
Im Jahr 2000 startete Greenpeace eine Kampagne zur Rettung der letzten Urwälder Finnlands, die bis dato nur zur Hälfte geschützt waren. Die Urwälder Finnlands sind so genannte boreale Wälder der kalt-gemäßigten Zone der Nordhalbkugel mit Kiefern, Fichten und Birken und gehören zu den letzten Urwaldresten Nordeuropas. Wildtiere wie Braunbären, Vielfraße und Wölfe, aber auch viele nordische Pflanzen- und Pilzarten sind auf intakte Urwälder angewiesen. Außerdem dienen die nördlich gelegenen Urwälder des Landes den traditionellen Rentierzüchtern und Urweinwohnern Nordfinnlands, den Samen oder auch Sámi, im langen Winter als Weideflächen für ihre Rentiere. Wenn das Land tief verschneit ist, ernähren sich die Tiere von Flechten, die von Bäumen herabhängen und nur in Urwäldern mit altem Baumbestand reichlich vorkommen. Darüber hinaus sind die finnischen Urwälder – wie alle der Erde – wichtig für den Klimaschutz. Sie speichern große Mengen Kohlenstoff in den Pflanzen und im humusreichen Boden.

Finnland ist zu drei Vierteln mit Wald bedeckt, mit rund 220.000 Quadratkilometern (22 Millionen Hektar) ist es das waldreichste Land der Europäischen Union. Doch nur etwa 10.000 Quadratkilometer (eine Million Hektar) sind noch in unberührtem Zustand – in den vergangenen rund 60 Jahren wurde der Großteil der finnischen Urwälder abgeholzt und in Wirtschaftswald umgewandelt. In Forsten werden gleichaltrige Bäume nur 80 bis 120 Jahre alt und die Artenvielfalt ist geringer, auch weil weniger morsches Totholz im Wald verbleibt, wo sich Pilze, Käfer und Vögel ansiedeln könnten.
Etwa ein Drittel der finnischen Wälder sind Staatseigentum. Das staatliche finnische Forstamt Metsähallitus bewirtschaftet sie, auch die Urwälder. Mitverantwortlich und Motor für den Urwaldschwund waren die großen Papierhersteller Finnlands, die Holz beim staatlichen Forstamt kaufen: Stora Enso, M-Real und UPM Kymmene. Deutsche Zeitungs- und Zeitschriftenverlage wiederum sind Finnlands wichtigste Papierkunden und tragen damit ebenfalls eine besondere Verantwortung. Rund 20 Prozent des Papiers und ein Drittel der Zellstoffexporte Finnlands sind für den deutschen Markt bestimmt. Kiefern und Fichten enden als Zeitschrift, Verpackungskarton, Kopierpapier oder Briefumschlag in jedem deutschen Haushalt.

Seit dem Jahr 2000 protestierten Greenpeace-Aktivisten mit vielfältigen Mitteln und Taktiken gegen dieses Umweltverbrechen und richteten ihre Forderungen an die wichtigsten Verantwortlichen, darunter die finnischen Papier- und Zellstoffhersteller, die finnische Regierung und große Papierabnehmer in Deutschland.
Im Herbst 2009 verhandelten dann das finnische Forstamt Metsähallitus, die Holzindustrie, die Gemeinde Lappland sowie das Umweltzentrum Lapplands, das Parlament der Sámi mit einigen Rentierzüchtern und Greenpeace über den Schutz der Urwälder Lapplands und konnten sich darauf einigen, welche Waldflächen zukünftig noch bewirtschaftet werden und welche nicht. Greenpeace hatte zusammen mit dem finnischen Naturschutzbund (Fanc) und Sámi-Rentierkooperativen die letzten acht großen Urwälder kartiert und damit eine Grundlage für die Verhandlungen gelegt.
Der Vertrag besagt: Insgesamt 96.700 Hektar Urwald (eine Fläche viermal so groß wie der Nationalpark Bayerischer Wald) sind für immer geschützt, 9.300 Hektar sollen unter Berücksichtigung besonderer Kriterien nachhaltig bewirtschaftet werden.
Im Dezember 2010 konnte ein weiterer Erfolg verbucht werden: In Inari wurde ein 150.000 Hektar großes Schutzgebiet eingerichtet – erst einmal für 20 Jahre ist es vor den Kettensägen der Holz- und Papierindustrie sicher. Das finnische Forstamt und Vertreter der Sámi unterzeichneten einen entsprechenden Vertrag in Helsinki. Dieser sichert den seit 2005 bestehenden Stopp der Waldzerstörung in Inari nun rechtlich ab.
(Autorin: Nicoline Haas)