Allein im Paradieswald von Papua-Neuguinea gibt es 500 Arten von Säugetieren, mehr als 1.600 Vogelarten sowie 30.000 höher entwickelte Pflanzenarten. Der indonesische Urwald ist auch die Zuflucht der letzten Orang-Utans, jene Menschenaffen, deren Geschichte auf der Erde schon 15 Millionen Jahre alt ist. Sie werden bis zu eineinhalb Metern groß und 100 Kilogramm schwer und sind an ein Leben in Bäumen angepasst. Sie verlassen die Welt der Äste und Blätter nur selten und ernähren sich vorwiegend von Früchten. Die Heimat der Menschenaffen schrumpft immer weiter.
Papua-Neuguinea und Indonesien haben rund 70 Prozent ihrer Urwälder verloren. Nicht nur japanische Holzkonzerne vernichten den südostasiatischen Regenwald, auch europäische und nordamerikanische Länder gehören immer noch zu den Abnehmern tropischen Urwaldholzes.
Zwischen dem asiatischen Festland und Australien erstrecken sich die Inselketten Indonesiens und Papua-Neuguineas. Von mangrovengesäumten Meeresbuchten über tropischen Dschungel bis zu den Rhododendronwäldern an den Hängen des über 4.000 Meter hohen Kinabalu im Norden Borneos reicht das Spektrum spektakulärer Urwälder mit seinen Tausenden bunt schillernden Schmetterlingen und Käfern, mehr als 500 Säugetier- und 1.600 verschiedenen Vogelarten.
Neben den riesigen Komodo-Echsen, den rothaarigen Orang-Utans und dem nur 60 Zentimeter hohen Sumatra-Nashorn beherbergen die Wälder Schmuckstücke wie die prächtigen Paradiesvögel: Deren Männchen tragen ein außergewöhnlich farbenfrohes Gefieder mit wimpelartigen Schmuckfedern an Kopf oder Schwanz, die mehrfach so lang werden können wie der Körper des Vogels.
Bekannt sind auch die Laubenvögel: Deren Männchen legen zur Balzzeit eine Art Ziergarten aus miteinander verflochtenen Zweigen, bunten Steinen, Beeren und Moospolstern an, in denen sie tanzen, um so die Weibchen zu betören. 2.000 Orchideenarten und die am Urwaldboden aus riesigen Knospen aufbrechenden weiß-rosa gefleckten Riesenblüten der Rafflesia, die bis zu einem Meter groß werden, begeistern Pflanzenliebhaber.
Die meisten dieser Arten lassen sich schon heute nur noch in abgelegenen oder geschützten Gebieten bestaunen. Abholzung und groß angelegte Umsiedlungsprogramme haben weite Teile des Regenwaldes komplett zerstört, und auch der verbliebene Rest wird stark besiedelt. Millionen Menschen, darunter Großstädter aus Java oder Bali, wurde der Umzug auf abgelegene Inseln mit Prämien und Landparzellen schmackhaft gemacht.
Viele dieser Siedler besitzen keine Kenntnisse darüber, wie die nährstoffarmen Regenwaldböden nachhaltig zu bewirtschaften sind, und so zerstören sie die Fruchtbarkeit der gerodeten Flächen innerhalb weniger Jahre. Waldbrände nehmen überhand. Sowohl Kleinbauern als auch Besitzer von Ölpalmen-Plantagen greifen zu dieser billigsten aller Rodungsmethoden. Laut indonesischen Behörden sind zwischen 1997 und 1998 fast 100.000 Quadratkilometer Wald abgebrannt.
Der Verkauf des besonders fettarmen Palmöl für die Margarineproduktion ist eine der letzten Devisenquellen der angeschlagenen Wirtschaft Indonesiens, weshalb die offiziell verbotenen Rodungen nicht streng geahndet werden. Viele Wälder sind bereits so ausgelichtet, dass ein Brand sie vollkommen zerstört.
In den letzten drei Jahrzehnten Herrschaft des Suharto-Clans wurde der Wald systematisch ausgeplündert: Spannungen zwischen den Neusiedlern und alteingesessenen Volksgruppen führen regelmäßig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Papua-Neuguinea schlug das Militär Proteste Einheimischer gegen die Zerstörung der Natur durch Straßenbau, Goldminen und Holzkonzerne nieder. Auch nach Ablösung der alten Machthaber Indonesiens lassen wirtschaftliche Probleme und Gewaltausbrüche Umweltthemen auf der Agenda der neuen Politiker nach ganz hinten rücken.
In Indonesien und Papua-Neuguinea sind bereits über zwei Drittel der Urwälder zerstört. Die Anzahl geschlagener Stämme lag in den Jahren 1996 bis 1998 im Vergleich zum vorigen Jahrzehnt um ein Viertel höher. Jährlich verliert Indonesien etwa 10.000 Quadratkilometer (das sind eine Million Hektar) Wald. Illegaler Raubbau und Korruption sind an der Tagesordnung; in Papua-Neuguinea hält sich nicht einmal die Regierung an die eigenen Gesetze, wenn mächtige Konzerne Interesse an unberührten Waldgebieten anmelden.
Indonesische Sägemühlen verarbeiten zu etwa 70 Prozent Holz aus illegaler Abholzung. Berater der Weltbank bescheinigen diesen Gebieten anarchistische Zustände in der Holzwirtschaft, an denen wertvollste Urwaldgebiete auf Borneo und umliegenden Inseln bis zum Jahre 2010 zugrunde gehen würden. Mitsamt ihren Regenwälder wären dann auch die letzten frei lebenden Exemplare des Sumatra-Nashorns, des Sumatra-Elefanten, des Orang-Utans und des indonesischen Königstigers für immer verloren.
Der Orang-Utan ist der sanfteste und bedächtigste unter den Menschenaffen und lebt nur noch in einigen Regenwaldflecken im Norden Sumatras und auf Borneo. Hier klettert er von Baumkrone zu Baumkrone und erntet Nüsse und Früchte, über deren Reifezustand und Vorkommen im Revier und er jederzeit im Bilde ist.
Orang heißt auf Malaiisch Mensch, Utan Wald, und wirklich ist der Waldmensch dem Menschen so ähnlich, dass er als Haustier aufgezogen wird und sogar tadellose Tischmanieren erlernt. Das Geschäft mit Orang-Utan-Babys blüht, obwohl die Händler die Mütter töten müssen, um an das festgeklammerte Jungtier zu kommen.
Umweltorganisationen versuchen, beschlagnahmte Hausaffen und solche, die ihre Mütter bei Bränden oder Holzeinschlag verloren haben, auf ein Leben im Urwald vorzubereiten. Orang-Utan-Auffangstationen sind inzwischen beliebte Touristenziele, die der Bevölkerung den Wert der Tiere vorführen und schon viele Besucher zum Urwaldschutz bekehrt haben. Bilder von Affenbabys, die in der Urwaldschule an Seilen klettern lernen, gingen um die Welt.
Doch trotz Schulung werden sich die meisten Orang-Utan-Waisen niemals allein im Urwald versorgen können, obwohl dort Verstärkung dringend nötig wäre: Im vergangenen Jahrzehnt schrumpfte der frei lebende Bestand um die Hälfte, nur noch etwa 20.000 Waldmenschen hangeln sich heute durch die letzten Regenwälder Indonesiens.