
Seit Urzeitgedenken hängen meine Leute vom Wald ab. Dort befinden sich unsere heiligen Stätten, dort waren schon unsere Vorfahren zu Hause. Der Wald versorgt uns mit allem, was wir brauchen - mit Nahrung, Medizin, Trinkwasser, Baumaterial für unsere Häuser - einfach mit allem.
Ich bin in einem ganz gewöhnlichen Dorf in Papua-Neuguinea aufgewachsen, als Angehöriger des Gingilang-Klans, der zum Borong-Stamm gehört. Jeden Tag gingen die Männer zum Jagen in den Wald und zum Fischen an den Fluss. Die Frauen ernteten das Gemüse im Garten, sammelten Früchte und Nüsse im Wald.
Ich erinnere mich, wie viel Spaß wir als Kinder hatten, wenn wir Fallen für Vögel und Bandikut-Ratten aufstellten. So lernten wir das Jagen. Wir betraten einen Wald, der so dicht war, dass nur dünne Sonnenstrahlen durch den Baldachin aus Zweigen und Blättern drangen. Wenn ich aufblickte, konnte ich den Himmel nicht sehen. Im Busch wimmelte es von Tieren und Vögeln.
All das ändert sich. Ich bin erst 26, aber in diesem kurzen Leben habe ich gesehen, wie unsere Wälder von fremden Unternehmen zerstört wurden. Sie respektieren weder uns noch unsere Kultur oder unsere heiligen Stätten.
Sie fahren mit ihren Maschinen durch unsere Gärten. Sie lenken ihre Lastwagen und Bulldozer durch unsere Flüsse und verseuchen sie mit Öl und Dreck. Merken sie nicht, dass Menschen flussabwärts aus diesen Flüssen trinken? Ich denke, sie wissen es, aber es kümmert sie nicht.
Die Holzfäller nehmen jeden Baum, den sie wollen - aus diesem Wald, der das Zuhause meiner Leute ist. Und zerstören dabei noch wesentlich mehr. Als Erstes bauten sie Straßen durch den Wald und ließen nackte Erde zurück. Regnete es, so wurde der Boden in die Flüsse gespült.
Wenn ich jetzt in mein Dorf zurückkehre, sehe ich die Schäden: Wo früher Bäume standen, sehe ich kahle oder grasbewachsene Flächen. Mein Onkel sagt, dass die Jagd nicht mehr so gut sei. Die Tiere sind weggezogen.
Ohne den Wald haben wir nichts. Er ist unser Supermarkt, unsere Apotheke, unser Baumarkt. Unser Alles. Stellen Sie sich vor, jemand würde die Läden niederwalzen, die Ihren täglichen Bedarf decken. Alles was in den Regalen liegt, würde an jemanden auf der anderen Seite des Globus verkauft. Wie würden Sie sich fühlen?
Mein Onkel bekam einen Job bei einer Holzfirma. Er dachte, so könne er genug Geld verdienen, um seine Kinder zur Schule zu schicken. Das war ein Irrtum - sie bezahlten so wenig, dass er ihnen ihr Geld vor die Füße warf und eine angemessene Bezahlung verlangte.
Viele der Mädchen, die in den Camps arbeiten, wo sie für die malaysischen Holzfäller waschen und kochen, werden von den fremden Arbeitern schwanger. Und dann werden sie mit ihren Babys verlassen. Im Dorf bringt das Schande über diese Mädchen und ihre Familien. Ihre Leben sind ruiniert, bevor sie noch richtig angefangen haben.
Die Holzfirmen üben Druck auf unsere Leute aus. Einige erliegen der Versuchung, Geld zu verdienen, aber das Geld kommt nie zur Gemeinschaft zurück. Wenn ein Unternehmen in eine Region kommt, sind Erwartungen damit verbunden: eine bessere Infrastruktur wie Straßen, Brücken, Wasserleitungen, um unser Trinkwasser zu schützen. Aber wenn wirklich Straßen gebaut werden, dann nur sehr schlechte. Bei uns sollte die malaysische Firma die Wasserversorgung für 14 Dörfer sicherstellen. Das ist nie geschehen.
Ich bin nach Europa gekommen, um den Politikern und Bürgern eine Botschaft meiner Leute zu überbringen: Stoppt die Zerstörung meines Zuhauses. Viele europäische Firmen kaufen Produkte, die aus den Wäldern Papua-Neuguineas hergestellt wurden. Gestohlen von unseren Leuten, von unserem Land.
Ich habe die EU-Kommission besucht und Politiker in den Niederlanden, Frankreich, Schweden und Belgien. Ich verstehe nicht, warum sie den Import solcher Güter nicht stoppen. Warum ist es Euch egal? Warum kümmert es Euch nicht, dass wir so schlecht behandelt werden, dass unsere Wälder gestohlen werden, damit Ihr hier in Europa billige Holzprodukte wie zum Beispiel Sperrholz kaufen könnt? Diese Billigprodukte fließen nach Großbritannien, um eine Konsumgesellschaft zu mästen, die die Zerstörung meines Zuhauses, meiner Kultur und meiner Angehörigen anheizt.
Es ist so einfach für Euch zu sehen, ob Eure Holzprodukte aus nachhaltig und gerecht bewirtschafteten Wäldern mit dem FSC-Siegel stammen. Ich frage Euch ganz direkt, ich bitte Euch: Hört auf, Holz zu kaufen, das meinen Leuten gestohlen wurde.