
Urwälder sind wahre Schatzkammern, die den größten Artenreichtum der Erde beherbergen: Millionen Tier- und Pflanzenarten - rund zwei Drittel der terrestrischen Flora und Fauna - sind allein in den Regenwäldern zu Hause. In den Tropen sind 500 verschiedene Baumarten auf einem Hektar Wald keine Seltenheit.
Wälder spielen eine elementare Rolle für alles Leben auf der Erde:Sie regulieren das Klima, filtern Luft, reinigen Wasser und verhindern Erosion. Sie mildern Hitze, Frost, Trockenheit und Sturm.
Für rund 500 Millionen Ureinwohner sind Urwälder heute noch Heimat und Lebensraum.
Rund 80 Prozent der Urwälder sind bereits zerstört und alle zwei Sekunden wird ein weiteres Urwaldgebiet von der Größe eines Fußballfeldes vernichtet.
Für die tropischen Regenwälder ist der industrielle Holzeinschlag die größte Bedrohung. Baumriesen werden in die USA, nach Japan oder Europa abtransportiert und landen in Möbelstücken, Sperrholzplatten oder Betonverschalungen. Auch fallen riesige Waldflächen der Ölförderung, dem Staudamm- und Bergbau sowie Brandrodungen zum Opfer.
Im Norden machen Kahlschläge mit den Naturparadiesen kurzen Prozess.Ein Großteil des dort eingeschlagenen Holzes wird zu Zellstoff verkocht und endet dann als Papier. Die Konzerne befriedigen den immer noch steigenden Hunger nach Papier auf dem westlichen Markt, während der Absatz von Altpapierprodukten stagniert.
Seit 1992 kämpft Greenpeace in Deutschland für den Schutz der Urwälder und setzt sich für eine ökologische Waldbewirtschaftung nach den Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) und von Naturland ein.
Dabei hat die internationale Urwaldkampagne in den letzten Jahren große Erfolge erzielt:
Im April 2001 einigen sich Umweltorganisationen, die Regierung von British Columia und Holzkonzerne auf den Schutz des 11.000 Quadratkilometer großen Great Bear-Regenwaldes an der Westküste Kanadas. Jetzt wird ein ökologisches Schutz- und Nutzungskonzept für dieses Gebiet erstellt.
Während der Amazonas-Schiffstour im Jahr 2000 deckt Greenpeace illegale Abholzungen auf, für die darauf noch im selben Jahr ein Rückgang zu verzeichnen ist.
2000 kämpft Greenpeace auch mit Aktionen für den Schutz des hessischen Kellerwaldes, bis die Landesregierung verspricht, die dortige Abholzung ruhen zu lassen. Mit seinen 57,24 Quadratkilometer zählt er zu den letzten großen Buchenwaldgebieten Mitteleuropas.
1999 wird in Papua Neuguinea ein Moratorium für 70.000 Quadratkilometer des größten, noch intakten tropischen Urwalds im asiatisch-pazifischen Raum erkämpft.
Zwischen 1995 und 1998 werden auf maßgebliche Bemühungen von Greenpeace hin 110.000 Quadratkilometer Urwald in Russland von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.
Amazonas: Größtes tropisches Urwaldgebiet der Erde und Heimat des Jaguars
Der Amazonas ist mit einer Fläche so groß wie die Vereinigten Staaten das größte tropische Urwaldgebiet der Welt. Rund die Hälfte aller auf dem Land lebenden Tier- und Pflanzenarten der Erde, so schätzen Wissenschaftler, leben hier. Noch sind in Amazonien zwei Drittel der Regenwaldgebiete intakt.
Der Amazonas ist auch das letzte große Rückzugsgebiet des Jaguars, der in den Urwäldern Süd- und Mittelamerikas lebt. Die gefährdete Raubkatze, die Reviere einer Größe von bis zu 40 Quadratkilometern benötigt, wird in der Liste der bedrohten Tiere des Washingtoner Artenschutzabkommens aufgeführt. Die unwiederbringliche Zerstörung der Wälder ist die massivste Bedrohung des Jaguars.
Industrielle Holzkonzerne setzen dem Amazonas am meisten zu. Greenpeace fordert von der Bundesregierung, die Einfuhr von Produkten, für die Urwald zerstört wurde, zu unterbinden und den Handel mit Produkten aus FSC-zertifiziertem Holz zu fördern.
Der zentral-afrikanische Regenwald erstreckt sich von Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik über Kongo und Äquatorialguinea nach Gabun und ist nach dem Amazonas das zweitgrößte tropische Urwaldgebiet der Welt. Eine unermessliche Artenvielfalt ist hier beheimatet. Allein in den Wäldern der Demokratischen Republik Kongo leben rund 1000 Vogel- und 400 Säugetierarten.
Auch der Waldelefant ist im Dschungel Zentralafrikas zu Hause. Sein Revier kann ein Gebiet von 3.000 Quadratkilometer umspannen.
Früher brachte den Waldelefanten hauptsächlich die Jagd nach Elfenbein an den Rand der Ausrottung. Heute kommt noch die Zerstörung seines Lebensraums hinzu. Die typischen und notwendigen ausgedehnten Wanderungen auf der Suche nach Futter sind wegen der großflächigen Urwaldverluste unmöglich geworden.
In den letzten 30 Jahren hat Afrika zwei Drittel seiner Urwälder verloren. Für die Vernichtung riesiger Urwaldflächen ist auch hier die industrielle Holzindustrie verantwortlich.
Auch in Nordamerika gibt es Urwälder: boreale Wälder in den kalten Regionen von Neufundland bis Alaska und gemäßigte Regenwälder an den Küsten Alaskas, Kanadas und den USA. Die Wälder speichern Kohlenstoff und spielen eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung des Klimas. Die Bäume hier zählen zu den größten und ältesten der Welt.
Kanada beherbergt die letzten größeren Flächen gemäßigten Regenwaldes der Erde mit einer unermesslichen biologischen Vielfalt. Nordamerika ist auch die Heimat des Wolfes, früher eines der am weitesten verbreiteten Säugetiere der Erde. Heute wird der Bestand in Nordamerika nur noch auf rund 63.000 Tiere geschätzt. Es fehlen Waldkorridore als Wanderrouten und große, zusammenhängende Urwaldgebiete als Rückzugsraum.
94 Prozent aller Urwälder der Vereinigten Staaten sind unwiederbringlich verloren. Die Regenwälder des Nordens gehören zu den bedrohtesten Waldtypen der Erde.
Nachdem Greenpeace jahrelang für den Schutz des Great Bear-Regenwaldes an der Westküste Kanadas gekämpft hat, wurde dieses Urwaldgebiet im April 2001 unter vorläufigen Schutz gestellt. Trotzdem sind die gemäßigten Regenwälder nicht außer Gefahr: Die Bedrohung durch die Holzindustrie geht nach wie vor weiter.
Die temperierten Regenwälder von Südamerika sind die letzten zusammenhängenden ihrer Art. Sie gedeihen im Süden Chiles und im Norden Argentiniens. Viele Tier- und Pflanzenarten kommen ausschließlich hier vor. Dies gilt zum Beispiel für den Huemul, ein seltenes, rehgroßes Tier aus der Gattung der Südandenhirsche.
Der Huemul, das Wappentier Chiles, war früher in Südamerika von den flachen Küstenregionen Chiles und Patagoniens bis in die Anden verbreitet. Mit der Zerstörung eines Großteils der Regenwälder verschwand dieser Hirsch fast überall. Heute lebt er nur noch in einem Bruchteil seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes in Höhen zwischen 3300 und 5000 Metern. Ein Gesetz in Chile verbietet die Jagd auf das seltene Tier. Seine Rettung ist jedoch nur möglich, wenn sein Lebensraum, der letzte noch intakte Regenwald in Chile, erhalten bleibt.
In den 90er Jahren hat Chile kaum etwas unternommen, um die Urwälderzu schützen. Im Gegenteil: Die Produktion von industriellem Rundholz ist von1996 bis 1998 um 83 Prozent im Vergleich zum vorigen Jahrzehnt angestiegen.
Die mitteleuropäischen Urwälder sind bis auf kleine Flächen in Ost-und Südost-Europa zerstört. Wo heute Nadelbäume Holz wie am Fließband liefern, bedeckten einst Laubwälder fast ganz Mittel- und Westeuropa. Die so genannten borealen Wälder finden sich nur noch in Skandinavien und in Russland, dem waldreichsten Land der Erde.
Urwälder sind der wichtigste Lebensraum des Braunbären, der früher in allen waldreichen Gebieten Europas von Skandinavien bis zum Mittelmeer heimisch war. Die Zerstörung und Zerstückelung seines Lebensraums wird zu einer immer größeren Gefahr für die stärksten Tiere Europas: Mittlerweile gibt es nur noch rund 6.000 Braunbären in einigen Gebieten des nördlichen Skandinaviens, in Ost- und Südost-Europa sowie im europäischen Teil Russlands. Hier fallen jedes Jahr mindestens 150 Quadratkilometer Urwald den Kettensägen zum Opfer. Verschwindet diese letzte europäische Wildnis, verschwinden auch die letzten europäischen Braunbären.
Selbst bei Temperaturen von minus 50 Grad Celsius gedeihen in Russland die borealen Nadelwälder. Und trotz der extremen Bedingungen kommen hier unzählige Pilz-, Farn-, Flechten- und Moosarten vor. Durch die große Ausdehnung der Wälder finden hier selbst große Säugetiere ausreichend Nahrung: Elch, Braunbär, Luchs und am südöstlichen Rand der Taiga sogar der Sibirische Tiger, die größte noch existierende Tigerart.
Ursprünglich streifte dieser Tiger durch riesige Gebiete Asiens. Heute lebt er nur noch in einem kleinen Urwaldgebiet nördlich von Wladiwostock entlang des Japanischen Meeres. In den Zoos der Welt gibt es mittlerweile doppelt so viele Tiere wie in freier Wildbahn, wo nur noch 400 der Sibirischen Tiger anzutreffen sind.
Holzeinschlag und andere Aktivitäten wie Bergbau sind die größte Bedrohung der borealen Urwälder Russlands. Einige multinationale Konzerne haben langfristige Einschlagsrechte ausgehandelt: Auf ihrer Abholzliste stehen die letzten Urwälder Russlands.
Die immergrünen Regenwälder Südostasiens, vor allem in Indonesien und Papua-Neuguinea gehören zu den ältesten der Welt. Allein im Paradieswald von Papua Neuguinea gibt es 500 Arten von Säugetieren, mehr als 1600 Vogelarten sowie 30.000 höher entwickelte Pflanzenarten.
Der indonesische Urwald ist auch die Zuflucht der letzten Orang-Utans, jenen Menschenaffen, deren Geschichte auf der Erde schon 15 Millionen Jahre alt ist. Orang-Utans (der Name bedeutet Waldmensch) werden bis zu eineinhalb Metern groß, 100 Kilogramm schwer und sind völlig an ein Leben in Bäumen angepasst. Sie verlassen die Welt der Äste und Blätter nur selten und ernähren sich vorwiegend von Früchten.
Die Heimat der Orang-Utans schrumpft um sie herum immer weiter. Papua-Neuguinea und Indonesien haben rund 70 Prozent ihrer Urwälder verloren. Nicht nur japanische Holzkonzerne vernichten den südostasiatischen Regenwald, auch europäische und nordamerikanische Länder gehören immer noch zu den Abnehmern von tropischem Urwaldholz. Geht das Abholzen seines Lebensraumes unvermindert weiter, wird der Orang-Utan, der bedrohteste aller Menschenaffen, in freier Wildbahn bald ausgestorben sein.
Greenpeace fordert von den Regierungen (die Umsetzung der 3 Ms)