
Im Herzen der abgeschiedenen Gegend liegt der größte See Papua-Neuguineas, der 52 Quadratkilometer große Murraysee. Der See und die umliegenden Wälder von rund einer Million Hektar gehören neun verschiedenen Volksstämmen. Bis zum Beginn der Neunzigerjahre lebten diese Stämme ungestört ihr traditionelles, halb nomadenhaftes Leben. Sie betrieben Fischfang, jagten Schweine, Krokodile und Vögel.
Das Jahr 1995 markierte einen dramatischen Wendepunkt in der Geschichte dieser Gemeinschaften. Es begann mit der Ankunft einer Holzfirma, die vorgab, nur eine Straße bauen zu wollen. Wo eine Straße durch den Urwald führt, sind die schweren Maschinen der Holzfäller nicht mehr weit. Die Kiunga-Aiambak-Straße ebnete dem Raubbau am Wald den Weg.

2003 begannen die lokalen Gemeinden, sich gemeinsam mit Greenpeace und anderen Umweltorganisationen gegen die illegalen Machenschaften der Firma Concord Pacific, einer Tochterfirma des malaysischen Holzunternehmens Samling, zur Wehr zu setzen. Mit Erfolg - die Firma musste sich aus dem Gebiet zurückziehen. Zu dieser Zeit hatten die illegalen Einschläge, die durch den Bau der Straße ermöglicht wurden, bereits mehr als 100.000 Hektar Wald zerstört. Die indigenen Landbesitzer kämpfen seitdem vor Gericht um eine Entschädigung für diesen Verlust.

Seit zehn Jahren arbeiten Greenpeace und lokale Gemeinden in Ozeanien gemeinsam an Konzepten für eine ökologische Waldnutzung. Sie soll den Volksstämmen ein gutes Einkommen und eine sichere Zukunft bieten. Die Landbesitzer haben großes Interesse daran, alternative Verdienstmöglichkeiten für ihre Gemeinschaften zu finden. Sie wollen nicht dem schlechten Beispiel der großen Einschlagsfirmen folgen, die das Land erst zerstört und dann in Ölpalmen-Plantagen umgewandelt haben.
Greenpeace arbeitet ausschließlich auf Einladung und unter Teilnahme der indigenen Gemeinschaften vor Ort. Die Greenpeacer begleiten und unterstützen die Indigenen während des gesamten Prozesses. Gemeinsam werden Alternativen entwickelt und umgesetzt. Ein wichtiger Schritt in diesem Prozess ist die Identifizierung und Kartierung des Landes. Erst auf dieser Basis können später kleine Unternehmen, wie etwa Öko-Forstbetriebe, gegründet werden.

Die Anerkennung der Landrechte und die Kontrolle der indigenen Landbesitzer über ihre Gebiete sind ein elementarer Bestandteil der Verfassung Papua-Neuguineas. 97 Prozent des Staatsterritoriums gehören den indigenen Gemeinden. Auf dem Weg zu einer selbstbestimmten Bewirtschaftung ihres Landes sind die Indigenen gefordert, sich mit Managementmethoden und Bedarfsanalysen vertraut zu machen. Anhand ihres Stammbaums identifizieren sie, welches Gebiet ihnen gehört. Unter Teilnahme aller wird ein Landnutzungsplan erarbeitet, dann werden die Gebiete markiert.
Das ist die elementare Basis für Gemeinschaftslösungen. Sie erfüllt die internationalen Standards für die Anerkennung indigener Landrechte. Auf dieser Basis können sich ökologische und gemeinschaftliche Vorhaben wie Ökowaldbau, Ökotourismus oder der Verkauf von landestypischen Produkten entwickeln, die den Gemeinschaften ein gutes Einkommen über Generationen hinweg sichern können. Die entstehenden Öko-Unternehmen werden helfen, die letzten Reste der intakten Wälder vor den gierigen Motorsägen der großen Holzfirmen zu retten.

Die Landmarkierungen (Demarkation) der einzelnen Stämme rund um den Murraysee befinden sich in einer entscheidenden Phase, da sich immer mehr Gemeinschaften an dem Prozess beteiligen wollen. Die Urwaldschutzstation ist das Basislager für die Markierungsarbeiten in den Stammesgebieten der Kuni und Begwa. Das hat Modellcharakter und inspiriert sicher andere Landbesitzer, den Prozess auch für ihr Gebiet zu starten. Die Volksstämme am Murraysee haben Greenpeace eingeladen, mit ihnen gemeinsam ein Programm zur nachhaltigen Nutzung des Landes aufzustellen.
Die Demarkierung ist zum einen die Kenntlichmachung der Grenzen eines Stammesgebiets. Zum anderen ist sie aber auch ein sozialer Prozess einschließlich der Verhandlungen über die Lage der einzelnen Stammesgrenzen. Zum ersten Mal kommen die Stammesführer zusammen, um sich formell über die betreffenden Grenzen zu einigen.
Ein Landmarkierungsteam läuft gemeinsam mit den Landbesitzern die Grenzen der Gebiete ab. Das Team nimmt den Verlauf der Grenze mit einem Globalen Positionierungssystem (GPS) auf und markiert sie gleichzeitig mit Schildern. Wenn dieser Grenzpfad komplett ist, werden die Daten auf einer Karte ausgedruckt.
Landmarkierung hilft den Gemeinschaften, die Kontrolle über ihr Land, ihr Leben und ihre Zukunft zurückzugewinnen, weil sie die Regierung daran hindert, Landrechte an Einschlagsfirmen zu verkaufen.