Damit steht MTCC in krassem Widerspruch zu international anerkannten Forst-Zertifikaten, die ökologische und soziale Kriterien erfüllen
müssen. Weniger als 20 Prozent der ursprünglichen Urwaldflächen Malaysias sind noch intakt. In den letzten Jahrzehnten ist der zerstörerische und illegale Holzeinschlag, besonders in den tropischen Wäldern, zu einem weltweiten ökologischen und sozialen Gerechtigkeitsproblem geworden. Nachdem sich die Regierungen der westlichen Industrienationen anfangs nur zögerlich mit den Missständen befasst haben, wendet man sich nun verstärkt der Legalität von Holzeinschlägen als Voraussetzung des internationalen Holzhandels zu. Der Aktionsplan "Forest Law Enforcement, Governance and Trade" (FLEGT) der EU zielt darauf, verbesserte Regierungsführung in den Ursprungsländern zu unterstützen und ein Lizensierungschema für Importe einzuführen.
Um die Legalität ihrer Holzexporte nachzuweisen hat Malaysia vorgeschlagen, das Forstmanagement und Handelskettenzertifikat des MTCC zu nutzen. Mitte der 1990er Jahre wurde MTCC in einem gemeinsamen Projekt zwischen Malaysia und den Niederlanden entwickelt, um die Nachhaltigkeit von Holzprodukten zu zertifizieren. In jüngster Zeit wurde das MTCC-Zertifikat auch dahingehend beworben, für die Legalität von Holzprodukten zu garantieren, nicht zuletzt unterstützt durch die teilweise Anerkennung des Forstmanagement-Systems durch die Regierungen Dänemarks und Großbritanniens. Allerdings lassen von Greenpeace durchgeführte Recherchen tiefgehende Zweifel an den Ansprüchen des MTCC aufkommen, sowohl die Legalität als auch die Nachhaltigkeit von Holzprodukten glaubwürdig zu zertifizieren: Es liegen Beweise vor, dass ein MTCC-zertifiziertes Forstunternehmen mit illegalem Holz aus Indonesien handelt.
Die standhaften Beteuerungen der Regierung Malaysias und der Holzindustrie, die Forstwirtschaft im eigenen Lande sei seit langer Zeit geradezu vorbildlich und nachhaltig, lässt den Verdacht aufkommen, dass das Konzept des MTCC niemals darauf ausgelegt war, ernsthafte Veränderungen in der Waldwirtschaft auszulösen. Leider sieht die Wirklichkeit nämlich trostlos aus: Weniger als 20 Prozent der ursprünglichen Urwaldflächen des Landes sind noch intakt. Die Artenvielfalt hat massiv gelitten, und die Nutzungs- und Landrechte der indigenen Gemeinschaften und anderer Waldbewohner werden von der Regierung und den Forstunternehmen mit Füßen getreten. Der MTCC hat wenig dazu beigetragen, diese Missbräuche zu verändern. Es bleibt möglich, Waldflächen aus den angeblich nachhaltigen, dauerhaft eingerichteten Waldschutzgebieten, die von MTCC kontrolliert werden, kahlzuschlagen. Illegaler Holzeinschlag innerhalb und außerhalb dieser Flächen ist keine Seltenheit. Zwischenzeitlich haben all jene Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die zur Mitarbeit am MTCC-System eingeladen waren, ihre Unterstützung mit lautem Protest zurückgezogen, weil es nicht vorgesehen war, dass die NGOs ernsthaft beratenden Einfluss auf den MTCC haben sollten, und die Wahrung der Rechte der indigenen Bevölkerung gescheitert ist.
Vor kurzem erklärte der MTCC öffentlich, was seit langem vermutet wurde oder bekannt war: Dass er weder plane, noch beabsichtige, die Landrechte oder die Nutzungsrechte der indigenen Bevölkerungsgruppen anzuerkennen. Damit steht der MTCC nicht nur im Widerspruch zu international anerkannten Standards für Forstmanagement, sondern auch zu einigen UN-Konventionen.
Hier wird die Naivität der britischen und dänischen Regierungen offenkundig: Die vermeintliche Legalität des durch den MTCC zertifizierten Holzes gründete sich lediglich auf die Informationen des MTCC selbst. Da überrascht es wenig, dass die Analysen von Greenpeace ernste Missstände im Zertifizierungsverfahren des MTCC aufdeckten: Das Zertifizierungsmodell MTCC ist eine Karikatur einer echten, von dritter Seite kontrollierenden Produktionsketten- Zertifizierung und unterwandert die Glaubwürdigkeit der Zertifizierer von legalem Holz sowie nachhaltiger Forstwirtschaft.
Effektiv beginnt und endet die kontrollierte Produktionskette (kurz: CoC - chain of custody) des MTCC am Holzwerk, auf dem Weg vom Wald zum Sägewerk beruht die zertifizierte Produktionskette auf einem mangelhaften und unbrauchbaren Verifizierungssystem, das von den Zertifikatnehmern selber durchgeführt wird.
Da Holzprodukte von Malaysia in alle Welt exportiert werden, wäre eine lückenlose Kontrolle der Mengen der MTCC zertifizierten Ware von Verarbeiter zu den Händlern notwendig, um Missbrauch zu unterbinden. Bis heute gibt es keine dieser Kontrollmechanismen der Produktions- und Handelskette beim Export, beispielsweise nach Europa. Damit ist dem missbräuchlichen Angebot von MTCC-Produkten auf dem deutschen Markt Tür und Tor geöffnet. Fatalerweise erlaubt der MTCC zudem, große Anteile unzertifizierten Holzes in seinen Produkten: 30 Prozent des Bauholzes müssen keinen Herkunftsnachweis haben, und bei Zellstoff ist sogar ein Anteil von 70 Prozent zugelassen, der aus unkontrollierten Quellen stammen darf.
Die für 2006 vorgesehenen neuen Richtlinien werden an den Missständen nur wenig ändern. Geplant ist, die kontrollierte Produktionskette (CoC) vom Holzverarbeitungsbetrieb bis zum internationalen Holzmarkt auszudehnen; allerdings ist bis jetzt völlig unklar, auf welche Weise und bis wann dieses Ziel erreicht werden kann. Es wird weiterhin weder eine Herkunftskontrolle der nicht-zertifizierten Produktanteile noch eine effektive CoC-Zertifizierung vom Wald bis zum Sägebetrieb geben. Das bedeutet, dass die Möglichkeiten für die Anbieter und Händler, Holz aus illegaler Abholzung als MTCC-zertifiziertes Holz auf den Markt zu bringen, weiter bestehen werden.
Um zweifelsfreie Beweise dieser Handelspraktiken zu erhalten, führte Greenpeace im Jahr 2004 eine Überwachung um Port Klant in Selangor durch. Hier konnte aufgedeckt werden, dass einer der wichtigsten MTCC-zertifizierten Holzverarbeitungsbetriebe Lieferungen von indonesischem Holz erhielt, das illegal eingeschlagen wurde. Trotz dieser schweren Verfehlungen und dem Fehlen der CoC-Kontrolle außerhalb Malaysias hatte der europäische Holzhandel aber bereits mit dem Verkauf des MTCC-zertifizierten Holzes in den Niederlanden und in Großbritannien begonnen – manchmal ausdrücklich darauf verweisend, das Holz stamme aus legaler und nachhaltiger Forstwirtschaft.
Das Marketing des MTCC für zertifiziertes Holz durch seinen Werbepartner Weber Shandwick in den Niederlanden hatte die gleiche Stoßrichtung: Gemeinden in den Niederlanden sollten ganz subtil zum Einsatz von MTCC-Holz überredet werden. Man versicherte ihnen, dass sie auf diese Weise ihrer Selbstverpflichtung, nur Holz aus legaler Herkunft zu verbauen, gerecht werden könnten. Wie die Untersuchungen von Greenpeace zeigen, sind diese Beteuerungen irreführend und falsch.