
Diese Aufgabe muss die kommende UN-Konferenz zum Schutz vonUrwäldern und Meeren in Kuala Lumpur, Malaysia, bewältigen. Dort müssensich alle Regierungen zu einer sofortigen verbindlichen Umsetzungverpflichten - und die reichen Länder müssen Geld auf den Tisch legen.
Auf dem UN-Gipfel zu Umwelt und Entwicklung 1992 im brasilianischenRio de Janeiro trafen sich erstmals die Regierungen der Erde, umLösungen für die globalen Umweltkrisen zu suchen. Die Klimaveränderungund der dramatische Verlust an Urwäldern auf der Erde wurden alsbesonders bedrohlich erkannt. Abschließend wurde unter anderem dieKonvention über Biologische Vielfalt (Convention on BiologicalDiversity, CBD) unterzeichnet, dieseit 1994 in Kraft ist. Mit der CBDsteht nach Rio ein völkerrechtlich verbindliches Übereinkommen zurVerfügung. 188 Staaten und die Europäische Gemeinschaft sindVertragsparteien der CBD.
Die Urwälder der Erde sind Lebensraum von zwei Dritteln der Landlebenden Pflanzen und Tiere. Sie bieten traditionell lebenden Völkerneine Heimat und sind deren kulturelle Wurzeln. Die meisten Urwälderwerden durch industriellen Holzeinschlag und die Umwandlung inlandwirtschaftliche Flächen zerstört. Gegenwärtig sind nur zwölfProzent aller Land-Ökosysteme, einschließlich der Urwälder, zum Schutzausgewiesen.
Ozeane bedecken 70 Prozent der Erdoberfläche und beherbergen diegrößte Artenvielfalt unseres Planeten. Doch die Zeichen der Zerstörungsind allgegenwärtig: ölverschmutzte Strände, abgestorbeneKorallenriffe, leer gefischte Gebiete. Wasser, Meeresboden undOrganismen sind mit Giftstoffen belastet. Weltweit sind bisher wenigerals 0,5 Prozent der Meere als Schutzgebiet ausgewiesen. Damit sich dieTier- und Pflanzenwelt der Meere weltweit erholen kann, sind Netzwerkevon Schutzgebieten notwendig.
Nur durch ein weltweites Netzwerk von Schutzgebieten kann dasArtensterben aufgehalten werden. Dieses Netzwerk sollte nicht aus einemFlickenteppich bestehen, sondern große zusammenhängende undländerübergreifende Gebiete enthalten. Die insgesamt geschützte Flächemuss erheblich gesteigert werden. Bereits bestehende Schutzgebietemüssen durch länderübergreifende Korridore miteinander verknüpft werden.
Ein Beispiel: In den drei benachbarten afrikanischen Ländern Gabun,Kamerun und Kongo gibt es bereits geschützte Urwaldregionen. Für denArtenschutz wäre eine Verknüpfung der Schutzgebiete sinnvoll, da sichTiere und Pflanzen über Grenzen hinweg bewegen und ausbreiten.
Nach den Vorstellungen von Greenpeace sollte jedes Schutzgebiet inmehrere Zonen eingeteilt werden. In den schützenswertesten Teilen desUrwaldes soll zum Beispiel gar nicht mehr eingeschlagen werden dürfen.Ölbohrungen, Goldsuche und Straßenbau sollen verboten sein. Um diestrikten Schutzzonen herum muss der Wald nach ökologisch und sozialnachhaltigen Kriterien bewirtschaftet werden. Einzigartiges Beispieldafür: das weltweit anerkannte Waldzertifizierungssystem des ForestStewardship Council (FSC). Das FSC-Siegel garantiert dem Käufer, dassbei der Holzgewinnung keine Urwälder zerstört wurden. In sozertifizierten Wäldern ist Kahlschlag verboten, Bäume werden nureinzeln entnommen. Abgestorbene Bäume bleiben als Totholz imWald und sind dort wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen.Chemieeinsatz und Düngung mit dem Ziel, den Holzertrag zu steigern,sind verboten.
Auch in den Meeren sollten Schutzgebiete in Kern- und Pufferzoneneingeteilt werden. 30 bis 40 Prozent der Meeresökosysteme solltenstrikt geschützt werden. Industrielle und zerstörerische Aktivitätenwie Fischerei, Öl- und Gasförderung, Sand- und Kiesabbau sind insolchen Kernzonen nicht erlaubt. In den Pufferzonen soll einemenschliche Nutzung in begrenztem Maße erlaubt sein, zum Beispiel dienicht industrielle Fischerei, Ökotourismus oder die Einrichtung vonWindparks.
Bei der Wahl der Meeresschutz-Gebiete kommt bereits sehr zerstörtenRegionen wie der Nord- oder Ostsee eine besondere Rolle zu, dieTier-und Pflanzenwelt dort braucht dringend Schutz. Aber auch die HoheSee – Hunderte von Meilen vom Festland entfernt – beherbergt eineeinzigartige, oftmals noch unberührte Artenvielfalt, die geschütztwerden muss.
Das Netzwerk von Schutzgebieten für Urwälder und Meere kann nur dann als effektiv bezeichnet werden, wenn dort tatsächlich keine Tier- und Pflanzenarten mehr durch menschliche Einwirkung aussterben.
Die derzeit zum Schutz ausgewiesenen Gebiete existieren zum Teil nurauf dem Papier. Obwohl es verboten ist, wird in vielen Schutzgebietengewildert oder gerodet. Viele werden so schlecht gemanagt, dass derLebensraum der dort heimischen Tiere und Pflanzen nicht geschützt wird.Oft fehlt das notwendige Geld, um ausreichende Kontrollen durchzuführen.
Mit Artikel 8 der CBD haben die Vertragsstaaten die Einrichtungeines Netzwerkes von Schutzgebieten ratifiziert. Bis heute ist dieseVerpflichtung nicht erfüllt worden.
Im April 2002 beschloss die CBD auf ihrer letzten Konferenz in Den Haag, das weltweite Artensterben bis 2010 deutlich zu verringern
.Diesem Ziel haben sich die Staats- und Regierungschefs auf demWeltgipfel für Nachhaltige Entwicklung (WSSD) in Johannesburg imSeptember 2002 angeschlossen.
Im November 2003 empfahl der wissenschaftliche Beirat der CBD(Subsidiary body of Scientific, Technical and Technological Advice,SBSTTA), unter Einbeziehung indigener Völker bis 2010 einSchutzgebiets-System einzurichten. Auf der CBD-Vertragsstaatenkonferenzim Februar in Malaysia muss es darum gehen, diese Empfehlungen inBeschlüsse umzusetzen und ihre Finanzierung zu sichern.
Dem Fünften Weltparkkongress im September 2003 zu Folge sindweltweit insgesamt etwa 33 Milliarden US-Dollar (etwa 26 MilliardenEuro)jährlich erforderlich, um die bestehenden Schutzgebiete zuerhalten und neue Schutzgebiete einzurichten. Investiert werden bisherjedes Jahr weltweit nur acht Milliarden US-Dollar (etwa sechsMilliarden Euro) für Schutzgebiete.
Die fehlenden 25 Milliarden US-Dollar (etwa 20 Milliarden Euro) proJahr müssen die Regierungen auf dem nächsten UN-Gipfel in Malaysia zumSchutz von Urwäldern und Meeren zur Verfügung stellen. Jede Nationsollte zu einem, seinen ökonomischen Möglichkeiten entsprechendenBeitrag angehalten werden. Die deutsche Bundesregierung sollte jährlicheine Milliarde Euro bereitstellen.
Greenpeace kämpft seit Jahrzehnten international für den Schutz derWälder. Über 30.000 Quadratkilometer Waldfläche konnten mit Hilfe vonGreenpeace bisher geschützt werden. Das ist eine Fläche so groß wieBelgien. Doch die Zerstörung der Wälder schreitet um ein Vielfachesschneller voran als ihr Schutz. Diesen Trend umzukehren, ist Aufgabeder CBD.
Insgesamt sind 31 720 Qudratkilometer unter Schutz gestellt.
Greenpeace ruft die Regierungen auf, gemäß Artikel 8 der CBD inKuala Lumpur ein Arbeitsprogramm für Schutzgebiete mit verpflichtendenZielen und Zeithorizonten zu beschließen. Dazu ist es notwendig,