenen Holzes wird zu Zellstoff verkocht und endet als Papier. Von großen Papierfirmen wird es an Zeitschriftenverlage, Versandhäuser, die Werbebranche oder die chemische Industrie weiterverkauft. Die Konzerne befriedigen damit die immer noch steigende Gier nach Papier auf dem westlichen Markt, während der Absatz von Altpapierprodukten stagniert.
Deutschland ist nach den USA und Japan der drittgrößte Holzverbraucher der Welt. In der Europäischen Union ist Holz das zweit wichtigste Importgut nach Rohöl.