
Indonesien: eine Inselgruppe aus 17.000 Inseln, die sich von den malaysischen Gewässern bis nach Papua Neuguinea hinziehen. Von Mangroven gesäumten Meeresbuchten, über tropische Regenwälder bis hin zu den Rhododendron-Wäldern an den Hängen des 4000 Meter hohen Kinabulu im Norden Borneos reicht das Spektrum der Urwälder Indonesiens. Hier leben rund zehn Prozent aller landlebigen Pflanzen- und Tierarten. Noch streifen Königstiger und Waldelefanten durch den dichten Dschungel, Orang-Utans hangeln sich von Baum zu Baum. Doch zunehmend leiden Menschen und Tiere unter der Vernichtung ihres Lebensraumes.
Rund 3,8 Millionen Hektar Wald wurden im Jahr 2000 in Indonesien gefällt - eine Fläche so groß wie die Niederlande. Die Entwaldungsrate hat sich zwischen 1990 und dem Jahr 2000 verdoppelt. Über die Hälfte der Wälder Indonesiens sind bereits in den Fingern der Holzindustrie. Seit ca. 30 Jahren treibt die Holzindustrie in Indonesien ihr Unwesen, ohne die Rechte der im Wald lebenden Menschen zu berücksichtigen. Viele indigene Völker mussten den Wald aufgrund der Abholzungen verlassen.
Die Holzindustrie in Indonesien ist völlig außer Kontrolle geraten. Was ursprünglich gedacht war, um die Wirtschaft des Landes an zu kurbeln, kostet den Staat heute viel Geld und führt zu Armut und Gewalt. Bis zu 90 Prozent des in Indonesien gefällten Holzes werden illegal abgeholzt. Für das Jahr 2003 hatte die indonesische Regierung 6,9 Millionen Kubikmeter Holz zum Einschlag frei gegeben.
Tatsächlich wurden schätzungsweise 90 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen, die in den Sperrholz- und Zellstofffabriken und den Sägewerken des Landes verarbeitet werden. Laut Statistiken der Weltbank verliert die indonesische Regierung jede Minute 6.700 US-Dollar durch illegalen Holzeinschlag. Jedes Jahr stiehlt die Holzindustrie der indonesischen Regierung so mehr Geld, als acht Millionen indonesische Familien in dieser Zeit durchschnittlich verdienen.
Im Oktober 2003 rief der indonesische Forstminister die EU auf, keine Holzprodukte mehr aus Malaysia zu importieren. Ein Großteil des aus Malaysia in die EU exportierten Holzes stammt aus Indonesien, wo es illegal eingeschlagen und nach Malaysia geschmuggelt wird. Die malaysische Regierung bestreitet jedoch, dass illegal eingeschlagenes Holz aus Indonesien nach Malaysia importiert wird.
Orang-Utans sind die sanftesten unter den Menschenaffen. Orang heißt auf Malaysisch Mensch, Utan heißt Wald. Doch die dem Menschen so ähnlichen Tiere sind akut bedroht. Durch den Verlust ihres Lebensraumes kommen die Waldmenschen heute nur noch im Norden Sumatras und auf Borneo vor. Die Anzahl der Orang-Utans hat sich im vergangenen Jahrhundert um 90 Prozent verringert. Lediglich 500 Tiger leben noch auf Sumatra, gerade einmal fünf Prozent der ursprünglichen Population. Rund zehn Prozent der Wälder Indonesiens sind für Schutzgebiete vorgesehen - keines der bestehenden großen Schutzgebiete ist bisher frei von illegalem Holzeinschlag.
Rund 50 Millionen Menschen leben in und von den Wäldern Indonesiens. Obwohl ihre Land- und Nutzungsrechte in der indonesischen Verfassung festgelegt sind, hat die Regierung regelmäßig dagegen verstoßen. Durch die Vergabe von Einschlagsgenehmigungen mussten Tausende von Menschen ihr Land verlassen. Proteste Einheimischer gegen die Zerstörung der Natur durch Straßenbau, Goldminen und Holzkonzerne schlägt das Militär oft nieder. Spannungen zwischen Neusiedlern und alteingesessenen Volkgruppen führen regelmäßig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Die größte indonesische Nichtregierungsorganisation WAHLI, eine Koalition von 450 lokalen Umwelt- und Sozialgruppen, fordert deshalb den Stopp des industriellen Holzeinschlags. Außerdem fordern sie Käufer und Verbraucher von indonesischen Holzprodukten auf, kein Holz mehr aus Indonesien zu kaufen, bis die Rechte indigener und lokaler Bevölkerungsgruppen vollständig anerkannt und Korruption und illegaler Holzeinschlag gebannt sind.
Im Jahr 2002 hat Deutschland Holz- und Papierwaren aus Indonesien im Wert von 228 Millionen Euro importiert. Der größte Teil der importieren Waren sind Möbel, die oft in unseren Gärten landen. In Kaufhäusern und Baumärkten werden Gartenmöbel aus indonesischem Holz (wie Teak) als besonders dauerhaft und mit Zeichen wie aus Plantagenwirtschaft
oder garantiert aus nachhaltiger Waldnutzung
angepriesen.
Doch Vorsicht: Holz aus Plantagenwirtschaft ist keine Garantie für Nachhaltigkeit. Oftmals werden Urwälder abgeholzt und dann schnellwachsende Plantagen angelegt. Starker Düngemittel- und Pestizideinsatz verseucht das Trinkwasser, die Böden werden ausgelaugt, Erosion ist die Folge.
Nicht selten werden auch Gartenmöbel aus Nyatoh, balau und anderen Urwald Baumarten angeboten.
Bisher gibt es lediglich ein Zertifikat, das als empfehlenswert gilt: Das Siegel des FSC (Forest Stewardship Council). Zur Zeit gibt es wegen der katastrophalen Zustände im Waldsektor in Indonesien jedoch kaum noch FSC-zertifiziertes indonesisches Holz auf dem Markt.
Vorsicht sollten auch die Häuslebauer walten lassen - oftmals werden Fenster aus indonesischem Merantiholz billiger angeboten als beispielsweise Eichenfenster. Der Grund dafür: geklautes Holz ist billiger als gekauftes Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft. Auch hier gilt: Fragen Sie nach FSC-zertifiziertem Holz.
Aus Malaysia wurden 2004 Holz- und Papierwaren im Wert von 52 Millionen Euro importiert, größtenteils Schnittholz und Möbel.