Das Greenpeace-Gutachten Rotbuchenwälder im Verbund schützen zeigt, dass die Bayerischen Staatswälder eine herausragende Rolle für den Schutz alter Buchenwälder im Verbund mit anderen Bundesländern spielen. Gerade dem bayerischen Spessart wird eine wichtige Bedeutung beigemessen.
Mögliche Handlungsräume im nationalen Buchenwald-Verbundsystem zeigt diese Karte auf.
Im Jahr 2005 wurde die Bewirtschaftung des Spessarts in die Hände der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) gelegt. Anstatt ihrer besonderen Verantwortung für den Erhalt und Schutz dieser Wälder nachzukommen, treibt der BaySF-Vorstand jedoch die schleichende Vernichtung der alten Buchenwaldbestände in Deutschland voran.
In der Studie Zerstörung alter Buchenwälder in Bayern. Der Fall Spessart: Wie ein einzigartiger Bürgerwald verschwindet hat Greenpeace sieben Fälle im Spessart dokumentiert, bei denen unter anderem uralte Buchen und geschützte Biotopbäume gefällt, alte Buchenbestände entgegen dem europäischen Schutzziel sowie entgegen dem BaySF-eigenen Naturschutzkonzept mit nicht-heimischen Baumarten wie der Douglasie (Lesen Sie dazu auch unsere naturschutzfachliche Bewertung der Pflanzung und Einbringung von nichtheimischen Nadelbäumen am Beispiel der Douglasie) unterpflanzt und die alten Buchenwälder mit Forststraßen und einem engmaschigen Rückegassen-System – selbst in Naturwaldreservaten – zerschnitten wurden. Zudem halten Ministerpräsident Seehofer und BaySF Vorstand Freidhager vor der Öffentlichkeit wichtige Daten über die genaue Lage aller alten Buchenwälder sowie seine Planungen für diese Wälder zurück. Greenpeace hat diese Daten 2011 nach dem Umweltinformationsgesetz angefragt, aber bis heute nicht erhalten und daher im April 2012 Klage gegen die BaySF eingereicht.
Greenpeace startete selbst Kartierungen in den Spessartwäldern. Bei zwei Waldcamps im Spessart haben die Umweltschützer mit GPS-Geräten alte Buchen und Eichen erfasst und aus den Daten der ersten Kartierung 17 Karten und Grafiken erstellt. Sie dokumentieren die Besonderheit des Gebiets und decken auf, wie sehr die industrielle Forstwirtschaft diese Wälder bedroht.
Darüber hinaus sind die Ergebnisse der Kartierungen in zwei Abschlussberichten veröffentlicht worden. Der Abschlussbericht der ersten Kartierung im BaySF Forstbetrieb Rothenbuch im Winter 2011/12 Potenzial und Gefährdung der Urwälder von morgen. Der Bayerische Spessart und der Abschlussbericht der zweiten Kartierungsphase in den BaySF-Forstbetrieben Heigenbrücken und Rothenbuch Die Industrialisierung alter Buchenwälder im Auftrag des BaySF-Vorstandsvorsitzenden geht weiter. Die Untätigkeit von Ministerpräsident Seehofer bedroht potenzielle Urwälder in Bayern zeigen den hohen ökologischen Wert des Spessarts und die Bedrohung der wertvollen Wälder auf. Auch alle von Greenpeace erhobenen Geodaten zum Spessart sind öffentlich zugänglich.
Gegen den Verstoß der Natura 2000-Richtlinie in deutschen Wäldern reichte Greenpeace Beschwerde bei der Europäischen Union ein. Alte Buchenwälder werden beispielsweise kahlgeschlagen und mit jungen Eichen bepflanzt. So entstehen Eichen-Monokulturen, die aber offiziell noch als Buchenwälder geführt werden. Damit wird versucht, die gängige Kahlschlagpraxis von Buchenwäldern im Bayerischen Spessart zu verbergen. Den kompletten Report hat Greenpeace im April 2013 der EU-Kommission vorgelegt.
Das Gutachten Eignung von öffentlichen Wäldern in Niedersachsen als Bausteine für den bundesweiten Schutz alter Buchenwälder. 10 Prozent natürliche Waldentwicklung für Biodiversität, Klima und Menschen macht Vorschläge für die Ausweisung neuer Großschutzgebiete. So soll das Defizit, das Niedersachsen beim Waldschutz aufweist, behoben werden.
Im November 2012 haben über 30 Greenpeace-Aktivisten die Wälder im niedersächsischen Solling sowie im Göttinger Stadtwald kartiert. Der Abschlussbericht der Kartierung im niedersächsischen Solling Ein neues Wildnisgebiet im Bürgerwald Niedersachsens. Ökologische Waldnutzung muss zur prioritären Aufgabe der Landesforsten werden zeigt, dass ein Großteil der Buchenwaldgebiete im Solling durch intensive forstliche Nutzung ökologisch entwertet wurde. Kleine Inseln naturnaher Wälder mit hohem Holzvorrat lassen jedoch auf ein hohes Potenzial der Wälder im Solling für Natur- und Klimaschutz schließen. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, ist jedoch eine Neuausrichtung für Waldschutz und Waldbewirtschaftung notwendig.
Der Stadtwald Göttingen hat vor knapp 20 Jahren mit dem Schutz von zehn Prozent der Waldfläche als Lern- und Erholungsorte und konsequent ökologischer Waldnutzung auf dem Großteil der Fläche einen anderen Weg eingeschlagen. Der Bericht Der Stadtwald Göttingen: Ein Modell mit Zukunft zeigt, dass dieses Konzept als Vorzeigemodell für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung gelten kann, wie sie jetzt nach dem Regierungswechsel in Niedersachsen umgesetzt werden sollte.
In Rheinland-Pfalz plant die Landesregierung die Ausweisung eines großen Waldschutzgebiets. Das Gutachten Zur Frage der Nationalpark-Eignung von Waldflächen in Rheinland-Pfalz. Bausteine für ein nationales Buchenwald-Verbundsystem kommt zu dem Ergebnis, dass die Region Pfälzer Wald die besten Flächenpotenziale hinsichtlich Mindestgröße und Unzerschnittenheit bietet. Nachdem der Pfälzerwald jedoch aus verschiedenen Gründen aus dem Nationalpark-Findungsprozess ausgeschieden ist, konzentriert sich die Diskussion derzeit auf die Gebiete Hochwald und Soonwald. Unsere Sonderbewertung Hochwald und Soonwald nimmt diese Gebiete im direkten Vergleich nochmals näher unter die Lupe und arbeitet deren qualitative Unterschiede in Bezug auf Nationalpark-Eignung heraus.
Das Gutachten Eignung von öffentlichen Wäldern in Hessen für ein Verbundsystem nutzungsfreier Buchenwälder empfiehlt, möglichst große, zusammenhängende Laubwaldgebiete als Schutzgebiete auszuweisen. Diese sind aufgrund ihrer Unzerschnittenheit und naturnahen Ausstattung besonders wertvoll für den Naturschutz und wichtig für den Erhalt der natürlichen Artenvielfalt. Die im Gutachten vorgeschlagenen 21 Gebiete befinden sich vorwiegend im Besitz des Landes Hessen.
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